Lokales

Internationale Meister gehen in Kirchheim leer aus

THORSTEN FISCHER

KIRCHHEIM Gheng durfte danach den Preis der Volksbank Kirchheim-Nürtingen in Empfang nehmen. Veranstalter Schachclub Kirchheim hatte zu seinem neunrundigen Turnier, bei welchem jedem Spieler 15 Minuten für eine Partie zur Verfügung standen, neben zahlreichen Amateuren auch drei Internationale Meister begrüßt. Der Pole Henryk Dobosz, Dauergast Frank Zeller sowie der in Stuttgart lebende Valery Bronznik kamen jedoch nie so richtig in die Gänge und hatten mit dem Turniersieg wenig am Hut.

Bronznik erwischte einen ganz schlechten Start und hatte nach fünf Runden gerade mal die Hälfte der möglichen Punkte auf seinem Konto. Vier Siege in Folge brachten ihn in der Tabelle indes noch auf den vierten Platz vor. Der Schwäbisch Gmünder Frank Zeller stolperte hingegen über seine eigenen Nerven. Zunächst fehlte ihm in Runde fünf der Überblick, als er seine Partie aufgab, obwohl sein Gegenüber bereits das Zeitlimit überschritten hatte. In der nächsten Partie ließ Zeller dann prompt das beste Stück, die Dame, stehen, womit er auch in dieser Runde ohne Punkt blieb. So etwas gibt es also nicht nur an den hinteren Brettern zu sehen. . .

So rangen folglich andere Schachcracks im Schlossgymnasium um die Spitzenplätze. Zunächst setzte sich der Böblinger Thilo Kabisch, der zuletzt schon in Crailsheim die versammelten Profis hinter sich ließ, mit sechs Punkten aus sieben Spielen an die Front. Dann ging ihm aber eindeutig die Luft aus, denn zwei Niederlagen folgten. Dem starken Schlussspurt des Böblinger Oberligaspielers Josef Gheng hatte er nichts entgegenzusetzen. Auch der Reichenbacher Admir Miricanac verdiente sich seine Lorbeeren. Er war ständig an den vorderen Brettern zu finden und sicherte sich mit sieben Zählern Rang zwei.

Dass nicht nur ehemalige Weltmeister wie Viktor Kortschnoj im fortgeschrittenen Alter noch zu starken Leistungen im Schachsport fähig sind, bewies in Kirchheim der 64-jährige Gmünder Lothar Roth, der mit seinem traditionell angriffslustigen Spielstil sich 6,5 Punkte und den dritten Platz erkämpfte. Auch der einheimische Reinhold Richter mischte, als 77-Jähriger ältester Teilnehmer, noch ordentlich mit und errang 2,5 Punkte. Ebenso bemerkenswert sind die Auftritte des sichtbar unter schweren Bewegungsstörungen leidenden Gerhard Fahnenschmidt. Der 67-jährige ehemalige Bundesligaspieler lässt sich dadurch jedoch, begleitet von seiner Frau, nicht von Turnierbesuchen abhalten und bringt mit seinem Blitzstil seine Finger haben die Geduld einfach nicht mehr auch gegen starke Gegner manch erstaunlich gute Partie aufs Brett. Immerhin die Hälfte der möglichen Punkte waren es, die er holte. Ganz so wichtig sind Fahnenschmidt Sieg oder Niederlage inzwischen freilich nicht mehr.

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