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Integrieren stattweiter polarisieren

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Zum Artikel "Gesinnung lässt sich nur schwer überprüfen", im Teckboten vom 14. Januar und zur Diskussion um den Fragebogen zur Gesinnungsprüfung für Einbürgerungswillige:

Alle, die diesen Gesinnungstest begrüßen, weil es ihnen nicht genügt, wenn Ausländer die formalen Einbürgerungskriterien erfüllen, ignorieren die Tatsache, dass Baden-Württemberg eines der wenigen Bundesländer ist, das bereits seit dem Jahr 2000 für den Erwerb des deutschen Passes zusätzlich einen schriftlichen und mündlichen Sprachtest verlangt. Bevor dieser Test eingeführt wurde, lag die Überprüfung der Deutschkenntnisse im Ermessen der Ausländerbehörden und der dort tätigen Sachbearbeiter. Irgendwie scheint in Vergessenheit geraten zu sein, dass einzelne Sachbearbeiter durchaus offen waren für Zuwendungen aller Art, um die nötigen Kenntnisse zu bescheinigen, was dazu geführt hat, dass die Prüfung ausgelagert und in sachlich kompetente Hände gelegt wurde. Beauftragt mit der Durchführung sind nun landesweit die Volkshochschulen.

Nun gibt es also beim Thema Integration eine Rolle rückwärts, sozusagen zurück in die Zukunft, indem wieder in den Behörden selbst geprüft und gleich auch noch bewertet wird. Es ist unbestritten wichtig, dass Menschen, die sich einbürgern lassen wollen, über unser Grundgesetz und unser Wertesystem informiert sind und eine positive Einstellung dazu haben. Warum macht man dann nicht den Besuch eines Kurses, der entsprechende Kenntnisse vermittelt, zur Pflicht? Im ganzen Land gibt es Institutionen und Kursträger, die für die Durchführung der seit 2005 vorgeschriebenen Integrationskurse für Neu-Zuwanderer zugelassen sind und sowohl über geeignetes Unterrichtsmaterial als auch über qualifizierte Lehrkräfte verfügen.

In diesen Kursen wird übrigens aus gutem Grund kein Unterschied zwischen Muslimen und allen anderen Religionszugehörigen gemacht. Das gemeinsame Lernen vermittelt allen im Kurs auch den Lehrkräften ganz selbstverständlich Wissen über die verschiedenen Kulturen und fördert damit die gegenseitige Toleranz und das Verständnis füreinander. Das einseitige Ausgrenzen einer Religion wirkt dagegen wie wir zurzeit unschwer sehen können polarisierend und nicht integrierend.

Eva Vogelmann

Kirchheim, Silcherstraße

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