Lokales

INTERVIEW

Hartwig von Kutzschenbach (SOFA) über mehr Einzelzimmer in Pflegeheimen

Herr von Kutzschenbach, was halten Sie davon, dass es in Pflegeheimen künftig nur noch Einzelzimmer geben soll?

Grundsätzlich finde ich das gut. Der Mensch ist so angelegt, dass er Rückzugsmöglichkeiten braucht. Das gilt für alle Menschen, unabhängig von Alter oder Erkrankung. In einer Familie hat doch auch jeder sein eigenes Zimmer.

Man hört aber doch immer, dass gerade Demenzkranke viel Gesellschaft brauchen.

Das stimmt. Deshalb werden demenzkranke Patienten idealerweise in familienähnlichen Wohngruppen betreut. Aber je nach Persönlichkeit und Stadium der Erkrankung macht ständige Aktivierung auch keinen Sinn. Das eigene Zimmer sollte der Rückzugsraum sein.

Ist dieser Rückzugsraum im Alter besonders wichtig?

Ja. Gerade Menschen mit Demenz können Eindrücke nicht mehr so gut filtern und müssen zwischendurch vor Reizen geschützt werden.

Führen Einzelzimmer nicht zu mehr Einsamkeit?

Nein, das glaube ich nicht. Anregung und Gesellschaft können die Bewohner tagsüber bekommen, das muss nicht im eigenen Zimmer passieren. Außerdem darf man das Konfliktpotenzial, das in einem Doppelzimmer erwächst, wenn zwei Menschen sich nicht verstehen, auch nicht unterschätzen.

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