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"Intuitiv entwirft er Torsi, Köpfe, ganze Figuren"

KIRCHHEIM "Steinspuren" unter diesen Titel hat der Bildhauer Uli Gsell seine derzeitige Ausstellung im ersten Obergeschoss der Städtischen Galerie im Kornhaus gestellt.

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FLORIAN STEGMAIER

Künstlerische Spuren in Stein hat Gsell im Kirchheimer Umkreis in den vergangenen Jahren bereits mehrfach legen können. So etwa durch seine Beteiligung am "Großen Albgang", ein auf Initiative des Landkreises für ein Jahr lang etablierter Skulpturenpfad auf der Schopflocher Alb, bei dem das "Who is Who" der südwestdeutschen Bildhauerei versammelt war, oder mit seinem "Jahrhundertdenkmal" auf dem Bossler, das seinen Namen von den in Stein gemeißelten, für das vergangene Jahrhundert prägenden Begriffen hat.

Im Kornhaus zeigt der Ullman-Schüler Skulpturen, die größtenteils erst in den vergangenen Monaten entstanden sind, die von Hohlräumen und Schächten durchzogen sind, in die sich die Negativform wie bei einer archäologischen Ausgrabung stufenweise hineingräbt und von einem haptisch reizvollen Wechselspiel leben zwischen polierter und naturbelassener Oberfläche.

Keineswegs marginal, sondern als gleichgewichtete Metaebene gesellen sich dazu die zahlreichen Steindrucke. Von den abgespaltenen Teilen vor dem Wiederzusammensetzen einer Plastik abgenommen, zeigen sie wie Hartmut Landauer in seiner Laudatio formulierte "Bilder einer verborgenen Zwischenwelt, die man eigentlich gar nicht abbilden kann". Es müsse, so Landauer, reine Neugier des Bildhauers gewesen sein, etwas aus dem Innenleben seiner eigenen Arbeiten zu erfahren, die diese neue Werkreihe entstehen ließ.

Hartmut Landauer, langjähriger künstlerischer Weggefährte Gsells und als Stipendiat des Landkreises Esslingen und drei Jahre dessen Ateliernachbar, erinnerte sich, wie ihn Gsell einmal aus der eigenen Arbeit riss, um ihn an der Spaltung eines Steins beiwohnen zu lassen. Ein Vorgang, der nicht allein handwerkliches Procedere ist, sondern vielmehr für jeden Bildhauer einen äußerst sinnlich wahrzunehmenden Augenblick darstellt.

Oft habe er sich gewundert, so Landauer, wenn Uli Gsell "wie ein Geist" aus einer dichten Steinstaubwolke und einem "Höllenmaschinenlärm" heraustrat, um ihm dann einen seiner wie blind und dennoch feinst geschnittenen Stein-Körper zu zeigen.

Analog zur Architektur des Galerieraums, der dem Grundriss nach einer Hallenkirche mit zwei Seitenschiffen ähnelt, hat Gsell drei Steinspuren "gelegt", die im wechselseitigen, rhythmischen Dialog untereinander und mit dem Raum sich zu befragen, zu ergänzen und zu bestätigen scheinen.

Die großen Kiesel erinnerten Landauer zufolge durch ihre Rundung an Weltbilder, erweckten den Eindruck, der Künstler habe eine "Schädel"-Decke abgenommen und somit Raum für Gedanken geschaffen. Sie seien aber auch als Architektur deutbar: Plätze, Terrassen, heilige Orte.

Die Serie der "Throne", die noch mehr "Innenräume" und "Innenbilder" aufweise, charakterisierte Landauer als "erhaben" und wies darauf hin, dass seiner Ansicht nach Gsells Stelen die im "Hauptschiff" des Raumes angeordnet wurden die autonomsten Skulpturen des Künstlers zu sein scheinen.

"Spannung, natürliche Symmetrie und Balance: das ästhetische Repertoire Uli Gsells speist sich aus anthropomorphen Proportionen und Formen. Intuitiv entwirft er Torsi, Köpfe, ganze Figuren. Sein eigenes Körpergefühl gestaltet mit", so das Fazit des Laudators.

Die Ausstellung "Steinspuren" von Uli Gsell wird bis zum Sonntag, 17. Juni, zu sehen sein. Zur Finissage am selben Tag ist der Künstler ab 14 Uhr zu einem Künstlergespräch anwesend.