Lokales

IO:12010601.JP_Stell dir vor, du musst dir ...

IO:12010601.JP_Stell dir vor, du musst dir folgende Frage stellen, wenn du vor dem Kleiderschrank stehst: Was passt mir eigentlich noch? Ich frage mich nicht deshalb, weil ich mir Gedanken machen müsste, dass sich alle Knöpfe explosionsartig von mir entfernen, wenn ich mir ein Hemd überstreife, sondern eher weil sich inzwischen die Frage stellt: Welche Hose wird sich ohne Gürtel lieber für die Schwerkraft entscheiden? Meine T-Shirt-Sammlung muss auf jeden Fall einmal gekocht werden, damit sie sich meiner neuen Form anpasst. Zehn Kilo in acht Wochen sind unübersehbar. Von anfänglich 91,5 Kilogramm zu Beginn der Kur ging es runter auf aktuell 81,4 Kilogramm. Das sind vier Pfund weniger als letzte Woche. Das ist auch ein Resultat meiner veränderten Essgewohnheiten. Allein die Einsicht, dass zum Beispiel weniger Fett und mehr Obst und Gemüse für Figur und Gesundheit förderlich sind, reiche allein nicht aus, um unser Verhalten dauerhaft zu ändern, sagt Pfundsfit.

Anzeige

Seit ein paar Wochen bringe ichmeinen "Stoffwechsel-Motor" bereits morgens mit ausgiebigem Frühstück in Gang, trinke über den Tag mindestens drei Liter Wasser oder weißen Tee und abends treibe ich Sport. Sollte sich danach der Hunger melden vor allem nach dem Schwimmen dann wird dieser beispielsweise mit Obst oder Reis mit Beilage befriedigt. Das Ergebnis steht in der Überschrift.

Nach der Regenerationswoche um Ostern habe ich die letzten sieben Tage richtig Gas gegeben und auf meinem Hometrainer die Grundlagen für die anstehende Freiluftsaison gelegt. Das Rennrad ist längst bestellt und wird am kommenden Samstag eingefahren. Bei einem Beratungstermin wurden zuerst meine biometrischen Daten aufgenommen: Schrittlänge, Arm-, Bein-, Rumpflänge, Schulterbreite und einiges mehr hat man exakt notiert. Die gewonnenen Daten werden gerade von einem sportmedizinischen Institut ausgewertet und die Ergebnisse dann auf die Einstellungen meines neuen Rennrads übertragen. Somit befinde ich mich vom ersten Moment an in einer für mich idealen Sitzposition und kann beim Treten in die Pedale auf eine optimale Kraftentfaltung bauen. Ebenfalls wichtig ist es, dass keine möglichen Verspannungen im Rücken oder Nackenbereich beim Radeln entstehen. Aus diesen Gründen sollte man das Fahrrad auch bei einem seiner örtlichen Spezialisten erwerben, denn dierichtige Beratung vom Experten ist gerade für Anfänger wie mich Gold wert. Ja, Sport wirkt in der Tat stimmungsaufhellend. Warum das so ist, weiß man bis heute nicht ganz genau, schreiben die Experten des "PfundsFit"-Buches. Es werden so genannte "Glückshormone" ins Spiel gebracht. Dahinter verbergen sich Opiode, die sich aber erst nach einer ganzen Weile im Körper ergießen. Solch einen "Sportrausch" zu erleben, ist nicht das Ziel der Kur. "PfundsFit" sagt: Das Training tut einem auch ohne diese "Glückshormone" gut, weil man Stress abbauen kann und die Gedanken klarer werden.

Das kann ich nur bestätigen. Treppen, zu Anfang der Kur die quälende Alternative zum Aufzug, sind mittlerweile willkommene Gelegenheiten für einen "Zwischensprint". Vorbei sind auch die Zeiten, als ich mich morgens aus dem Bett quälte und Probleme hatte, in die Gänge zu kommen. Inzwischen stehe ich rund ein bis zwei Stunden früher auf und freu mich schon auf den Sport nach Feierabend. Dazu zählt auch das Schach-Spiel. Nicht nur der Körper soll fit werden, der Geist auch.

Und kommt noch ausreichend frische Luft hinzu, dann wachsen auch neue Gehirnzellen nach, wissen seit kurzem die Gehirnforscher zu verkünden. Da kann man sich glücklich schätzen.

Apropos "glücklich": In den USA wurde eine große Anzahl von Personen untersucht, die einer bestimmten Tätigkeit leidenschaftlich nachgegangen sind. Darunter befanden sich Bergsteiger, Schachspieler, Chirurgen und viele andere. Alle Untersuchten beschrieben ein Gefühl, das ein amerikanischer Psychologe als "Flow" zu deutsch "Fluss" bezeichnet und in dem der Schlüssel zum Glück vermutet wird. Bei diesem Zustand stimme einfach alles, verrät das "PfundsFit"-Buch: Man ist mit sich im Reinen, man gehe ganz in der Tätigkeit auf und verschmelze geradezu mit dem Tun. Tätigkeiten, die sich mit links erledigen lassen, oder solche, die einen bedrohen, erzeugen dagegen Langeweile oder Angst. Sportliche Aktivitäten, die so gewählt sind, dass das Verhältnis zwischen Anforderung und Fähigkeiten stimmt, die weder unter- noch überfordern, sind geradezu prädestiniert, um den Flow-Zustand zu erreichen. PfundsFit rät, sich Aktivitäten heraus zu suchen, die einen herausfordern. Und deshalb bewegte ich mich diese Woche schon vor der Redakteurs-Arbeit mit der Axt im Walde. Man glaubt gar nicht, wie herausfordernd und entspannend das war.

Während wir am 24. April anlässlich des "Tags des Lärms" über negative Folgen der Lärmbelästigung wie etwa Stress oder Ohrenschäden in unserem Medium berichtet haben, kann man beim Walken oder Holz hacken im Wald den Vögeln zuhören und frische Waldluft schnuppern. Was für ein Genuss. Und dreimal dürfen Sie nun raten, ob sich da ein Flow-Zustand bei mir eingestellt hat . . . Und nächste Woche bin ich nicht nur ein Jahr älter, sondern knacke vielleicht sogar die 80-Kilogramm-Marke zum ersten Mal seit fünf Jahren.Text: Jörg BächleFoto: Heinz Göhring