Lokales

Ist der "absolute Golf-Traum" geplatzt?

Der "absolute Traum" vom Golfplatz in Hochdorf ist in Schieflage geraten, nachdem Bürgermeister Roland Erhardt die angesetzte Bürgerversammlung zu dem polarisierenden Thema am Freitag abgesagt hatte. Grund war ein Leserbrief von Hans Frank im Amtsblatt, der seinen Widerstand gegen die geplante Anlage nochmals manifestierte.

HOCHDORF Bürgermeister Roland Erhardt beabsichtigt, das Thema auf die Tagesordnung der nächsten Gemeinderatssitzung zu setzen. Dann entscheiden die Bürgervertreter, was zu tun ist. Allerdings wäre es ihm Recht, wenn die Vorprüfung beim Regierungspräsidium Stuttgart ein verkürztes Planfeststellungsverfahren nicht zurückgezogen wird, sodass eine klare behördliche Entscheidung auf dem Tisch liegt, ob eine 18-Loch-Anlage auf 85 Hektar landwirtschaftlicher Fläche im Bereich Aspen/Hinterer Burg überhaupt genehmigt werden würde. Bei einer Absage hätte sich die ganze Diskussion sowieso erledigt.

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Wie Erhardt in einem anschließenden Gespräch betonte, ist für ihn klar, dass nicht gegen den Willen des Haupterwerbslandwirts entschieden wird. "Wir wollen dem Mann nicht den wirtschaftlichen Boden unter den Füßen wegziehen." Noch bestehen gewisse Hoffnungen, miteinander zu reden. Die Chance, dass sich etwas zum Positiven wendet, sieht Erhardt allerdings als gering. "Schließlich gibt es für Hochdorf wichtigeres als den Golfplatz."

Im Ältestenrat wurde überlegt, was man hätte anders machen können, bei dem Thema, das die Hochdorfer Bevölkerung in zwei Lager spaltet. Der Verwaltungschef räumt mögliche Versäumnisse im Ablauf der Informationskette ein, schließlich habe er mit dem Bau von Golfplätzen keinerlei Erfahrung. Vielleicht wäre eine Bürgerversammlung oder zumindest ein Treffen mit den Grundstückseigentümern noch vor der Sommerpause sinnvoll gewesen, um miteinander zu reden. Aus terminlichen Gründen sei dies aber nicht machbar gewesen. Auch der formale Ablauf scheint Erhardt wichtig. Erst wenn die Karten vom Regierungspräsidium auf dem Tisch liegen, was Ende Oktober erwartet wird, kann die Betreiberin des Golfparks Göppingen, die die Anlage in Hochdorf errichten möchte, mit den betroffenen Grundstückseigentümern verhandeln. Bei einer Absage hätte sich dies erübrigt. Denkbar wäre auch gewesen, erst im Herbst das heikle Thema im Gemeinderat aufs Tapet zu bringen. "Aber wer weiß, vielleicht wär's trotzdem so gekommen", mutmaßt Bürgermeister Roland Erhardt.

Im Moment scheint der Traum von Jutta Mack geplatzt, in idyllischer Lage das 5 Millionen Euro teure Projekt bis 2007 zu verwirklichen. Bürgermeister Erhardt und der Gemeinderat hatten in öffentlicher Sitzung betont, nichts gegen den Willen der drei hauptbetroffenen Landwirte zu unternehmen. "Dazu stehe ich", so Erhardt, der bedauert, dass bis heute kein persönlicher Kontakt zu Landwirt Frank zustande gekommen ist. Über einen Leserbrief im Gemeindeblatt erfuhr der Rathauschef vom Votum des Bauern Frank.

Frank bestätigt, dass tatsächlich kein persönliches Gespräch stattgefunden hat. Er argumentiert: "Frau Mack und Bürgermeister Erhardt hätten auf mich zukommen können, da sie etwas von mir wollten." Er ist nach wie vor bereit, mit dem Bürgermeister zu sprechen, allerdings nicht mit Jutta Mack. "Sie kommt mit Pachtverträgen massiv auf die Grundstückseigentümer zu, um sie an Land zu ziehen. Ohne Information und Hintergrund wird versucht, Gelände zu gewinnen", moniert Frank, den vor allem Macks Vorgehensweise stört. Beispielsweise habe sie ihm einen Pachtvertrag zugeschickt, auf dem Grundstücke verzeichnet sind, die nicht ihm gehören. "Ich frage mich, woher sie das hat?" Ihm fehlen vor allem aber rechtliche Sicherheiten, wenn die Fläche auf längere Sicht verpachtet wird. Zudem habe Mack ihm Arbeitsplatz und Ausgleichsflächen versprochen, für die Erhardt keine Garantie übernimmt. "Damit kann ich nicht leben. Ich habe Familie." Er räumt dem Golfplatz keine Chancen ein, da ohne Sicherheit und Garantie nichts läuft und er sich nicht auf ein Abenteuer einlassen könne.

Jutta Mack hält unterdessen unabhängig von den Bestrebungen, den Golfpark in Göppingen zu belassen, am Standort Hochdorf fest. Sie erklärte, dass die Entscheidung des Regierungspräsidiums abgewartet wird. "Die Chancen stehen gut", so ihre Einschätzung des Vorhabens in Hochdorf, "wir sind vorsichtig optimistisch." Zu den Vorwürfen Franks erklärt sie, dass sie mehrmals auf dessen Hof gewesen sei und nach einem Gesprächstermin gefragt habe. Das sei jedes Mal gescheitert. Deshalb wurde von ihr ein Vermittler eingeschaltet. "Was wir Herrn Frank anbieten, ist auf seinen Betrieb zugeschnitten, dass er Landwirt bleiben kann, auch nach der Agrarreform 2005. Wir haben uns die Zukunftssicherung überlegt und ihm einen Hofladen im Clubhaus angeboten. Dafür kann ich garantieren."

Bis zur nächsten öffentlichen Gemeinderatssitzung am 5. Oktober ist das Thema vom Tisch. Dann soll das neu konstituierte Gremium entscheiden, was weiter geschieht.

ez