Lokales

Intensive Begleitung in den ersten Jahren

Migrationserstberatung: Hinter diesem sperrigen Begriff verbirgt sich das neue Beratungsangebot für Migrantinnen und Migranten, das die Wohlfahrtsverbände der evangelischen und katholischen Kirche im Landkreis Esslingen künftig gemeinsam anbieten wollen.

ULRIKE RAPP-HIRRLINGER

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ESSLINGEN Diakonische Bezirksstelle Esslingen und Caritas-Zentrum Esslingen stehen Zuwanderern und ihren Familien beim Neuanfang unterstützend und beratend zur Seite.

Dazu haben Diakonie und Caritas das bisherige Beratungsangebot für Aussiedler und Ausländer auf vier Tage erweitert. Beide Einrichtungen verfügen über eine langjährige Erfahrung in der Migrationsarbeit, wobei diese in den vergangenen Jahren auf Grund wegfallender Mittel stark gekürzt werden musste.

"Das neue Zuwanderungsgesetz eröffnet neue Möglichkeiten und hat als Zielgruppen Ausländer und Aussiedler", erklärt Dietmar Bauer-Sonn, Leiter der Diakonischen Bezirksstelle. Da mache es auch Sinn, die Beratung zusammenzuführen. "Zumal wir auch bisher schon häufig kooperieren", ergänzt Lisa Kappes-Sassano, Leiterin des Caritas-Zentrums Esslingen.

"Die Probleme sind ohnehin ähnlich", weiß Pedro Diez, der seit 30 Jahren im Migrationsdienst der Caritas arbeitet. Seine Kollegin Diana Büttner wird sich ebenso im Auftrag der Diakonie um die Migrationserstberatung kümmern und weiterhin Ansprechpartnerin für Aussiedler sein.

Als wichtigste Aufgabe nennen beide die Vermittlung ihrer Klienten in so genannte Integrationskurse, in der die deutsche Sprache, wie auch Wissen über Gesellschaft und Kultur vermittelt werden. Aber auch bei Fragen, unter anderem im Zusammenhang mit Kindergarten, Schule und Beruf, bei Behördengängen oder Arbeitssuche, stehen die Berater Migranten zur Seite. "Bei speziellen Problemen vermitteln wir auch weiter an Fachberatungsangebote", betont Dietmar Bauer-Sonn. In einem Faltblatt, das bei den Ausländerbehörden, in der Diakonischen Bezirksstelle und dem Caritas-Zentrum Esslingen, aber auch in den Sprachkursen ausliegen, sind die wichtigsten Informationen zusammengetragen.

Zielgruppe des neuen Beratungsangebots sind Migranten über 27 Jahre, für jüngere Übersiedler gibt es eigene Angebote. Wer neu nach Deutschland kommt, soll bis zu drei Jahre lang intensiv beraten werden. Dazu gehört, die Kenntnisse und Fähigkeiten festzustellen, die der Einzelne mitbringt, und zu erarbeiten, welche Kenntnisse noch erworben werden müssen.

In einem Förderplan können entsprechende Maßnahmen festgeschrieben werden. In einer Integrationsvereinbarung kann zudem festgehalten werden, was der Einzelne in diesen drei Jahren erreichen will. "Das hilft, Prioritäten festzulegen und steigert die Motivation des Zuwanderers", weiß Diana Büttner. Fördern und fordern ist die absolute Leitlinie.

In erster Linie sollen von Diakonie und Caritas Neuankömmlinge beraten werden. Wer bereits länger in Deutschland lebt, kommt auch zum Zug, wenn die Berater Kapazitäten frei haben. Zwei halbe Stellen für den ganzen Landkreis Esslingen, da ist nicht nur Lisa Kappes-Sassano skeptisch: "Das wird auf Dauer wohl nicht ausreichen", meint Dietmar Bauer-Sonn.

Sprechstunden der Migrationserstberatung werden angeboten bei der Diakonischen Bezirksstelle Esslingen, Lohwasen 2, freitags von 10 bis 12 Uhr, im Ausländerbüro am Hafenmarkt 2, donnerstags von 14 bis 17 Uhr, im Caritas-Zentrum Esslingen, Neckarstraße 21, dienstags von 10 bis 12 Uhr und nach Vereinbarung sowie im Übergangswohnheim Ostfildern-Parksiedlung, Gerhard-Hauptmann-Straße 101, dienstags und mittwochs von 9 bis 12 Uhr.