Lokales

Jahrzehntelanger Dornröschenschlaf wird beendet

Das Konzept steht für das Gebiet "Hinterer Wasen" in Notzingen. Es ist die Ausgleichsmaßnahme für das Baugebiet Letten II, ebenso wie zahlreiche Baumpflanzungen im Baugebiet selbst.

IRIS HÄFNER

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NOTZINGEN Mitte Februar fand ein Gespräch mit Professor Küpfer vom Büro Stadt-Land-Fluss, den Wernauer Schafhaltern Hornung und Notzingens Bürgermeister Flogaus statt, dessen Ergebnis Letzterer dem Gemeinderat präsentierte. Der "Hintere Wasen", einstmals Viehweide, soll wieder in diesen Zustand versetzt werden.

Die ursprüngliche Planung der Hecken wurde überarbeitet, da die Pflanzungen für die rund 400 Schafe nicht praxisgerecht war. Die "Meterzahl" bleibt die gleiche, lediglich die Anordnung wurde verändert. "Als ich die Kosten gesehen habe, bin ich zunächst erschrocken", gibt Jochen Flogaus zu. Allein das besondere Saatgut schlägt mit rund 7500 Euro zu Buche. Insgesamt kostet das Herrichten des Bereichs etwa 25 000 Euro. "Das ist jedoch gut angelegtes Geld und mit der Maßnahme können wir Punkte für unser Ökokonto sammeln", erklärte der Schultes.

Bevor überhaupt ein einziges Schaf im Gewann "Hinterer Wasen" grasen kann, sind zahlreiche Vorarbeiten nötig. Zudem haben in den vergangenen Jahren Disteln einen Teil des Geländes erobert. Deshalb muss der Boden vor der ersten Saat Ende April zweimal gegrubbert werden. Die Erde ist im unteren Bereich wegen des Baches je nach Witterung recht feucht und an den steilen Hanglagen soll es einen Magerrasen geben all das muss berücksichtigt werden.

"Dieses Jahr werden wir gar nicht mit unseren Schafen auf diese Weide gehen, damit das Gras gut anwachsen kann und die Grasnarbe stabil wird", erklärt Andreas Hornung, Agraringenieur mit eigenem Betrieb. Für die Fläche in Notzingen bekommt er ein besonderes Ökotypensaatgut, das speziell für extensiv genutze Schafweiden gemixt wird. Bis zu 45 verschiedene Sorten sind darin vereint. "Es müssen weidetaugliche Gräser sein, die wenig Pflege brauchen, zudem robust sind und wenig Ansprüche an den Boden haben", so Andreas Hornung.

Die geplanten Hecken sollen zum einen Vögeln eine Heimat bieten und zum andern die große Fläche gliedern. Auch hier muss auf die richtigen Sträucher geachtet werden, denn sie sollten verbissunempfindlich sein. Können die Schafe die Gehölze ohne größeren Schaden anknabbern, halten sie ohne allzu viel menschlichen Pflegeaufwand die Hecken in Zaum. Bis es jedoch so weit ist, müssen die Sträucher zunächst einmal vor den Tieren geschützt werden.

"Das wird eine gute Sache", ist Erhard Reichle überzeugt. Seiner Ansicht nach ist es notwendig, dass dieses Gebiet künftig vernünftig genutzt wird. "Es ist gut angelegtes Geld und wir sollten die Sache jetzt richtig angehen und nicht noch jahrelang Disteln rausrupfen müssen", sagte Erhard Reichle.

"Das Gebiet lag jahrzehntelang im Dornröschenschlaf. Auch wenn es sich um einen stattlichen Betrag handelt, sollten wir die Möglichkeit nutzen und den "Hinteren Wasen" aufwerten schließlich wollen wir was Sauberes, Tolles und Hundertprozentiges", stellte Eduard Bosch klar. Mit Vater und Sohn Hornung habe man Schafhalter gefunden, die seit Generationen dieses Geschäft kennen und als Fachleute auch in der Landschaftpflege einen guten Namen hätten.

"Ganz so euphorisch bin ich nicht, so viel Geld für die Herstellung einer Schafweide auszugeben. Nach ein paar Jahren sind die Unkräuter wieder da", zeigte sich Günter Barz eher pessimistisch. Auch Gerhard Mergenthaler tat sich etwas schwer mit dem hohen Pflegeaufwand der Hecken. "Können das nicht die Bauhofarbeiter machen?", fragte er. Jochen Flogaus hatte dabei jedoch Bedenken. "Die stehen bei diesen Metern mindestens drei Wochen da unten", sagte er. Würden Fachleute die Hecke pflegen, hätte man zudem eine Anwachsgarantie der Pflanzen.

Herbert Hiller ist dagegen überzeugt, dass in den nächsten zwei Jahren so gut wie keine Pflege anfällt, da laut Plan Forstware gepflanzt werden soll, die im Vergleich zu handelsüblichen Jungpflanzen kleiner wären. Er lobte den Plan. "Der Vorschlag ist nachvollziehbar und wenn wir an unser Ökokonto denken, müssen wir die Sache richtig machen und in den sauren Apfel beißen", erklärte er. Mit einer gewissen Genugtuung freut er sich über die neue Bestimmung des Gebietes. "Wir erinnern uns: Der ,Hintere Wasen' war als Schlackendeponie für den Landkreis ausgewiesen", meinte Herbert Hiller schmunzelnd.