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Interessante Forschungen zur Heuneburg

Rose Gruner, Vorsitzende des Fördervereins Heidengraben, freute sich, den Archäologen Dr. Jörg Bofinger vom Landesamt für Denkmalpflege Regierungspräsidium Stuttgart als Redner begrüßen zu können. Sie hob seine spontane Bereitschaft hervor, seinen von Fachleuten und Kollegen hochgelobten und viel beachteten Vortrag, auch dem neugegründeten Förderverein vorzustellen.

GRABENSTETTEN Zunächst erklärte Dr. Bofinger seinen Zuhörern, warum es gerade an der Heuneburg an der oberen Donau archäologische Grabungen gibt, gleichzeitig dazu aber auch auf dem Ipf bei Bopfingen, dem Glauberg bei Hessen oder im Umfeld des Hohenasperg, um nur einige Beispiele zu nennen. All diese groß angelegten Grabungen finden bei Fürstensitzen statt und sind auf mehrere Jahre angelegt. Es sind Forschungsgrabungen, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziell gefördert und vom Landesamt für Denkmalpflege durchgeführt werden. Mehr Informationen dazu gibt es auch im Internet unter www.fuerstensitze.de.

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Die Forscher wollen bei den lang angelegten Grabungen herausfinden, was zwischen dem siebten bis vierten Jahrhundert vor Christus zur Entstehung und Niederlassung der keltischen Zivilisation nördlich der Alpen führte und wie groß das Einzugsgebiet um die Fürstensitze herum war. Als Fürstensitze gelten befestigte Siedlungen, zu denen gleichzeitig Prunkgräber gehören und mediterrane Importfunde nachweisbar sind. All diese Kriterien erfüllt die Heuneburg spielend. Gleich mehrere Großgrabhügel geben hier Zeugnis vom Wohlstand der damaligen Bevölkerung. Der monumentalste dieser Grabhügel ist mit 100 Meter Durchmesser der berühmte "Hohmichele". Wieder rekonstruiert, trägt er heute auf seinem Plateau mehrere große Linden.

Die Heuneburg liegt auf einem Sporn direkt über einer alten Donaufurt und der Handel der damaligen Bevölkerung muss nicht nur donauabwärts bis zur Mündung rege gewesen sein. Die damaligen Handelsströme führten auch zielgerichtet über Landstraßen hinter die Alpen ins Etruskerland. Der Einfluss des Südens auf die Heuneburg war vor etwa 2600 Jahren so groß, dass dort sogar eine Bauweise angewandt wurde, die den klimatischen Bedingungen überhaut nicht entsprach. Bei den großen archäologischen Grabungen in den Jahren 1950 bis 1979 auf dem Plateau der Heuneburg kam an der Südfront eine einzigartige Wehrmauer aus luftgetrockneten Lehmziegeln zum Vorschein, die bis heute nördlich der Alpen ihresgleichen sucht. Verputzt und auf einem schönen Kalksteinsockel aufgesetzt gab sie Zeugnis von den weiten Handelsbeziehungen der keltischen Bevölkerung auf der Alb. Heute ist die Wehrmauer fachmännisch rekonstruiert und das Freilichtmuseum Heuneburg deshalb nicht nur wegen der Einmaligkeit der Aussicht und der schönen Lage besuchenswert.

Der Fürstensitz Heuneburg hat jetzt schon genügend archäologisches Material geliefert, um sich als wohlhabend zu präsentieren. Wo aber waren die großen Bevölkerungsschichten zu suchen, die die Basis für diesen Wohlstand bildeten? Dazu muss das Umland der Heuneburg untersucht werden. Archäologen machen in diesem Falle zuerst an ausgewählten Stellen "Schnitte" oder Sondagen, das heißt, es werden Gräben angelegt, an deren sauber geschnittenen Wänden die Fachleute "lesen" können, in welchen Schichten sich die Kulturgeschichte der jeweiligen Zeitepoche abzeichnet. Je nachdem wird die Grabungsfläche erweitert oder als "Fundleer" wieder zugemacht.

