Lokales

Intelligente Partnerschaft mit der Kernstadt

Jesingen hat einen neuen Ortsvorsteher. In einer öffentlichen Sitzung erhielt Johannes Züfle am Montag in der Gemeindehalle alle zwölf möglichen Stimmen der wahlberechtigten Mitglieder des Ortschaftsrates. Nachdem beide in der engsten Wahl verbliebenen Kontrahenten ihre Bewerbung zurückgezogen hatten, sorgte das eindeutige Votum für klare Verhältnisse. Der zustimmende Applaus zeigte, dass die Wahl auch vom Publikum mitgetragen wurde.

WOLF-DIETER TRUPPAT

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KIRCHHEIM Jesingens stellvertretender Ortsvorsteher Hans Gregor erinnerte zunächst daran, dass Ortschafts- und Gemeinderat nach der Wahl von Harald Eiberger zum Bürgermeister von Illingen beschlossen hatten, die Stelle eines hauptamtlichen Ortsvorstehers beziehungsweise einer hauptamtlichen Ortsvorsteherin auszuschreiben. Insgesamt 28 Bewerbungen waren bei der Gemeinde eingegangen. Acht von der Verwaltung ausgewählte Bewerber konnten sich am 20. Februar in einer nichtöffentlichen Sitzung den Mitgliedern des Jesinger Ortschaftsrats vorstellen.

Der nach umfassender Diskussion einstimmig festgelegten "engsten Wahl" gehörten schließlich drei Bewerber an, die sich in der öffentlichen Sitzung in der Jesinger Gemeindehalle nun vorstellen sollten. Neben Marina Brand, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin beim Justizministerium Baden-Württemberg und dem Hauptamtsleiter der Gemeinde Walheim, Ian-Vincent Schölzel, vervollständigte Johannes Züfle, Stadtinspektor bei der Stadt Heilbronn, das für die anstehende Aufgabe sich gleichermaßen prädestinierende Feld der engsten Wahl.

Nachdem Martina Brand ihre Bewerbung am 1. März und Ian-Vincent Schölzel am 3. März zurückgezogen und mit neuen beruflichen Aufgaben und Perspektiven an ihrem derzeitigen Arbeitsplatz begründet hatten, verblieb allein Johannes Züfle, der sein Interesse an der ausgeschriebenen Position in der Jesinger Gemeindehalle umso eindrucksvoller und nachhaltiger begründen konnte.

Am 30. Mai 1980 in Freiburg im Breisgau geboren, verbrachte Johannes Züfle seine ersten zwölf Lebensjahre in Wolfach im Schwarzwald, um dann nach Wilhelmsdorf in Oberschwaben zu übersiedeln, wo sein Vater Vorstandsvorsitzender eines Werkes der Diakonie und seine Mutter als Lehrerin tätig sind. Johannes Züfle war dagegen schon immer klar, dass er eine Ausbildung zum gehobenen Verwaltungsdienst anstreben will, um durch einen spannenden und vielseitigen Beruf Mitverantwortung für das Gemeinwesen zu übernehmen, um Ziele mit und für Menschen erreichen zu können.

Nach dem Zivildienst bei der unteren Naturschutzbehörde belegte er bei seinem Studium ganz bewusst auch das Wahlfach Kommunalpolitik. Nach seinem Abschluss an der Verwaltungsfachhochschule in Kehl konnte er als Angestellter der Agentur für Arbeit erste Erfahrungen sammeln und arbeitete seither als Beamter im Amt für Jugend, Familie und Senioren in Heilbronn.

Dem Ortschaftsrat versprach er für den Fall seiner Wahl "eine handwerklich saubere Vorbereitung der Sitzungen" und eine genauso kollegiale und konstruktive Zusammenarbeit wie innerhalb der Ortsverwaltung. Da die Zusammenarbeit mit Kirchheim äußerst wichtig ist, werde er "nicht zu forsch auftreten", andererseits aber auch nicht "zu allem Ja und Amen sagen, was von oben kommt", stellte Johannes Züfle im Beisein von Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker und Bürgermeister Günter Riemer fest. Die Zusammenarbeit mit der Kernstadt, von der Jesingen nicht nur finanziell und inhaltlich abhängig, sondern auch auf Ressourcen und Kompetenzen der Fachämter der Zentralverwaltung angewiesen ist, will er als "intelligente Partnerschaft" gestalten. Dabei müssten selbstbewusst die Interessen Jesingens vertreten werden. Andererseits gelte es aber auch, partnerschaftlich und mit einem Blick auf das Machbare zu agieren.

Da er seine Diplomarbeit über das Thema "Bürgerschaftliches Engagement" geschrieben hat, bei der ein Ergebnis war, dass das Engagement der Bürger immer mehr zu einem wichtigen Standortfaktor für Kommunen wird, hatte Johannes Züfle schnell erkannt, dass Jesingen mit seiner Vielzahl von Vereinen und aktiven Mitgliedern eine in dieser Hinsicht äußerst wertvolle Ortschaft sei.

Dass er im Blick auf den Verkehr kein Patentrezept in der Tasche habe räumte er ein, sagte aber zu, sich intensiv in die Problematik einer Ortsumgehung einzuarbeiten, um alle möglichen Varianten zu überdenken und zu diskutieren, um dann nicht unter Zeitdruck, aber zügig eine Entscheidung zu fällen. Ganz deutlich hob er am Ende seiner Ausführungen auch nochmals hervor, dass er "kein von außen kommender Großvisionär" sei, der für alle anstehenden Probleme sofort fertige Lösungen präsentieren könne. Als qualifizierter Fachmann könne er aber zielführend moderieren, sich für die Umsetzung der Beschlüsse des Jesinger Ortschaftsrats einsetzen und eine konstruktive Zusammenarbeit mit der Stadt Kirchheim anstreben.

Im Anschluss hatten zunächst die Mitglieder des Ortschaftsrates Gelegenheit, den Kandidaten zu befragen und auch für die Besucher war ein Saalmikrofon aufgebaut, um auch ihnen Gelegenheit zu geben, Fragen zu stellen.

Nach einer kurzen Sitzungsunterbrechung, die bei acht Ja-Stimmen und vier Enthaltungen mehrheitlich befürwortet wurde und den Vertretern Gelegenheit gab, sich intern noch einmal zu beraten, wurden die Wahlzettel verteilt, um in geheimer Wahl über die zur Disposition stehende Ortsvorsteherstelle zu entscheiden. Das einstimmige Votum der Mitglieder des Ortschaftsrats wurde von den Besuchern mit viel Applaus bestätigt. Wenn die Wahl des Ortschaftsrats jetzt auch noch vom Kirchheimer Ratsgremium bestätigt wird, ist Johannes Züfle endgültig als Nachfolger von Harald Eiberger gewählt.