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Insolvenz lässt Belegschaft hoffen

Die Geschäftsführung der Behr Automotive GmbH hat beim Amtsgericht in Esslingen Insolvenz angemeldet. Monatelang hatte das Unternehmen die 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wegen der Zukunft des Standortes in Wendlingen vertröstet. Die Insolvenz kam nun auch für Betriebsrätin Michaela Kern "überraschend". Angst hätten die Mitarbeiter bereits seit langem gehabt. Nun setzte das Gericht den Rechtsanwalt Volker Grub als Insolvenzverwalter ein.

ELISABETH MAIER

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WENDLINGEN Von einer drohenden Insolvenz war bei der Firma Behr bislang nicht die Rede gewesen. "Wir haben Löhne und Gehälter bislang immer pünktlich bekommen", sagt Betriebsrätin Kern. Die Mitarbeiter hätten das nur "vage befürchtet".

Das Unternehmen hatte die angekündigte Entscheidung über einen neuen Standort in den vergangenen Wochen immer wieder hinausgezögert. Der Stuttgarter Jurist Grub führt das Unternehmen jetzt bis auf Weiteres. Von der Geschäftsleitung der Firma Behr war in den vergangenen Tagen niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Grub hatte am Mittwoch die Belegschaft in einer Versammlung über das weitere Vorgehen informiert, war danach aber wegen des Feiertags ebenfalls nicht mehr zu erreichen.

Volker Grub hatte sich kurz nach dem Termin beim Amtsgericht mit Sieghard Bender, dem Ersten Bevollmächtigten der IG Metall im Kreis Esslingen, zu einer ersten Besprechung wegen der Zukunft der Mitarbeiter getroffen. Ihm zufolge hat das Unternehmen "wegen Zahlungsunfähigkeit" Konkurs angemeldet. "Volker Grub genießt einen hervorragenden Ruf in der Branche und hat schon viele Unternehmen saniert", sagt Sieghard Bender. Er kämpft seit Monaten um den Erhalt der Arbeitsplätze in Wendlingen. Neben den 160 Mitarbeitern dort sind 230 Beschäftigte im Betrieb Wallenstein bei Nördlingen betroffen.

Nach der Zitterpartie der vergangenen Monate "und vielen falschen Versprechungen seitens der Geschäftsführer" seien die Mitarbeiter nun froh, dass der Insolvenzverwalter ein Konzept zur Rettung der Arbeitsplätze erarbeiten wolle. Sieghard Bender geht davon aus, "dass es Interessenten gibt". Er glaubt zwar nicht, dass die Produktion in Wendlingen langfristig weiterlaufen könne, aber hofft darauf, dass die neuen Eigentümer einen Standort in der Region suchen. Die Geschäftsführung hatte bereits schon einen möglichen Standort auf dem ehemaligen Müller-Weingarten-Areal in Esslingen abgelehnt. Diese Frage wird nun neu diskutiert.

Vor zwei Wochen hatte die Behr-Geschäftsführung Sieghard Bender dann Hausverbot erteilt, weil er vertrauliche Informationen weitergegeben habe. Darüber war an diesem Dienstag vor dem Arbeitsgericht noch verhandelt worden. Die Geschäftsführer haben vorgestern im Gerichtssaal nach Sieghard Benders Worten erklärt, es stehe "nichts Wichtiges für die Belegschaft an". Die Richter gaben der Geschäftsleitung recht und bestätigten das Hausverbot. In drei Wochen sollte es zur Hauptverhandlung kommen. Mit der Insolvenz ist das Hausverbot gegen Sieghard Bender nun aber hinfällig.

Volker Grub verhandelt mit Sieghard Bender offiziell über Belange der Mitarbeiter. Löhne und Gehälter seien für die nächsten drei Monate durch das Insolvenzausgleichsgeld gesichert, stellt der Gewerkschafter klar. Für die Mitglieder der IG Metall gelten die Tarifverträge weiter. "In den nächsten Wochen wird ein Konzept erstellt, wie die beiden Betriebe weitergeführt werden können."

"Diese Geschäftsleitung muss weg. Sie hat uns belogen und den Karren in den Dreck gefahren", zitiert Bender einen Mitarbeiter. Ohne Insolvenzverwalter Grub dürfe die Behr-Geschäftsleitung nichts mehr entscheiden. Auch die Berater, die das Unternehmen beschäftigt hatte, würden nicht mehr bezahlt.

Die Produktion bei Behr läuft weiter. Bender geht davon aus, dass bestehende Aufträge wie die Daimler C-Klasse und SLK abgearbeitet werden. Die Ersatzteilfertigung laufe ebenso weiter. Bender will sich vehement dafür stark machen, dass das Unternehmen weiter um neue mögliche Aufträge kämpft. Es produziert hochwertige Zierteile fürden Innenraum von Fahrzeugen. Bauliche Voraussetzungen, damit die Produktion laufen kann, wurden offenbar geschaffen. Die Geschäftsleitung hatte vergangene Woche beim Gewerbeaufsichtsamt die Baugenehmigung für eine Lüftungsanlage beantragt. Diese Anlage hatte das Unternehmen bekommen, um weiter produzieren zu können.