Bei der Heuneburg wurden 2004 sieben verschiedene Sondagen gelegt. Die sensationellste war gleichzeitig auch die schwierigste. An der Nordspitze der Heuneburg Wall und Grabenanlagen wurden bis dahin immer als mittelalterlich beschrieben kamen in sieben Meter Tiefe Holzbalken zum Vorschein. Der hervorragende Zustand dieser Bauhölzer war den geologischen Verhältnissen an dieser Stelle zu verdanken. Nasse und wasserstauende Lehmschichten hatten das Holz über die Jahrtausende so gut konserviert, dass man daran nicht nur die Verzapfungen und Bearbeitungsspuren erkennen konnte, sondern an den vielen dort aufgefundenen Holzspänen eine Aufarbeitung vor Ort sich nachweisen lies. Auch die verschiedenen Holzarten, die hier an dieser Stelle Verwendung fanden, konnten genau bestimmt werden: Eiche, Buche, Esche, Erle und Weißtanne.

Die Bergung dieser einmaligen Funde in dem tiefen Loch, das bei Regen sofort volllief und ständig ausgepumpt werden musste, verlangte von den Ausgräbern höchsten körperlichen Einsatz. Zu all dem konnte in der engen Grabungsstelle nur kniend von oben nach unten gearbeitet werden, weil die nassen freigelegten Schichten nicht betreten werden durften.

Die Untersuchung der zum Teil meterlangen Balken erfolgte in der Arbeitsstelle Hemmenhofen am Bodensee. Dort besitzt das Landesamt für Denkmalpflege ein dendrochronologisches Labor. Alle archäologischen Funde des Landes werden dort analysiert und ausgewertet. Die Hölzer aus dem Heuneburggraben konnten zum Teil ganz genau datiert werden. So ließ sich zum Beispiel für ein Buchenspaltholz das Fälldatum auf das Jahr 578 vor Christus festlegen. Vier Jahre älter war das Holz einer Tanne, die zu dünnen Brettern verarbeitet wurde. Weil das Fälldatum der Hölzer und das Datum einer Scherbe, die im sechsten Jahrhundert vor Christus im Mittelmeerraum gefertigt wurde und die sich in Fundlage bei den Balken befand, zeitlich überein stimmten ist somit belegt, dass die großen Wallanlagen um die Heuneburg in die Hallstattzeit zu datieren sind.

Bei dem ausgegrabenen Material handelt es sich vermutlich um eine Brücke, die über den großen Graben zur Heuneburg führte und bei einem Erdrutsch verschwand. Holz war als Rohstoff zu allen Zeiten begehrt. Deshalb sind alte Holzfunde selten und bei Archäologen hoch geschätzt, insbesondere seit sie genau datiert werden können.

Die Grabungen an der Heuneburg wurden 2005 an drei Stellen weitergeführt beziehungsweise neu angefangen. Einmal bei den Hölzern im Wallgraben an der Nordspitze der Heuneburg, wo bei dieser Grabungskampagne noch mehr Hölzer zum Vorschein kamen. Sodann wurde eine Grabungsstelle auf der Westseite großflächig angelegt, weil dort die Vorburg vermutet und durch viele Siedlungsspuren der ausgehenden Hallstattzeit belegt werden konnte.

Die Sensation zeichnete sich im Hochsommer ab, als am Fuße des Restwalles auf der Nord-West-Seite der Heuneburg bei der Grabung schön behauene Kalksteine zum Vorschein kämen. Kalksteine kommen an der Donaukante jedoch nicht vor. Sie wurden also hertransportiert. Nach vollständiger Freilegung der Steinsetzungen kamen schöne Kalksteinmauern zutage, die in ihrer Anordnung nichts anderes als die Interpretation einer großen Toranlage zulassen. Der dazu freigelegte breite Fahrweg führt zwischen den Mauern direkt auf die großen Grabhügel zu. Die Situation vor Ort lässt für die Forscher nur den Schluss zu, dass sie hier den Haupteingang zur Burg gefunden haben. Es wurde also somit an dem Monument Heuneburg noch ein großer Mosaikstein freigelegt, welcher die herausragende Bedeutung dieser Anlage als Machtzentrum der Hallstattzeit nur noch unterstreicht.

Die vielen Fragen der Zuhörer, die der Archäologe gerne beantwortete, unterstrichen das große Interesse der Menschen an ihrer Vergangenheit. Die Grabungen werden dieses Jahr weitergeführt.

bro