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Jahrbuch „Archäologische Ausgrabungen 2007“ enthält Aufsatz über Alamannengräber auf dem Berger-Areal

Jahrbuch „Archäologische Ausgrabungen 2007“ enthält Aufsatz über Alamannengräber auf dem Berger-Areal

Das neue Jahrbuch „Archäologische Ausgrabungen 2007“ ist erschienen. Ein Aufsatz darin widmet sich den merowingischen Grabfunden auf dem Dettinger Berger-Areal. Und mehr noch: Einer der Funde aus der Schlossberggemeinde hat es sogar bis auf die Titelseite des Buchs geschafft.

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Bianca Lütz

Dettingen. Als im Frühjahr 2007 feststand, dass das Dettinger Berger-Areal neu bebaut wird, sah die Denkmalpflege (RP) des Regierungspräsidiums Stuttgart ihre Chance gekommen. Endlich war es möglich, an das alamannische Gräberfeld zu gelangen, das nach dem Zweiten Weltkrieg unter Baumaßnahmen der Tuchfabrik Berger verschwunden war. Von Mai bis Oktober vergangenen Jahres arbeiteten die Archäologen mit Hochdruck in Dettingen, um die Gräber freizulegen. Die Ergebnisse der Grabungen hat Dr. Ingo Stork, stellvertretender Leiter der Denkmalpflege des RP Stuttgart, in einen Aufsatz gefasst. Der Artikel mit dem Titel „Wichtige Grabfunde der Merowingerzeit aus Dettingen unter Teck“ ist nun im Jahrbuch „Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2007“ erschienen.

„Insgesamt konnten noch 63 Gräber sicher festgestellt werden“, heißt es in dem Aufsatz. Einige weitere Grabgruben seien leer gewesen. Sie sind anscheinend schon vor über 50 Jahren ausgeräumt worden.

Als erstes sind auf dem merowingischen Friedhof offenbar Kinder begraben worden. Laut Dr. Ingo Stork besonders bedeutend ist das Grab eines etwa vierjährigen Mädchens, das vermutlich auf den Beginn des sechsten Jahrhunderts zurückgeht. Neben dem Skelett fanden die Archäologen eine Erwachsenenausstattung und ein Collier mit acht kupfernen Münzanhängern.

Die Experten glauben, dass der alamannische Friedhof auf dem Berger-Areal höchstwahrscheinlich älter ist als das Gräberfeld beim Bahnhof, wo die Denkmalpflege mit Ausgrabungen starten möchte, sobald der Umbau des Bahnhofsvorplatzes beginnt.

Als herausragend bezeichnet Ingo Stork auch ein Frauengrab, das zu einem etwas späteren Zeitpunkt entstanden ist. Die Archäologen haben dort eine silberne S-Fibel gefunden, die nicht nur im Buch, sondern sogar auf dessen Titelseite abgebildet ist. Die Brosche ist mit Almandinen – roten Schmucksteinen aus der Familie der Granaten – belegt und in Süddeutschland einzigartig. Schätzungen zufolge ist die Fibel ein Importstück aus der Zeit um 600 nach Christus.

Die Aufmerksamkeit der Denkmalpfleger hat zudem ein drittes Grab auf sich gezogen: ein Männergrab mit Waffenausstattung. Gefunden wurde eine Spatha – ein zweischneidiges Schwert – und eine Lanzenspitze. Darüber hinaus kam ein hakenförmiges Eisengerät von knapp 30 Zentimetern Länge zum Vorschein. Aus Dr. Ingo Storks Sicht ist dieses Gerät ebenfalls einzigartig in Süddeutschland. Fraglich ist, welche Funktion das Stück hatte. Der Archäologe geht nicht zwingend von einer Waffe aus. Ihm zufolge hat das Gerät Ähnlichkeit mit Flößerhaken, die bis in das 19. Jahrhundert genauso aussahen.

Dass sich Werkzeuge in merowingischen Gräbern befanden, haben Archäologen nun schon mehrfach festgestellt – allerdings meistens im linksrheinischen Raum. Das, so Dr. Ingo Stork sei „ein weiterer Hinweis auf die fränkische Orientierung von Dettingen“. Es ist bekannt, dass zumindest die wohlhabenden Alamannen aus Dettingen damals in engem Kontakt mit den Franken standen.

Neben dem Beitrag über die Dettinger Funde enthält das Buch weitere 63 Aufsätze und zahlreiche Bilder von wichtigen Ausgrabungen aus dem vergangenen Jahr. Neben Dettingen ist übrigens Esslingen die einzige Kommune aus dem ganzen Kreis, die mit einer Ausgrabung im Jahrbuch vertreten ist, einer neuen, spätmerowingischen Hofgrablege aus Oberesslingen.

Herausgegeben wird das Jahrbuch vom Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart zusammen mit dem Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg, der Gesellschaft für Archäologie in Württemberg und Hohenzollern und dem Förderkreis Archäologie.

Das Jahrbuch „Archäologische Ausgrabungen 2007“ ist im Theiss-Verlag erschienen, hat 272 Seiten, zahlreiche farbige Abbildungen und ist für 21,90 Euro erhältlich. ISBN: 3806221766.