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"Innovation als Fundament des Erfolgs"

Acht Stationen bereiste Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger am gestrigen Donnerstag auf seiner Tour durch die Region. Am Vormittag legte er auch einen einstündigen Stopp im Esslinger Landratsamt ein. Im Mittelpunkt standen Gespräche mit Preisträgern des vom Landkreis ausgelobten Innovationspreises.

ANKE KIRSAMMER

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KREIS ESSLINGEN Länger als das akademische Viertel ließ Oettinger die Vertreter des Innovationsausschusses, von Politik, Schulen, Kreiskliniken und Landkreisverwaltung im Foyer des Sitzungsbereichs nicht warten. Punkt elf Uhr hielt der Tross aus der Landeshauptstadt in den Esslinger Pulverwiesen. Einen Abstecher in der Landesberufsschule für das Hotel- und Gaststättengewerbe in Bad Überkingen hatte der Landesvater da schon hinter sich.

Vor Ingrid Hartliebs Plastik "Schild mit Speer" begrüßte Esslingens Landrat Heinz Eininger den Ministerpräsidenten. Keine Abwehrhaltung sollte damit dem CDU-Parteikollegen gegenüber demonstriert werden. Vielmehr sah der Kreisverwaltungschef darin ein Symbol für Stärke und Dynamik. "Das passt auf den Landkreis und auf Ihre Person", sagte er an den hohen Besuch gewandt. Eine Wunschliste wollte der Landrat Günther Oettinger nicht mit auf den Weg geben. Mit den Ministerien stehe man ohnehin in gutem Dialog. Vielmehr präsentierte er dem Gast aus Stuttgart Innovatives. "Innovation ist in unserem Landkreis zu Hause." Denn: "Wer heute nichts tut, lebt morgen wie gestern."

Beispielhaft griff Eininger den im vergangenen Jahr zum zweiten Mal ausgelobten Innovationspreis heraus. Zielgruppe ist der klassische Mittelstand. Insgesamt wurden bei beiden Wettbewerben fast 80 Ideen eingereicht, die kurz vor der Markteinführung stehen oder den Sprung bereits geschafft haben. Aus dem ersten Wettbewerb im Jahr 2003 ging die Ars Arthro AG aus Esslingen als Gewinner hervor. Prämiert wurde die Firma für ein neues Knorpel-Regenerationsverfahren, das auf Basis körpereigener Zellen die Heilungschancen optimiert. Im Jahr 2005 gewann die Nürtinger Firma Sporlastic den ersten Preis für die Entwicklung eines modularen Prothesensystems zur Frühversorgung von Unterschenkelamputierten. "Innovatives Denken und Handeln müssen unterstützt werden, weil Innovationen die Grundlage für neue Märkte, für Wachstum und Arbeit sind", betonte der Landrat. Der mit 30 000 Euro dotierte Preis wird ausschließlich von Sponsoren aus der Wirtschaft finanziert für Eininger ein eindeutiges Standortbekenntnis der beteiligten Unternehmen.

Der Landrat wies außerdem auf einen am 22. Februar stattfindenden Fachtag an der Hochschule für Sozialwesen Esslingen zum Thema "Schule und Partner auf dem Weg zu einem Bildungspakt" hin. Bestehende Partnerschaften zwischen Schulen, sozialen Diensten, der Jugendhilfe, kulturellen Einrichtungen, Vereinen, Musikschulen, aber auch der Wirtschaft sollen dabei gestärkt und neue Kontakte geknüpft werden. An dem Tag wird auch ein Hauptschulpreis vergeben. Die Auszeichnung winkt Schulen, die für junge Leute den Übergang von der Schule in den Beruf besonders gut gestalten. Die Verwaltungsreform trage zu einem besseren Gelingen bei, meinte Eininger. "Durch die Bündelung auf Kreisebene rücken Verantwortliche aus Bildung, Jugendhilfe, Wirtschaft und Verwaltung noch enger zusammen."

Der Landrat streifte auch das Krankenhauswesen. Seinen Dank für die zugesagten 54 Millionen Euro Landeszuschuss für den Standort Nürtingen des Klinikums Kirchheim-Nürtingen verknüpfte Eininger mit der Bitte, die Förderung des Krankenhausprojektes Kirchheim nun ebenfalls zügig zu entscheiden. "Die Unterlagen liegen bereits seit Sommer 2005 beim Sozialministerium", betonte Eininger. Funktional und zeitlich hängen die Vorhaben auf dem Säer und in der Teckstadt eng zusammen. Mit dem Hinweis, dass Regieren Ideen, Tatkraft und "eine gute Kuttel" brauche, überreichte der Landrat dem Ministerpräsidenten einen Gutschein für ein gemeinsames Fitness-Training im neuen Vitalcenter am Paracelsus-Krankenhaus in Ruit sowie ein pfiffiges Würfelset eine im Rahmen des ersten Innovationspreises aufgefallene Idee, die der Landkreis seitdem als Marketing-Gag einsetzt.

Bevor sich Günther Oettinger intensiv den bisherigen Preisträgern der beiden Innovations-Wettbewerbe zuwandte, die ihre Projekte mit Schautafeln und einer kleinen Ausstellung präsentierten, skizzierte er die Entwicklung des Kreises Esslingen auf wirtschaftlichem Gebiet. Als zweitgrößter Landkreis habe er eine gute Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt genommen. Weltweit durch Maschinenbau, Fahrzeugzulieferer sowie Elektrotechnik bekannt, strahle auch der Stern von DaimlerChrysler in den Kreis aus. Neben der Medizintechnik griff der Ministerpräsident die Messtechnik im Anlagen- und Maschinenbau als Wachstumsbranchen heraus. "Die sollten wir nicht den Amerikanern oder Japanern überlassen." Weil Deutschland kein Billiglohnland sein könne, müsse es in der Entwicklung ein bis zwei Jahre vorne liegen. "Dann haben wir die Chance, unseren Lebensstandard halten zu können."

Mit seinem Eintrag ins "goldene Buch" zollte Oettinger den zahlreichen Projekten Respekt: "Innovation war und bleibt ein Fundament des Erfolgs im großen und leistungsstarken Landkreis Esslingen." Punkt zwölf stieg der vom Terminkalender Gehetzte wieder in die Karosse und machte sich auf zur zweiten Station im Kreis: Die Esslinger Burgschule, eine Grund- und Hauptschule mit Ganztagesbetrieb. Waldenbuch, Stuttgart, Waiblingen, Backnang und Asperg lauteten die weiteren Etappen des Tages.

Den Imbiss für die Gäste im Landratsamt in Form von reich dekorierten Häppchen hatten junge Leute des Esslinger Vereins Jugendhilfe vorbereitet. Seit Anfang des Jahres haben die Azubis, die häufig aus schwierigen Familienverhältnissen stammen, dort den Catering-Service übernommen auch hier beschreitet der Landkreis neue Wege.