Lokales

INTERVIEW

Gespräch mit Johann Steffl, Vorsitzender der Liederlust Ohmden

Antje Dörr

Herr Steffl, warum braucht ein Dorf einen Gesangverein?

Johann Steffl: Weil Lieder die Gemeinschaft stärken. Wenn ein Dorf keinen Gesangverein mehr hat, dann geht doch ein Stück Kultur verloren.

Warum haben so viele Vereine Nachwuchssorgen?

Viele Menschen wollen sich nicht mehr an eine Gemeinschaft binden. Ein Chor ist wie eine Mannschaft – alle müssen an einem Strang ziehen, jede Stimme muss präsent sein. Außerdem darf man nicht am Chorleiter sparen.

Passen Vereine vielleicht einfach nicht mehr in die heutige Zeit?

Das glaube ich nicht. Wir versuchen, modern zu bleiben, indem wir immer wieder neue Projekte starten, zum Beispiel „Schule singt“ oder „Männersache“, einen Chor für Männer im Alter von 18 bis 40 Jahren. Darüber hinaus sind Vereine nötig, um das Leben am Ort lebenswert zu halten. Wir singen ja nicht nur, sondern tun auch etwas für die Gemeinschaft. Ein Beispiel: Den Kinderspielplatz in Ohmden haben wir komplett saniert.

Mit Ihrem Projekt „Schule singt“ gehen Sie in die Grundschule und versuchen, Kinder vom Singen zu begeistern. Funktioniert das?

Das funktioniert sogar sagenhaft. Unser Chorleiter Bertram Schattel bringt den Kindern das Singen auf spielerische Weise nahe, nicht schulmeisterlich. Die Kindern mögen ihn und haben beim Singen großen Spaß.

Denken Sie, dass diese Kinder später auch in Ihren Verein eintreten?

Ob sie zu uns kommen, weiß keiner. Aber das ist wie beim Blumensäen im Frühling: Irgend jemand wird es ernten.

Was muss ein Verein tun, damit es ihn auch in 100 Jahren noch gibt?

Da gibt es keine Patentrezepte. Ich denke, dass die Gesellschaft sich auf bestimmte Werte zurückbesinnen muss. Die Menschen werden erkennen, dass man gemeinsam etwas bewegen kann, dass Singen Spaß macht, dass man damit Grenzen überschreiten kann. Da bin ich zuversichtlich. Und die Vereine müssen natürlich am Ball bleiben, um diese Entwicklung aufzufangen.

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