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Investor soll Klinik bauen

Der Landkreis will den Erweiterungsbau des Ruiter Krankenhauses von privaten Investoren errichten und betreiben lassen. Als bundesweit erster Klinikbau, der über Public Private Partnership (PPP) verwirklicht wird, gilt das neue Gesundheitszentrum als Pilotprojekt. Staatssekretärin Karin Roth, Staatssekretär Richard Drautz und Landrat Heinz Eininger unterzeichneten die Förderverträge.

ROLAND KURZ

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OSTFILDERN Die Kreisverwaltung brütet seit Jahren über der Erweiterung des Paracelsus-Krankenhauses. 18 Millionen Euro hatte man für die Umsetzung des Papiermodells geschätzt, das unbeachtet auf dem Schränkchen stand. Denn nun wird das Projekt neu aufgerollt. Das Gesundheitszentrum soll eine zentrale Notaufnahme und Patientenaufnahme erhalten, eine interdisziplinäre Intensiveinheit, Linksherzkatheter-Messplatz, Funktionsräume der Inneren, onkologische Tagesklinik, ambulantes OP-Zentrum, Dialysezentrum sowie Notfallpraxis der niedergelassenen Ärzte. Ziel sei, die Prozesse zu optimieren, damit die Klinik wirtschaftlicher arbeite, sagte Eininger. Außerdem sollen 200 Tiefgaragenplätze das Parkproblem entschärfen.

Wie aufwendig die Vorbereitung eines PPP-Modells ist, weiß Eininger von der Erweiterung des Esslinger Landratsamtes, wo jetzt das Richtfest ansteht. Der Kreis befinde sich damit quasi "an der Spitze der PPP-Bewegung", erklärte Eininger den Staatssekretären. Er dankte Karin Roth, weil sie das Ruiter Krankenhaus als Förderprojekt "ausgeguckt" habe. 120 000 Euro steuert das Bundesverkehrsministerium für die Vorbereitung der PPP-Verträge bei. 300 000 Euro kalkuliert der Kreis für die Unterstützung durch ein Planungsbüro und eine Anwaltskanzlei ein.

Weil die Investoren und Betreiber mit einer jahrzehntelangen Laufzeit planen und rechnen, weiß der Landrat: "Was vorher nicht bedacht wird, kostet hinterher Geld". Bis zur letzten Steckdose müsse alles vorher geklärt sein. Bei Krankenhäusern, in denen sich die Anforderungen laufend ändern, sei dies besonders schwierig, waren sich Eininger und Roth einig. Dass in Ruit auch niedergelassene Ärzte mit ins Boot geholt werden, um stationär und ambulant besser zu verknüpfen, macht die Sache nicht einfacher. Aber das war ein Grund, warum Ruit gefördert wird. Man hoffe, diese Erfahrungen an andere Krankenhäuser weitergeben zu können, sagte Staatssekretärin Roth.

Sowohl die Bundesregierung wie die Landesregierung haben "Task-Forces" eingerichtet, die den PPP-Modellen Schwung verleihen und das Wissen verbreiten sollen. Bei den bisherigen PPP-Modellen in Baden-Württemberg habe man zwischen 12 und 18 Prozent der Kosten einsparen können, sagte Richard Drautz, dem die Stuttgarter PPP-Truppe untersteht. Das Land hat inzwischen auch seine Förderprogramme für PPP-Modelle geöffnet. Wie die Landeszuschüsse an den Projektträger fließen, müsse im Einzelfall geprüft werden.

Sechs Konsortien werden nun aufgefordert, ihre Pläne und Angebote für das Gesundheitszentrum zu unterbreiten. Nach den Sommerferien 2008, so rechnet Eininger, werde man ein Unternehmen auswählen. Neben dem hoffentlich eingesparten Geld macht für Eininger die Kostenklarheit über den ganzen Lebenszyklus des Baus den Reiz aus. Er weiß aber: "Geschenkt kriegt man nix. Was man sich an Risiken abnehmen lässt, kostet auch Geld."