Lokales

Jede Menge Arbeit, aber keine Stellen

Kirchheimer Träger sehen den Einstellungsstopp für den Bundesfreiwilligendienst kritisch

Der Bundesfreiwilligendienst kommt so gut an, dass bereits ein Einstellungsstopp verhängt worden ist. Der Teckbote hat bei Kirchheimer Einrichtungen nachgefragt, wie viele Bufdis sie haben und was sie von dem Nachfolgemodell des Zivildiensts halten.

Zeit zum Spielen: Bufdi Klara Geist betreut ihre Schützlinge im Karl-Weber-Kindergarten.Foto: Jean-Luc Jacques
Zeit zum Spielen: Bufdi Klara Geist betreut ihre Schützlinge im Karl-Weber-Kindergarten.Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. Manfred Sigel versteht die Welt nicht mehr. „Zuerst hat die Politik für den Bundesfreiwilligendienst intensiv die Werbetrommel gerührt. Und jetzt wird ein Einstellungsstopp verhängt“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Tragwerk, die in der Erziehungs- und Altenhilfe sowie als Schulträger tätig ist, kopfschüttelnd. Hintergrund ist, dass die 35 000 Bundesfreiwilligendienst-Stellen, die im Bundeshaushalt eingeplant waren, vergeben sind. Für Manfred Sigel ist das besonders ärgerlich. „Wir haben acht Bufdi-Stellen, von denen drei besetzt sind“, sagt er. Die fünf offenen Stellen wird Sigel wegen des Einstellungsstopps wohl vorerst nicht besetzen können.

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Prinzipiell ist Manfred Sigel mit dem Nachfolgemodell des Zivildiensts zufrieden. Die drei jungen Männer, die aktuell als Bufdis für die Stiftung Tragwerk arbeiten, sorgen für Entlastung, indem sie Hol- und Bringdienste, Hausmeistertätigkeiten, Einkäufe und Besorgungen erledigen und bei der Zubereitung des Pausenvespers mithelfen. „Das Problem ist, dass es immer noch zu wenige Bufdis gibt“, sagt Manfred Sigel. Anstatt diesen Dienst zu unterstützen, verhänge die Politik einen Einstellungsstopp und bringe nun auch noch die Besteuerung ins Spiel. Demnach müssten die Bufdis ihr Taschengeld in Höhe von 336 Euro im Monat künftig versteuern – eine Ankündigung, die bei Opposition und Verbänden für Entrüstung gesorgt hatte, sich aber nach Angaben des Familienministeriums in weit über 90 Prozent der Fälle nicht auswirken dürfte, weil der steuerliche Freibetrag von rund 8 000 Euro nicht überschritten wird.

Auch Heike Nägelein, Dienststellenleiterin des Malteser Hilfsdiensts in Kirchheim, steht dem Einstellungsstopp kritisch gegenüber. Zum einen deshalb, weil die jungen Leute ihrer Meinung nach vom Bundesfreiwilligendienst profitieren. „Viele überdenken nach ihrer Erfahrung bei uns ihren Berufswunsch. Es ist wichtig, dass so viele wie möglich die Gelegenheit haben, ein Jahr lang etwas Soziales zu tun“, sagt Heike Nägelein. Zum anderen seien die Dienste auf die Bufdis angewiesen. „Ohne die Bufdis könnten wir unsere Arbeit hier nicht so leisten, da wir das Ehrenamt sind und keine Festangestellten haben.“ Zwei Bufdis arbeiten aktuell bei den Maltesern Kirchheim mit. Für 2012/13 hat Heike Nägelein erst einen, hätte aber gerne noch zwei weitere. Die jungen Leute, die allesamt unter 27  sind, arbeiten als Ausbilder, helfen in den sozialen Diensten mit und erledigen Verwaltungstätigkeiten. Mit den Zivis kann Heike Nägelein die Bufdis nicht vergleichen. „Die Zivis waren mehr im Rettungsdienst, in den sozialen Diensten, im Hausnotruf und dem Mahlzeitenservice eingesetzt.“ Die Lücke, die der Wegfall der Zivis gerissen hat, sei übrigens nicht geschlossen worden, weil sich zu wenige Bufdis gemeldet hätten.

Verglichen damit hat das Mehrgenerationenhaus Linde in Kirchheim schon fast ein Luxusproblem. Dort übersteigt die Nachfrage das Angebot an Stellen nämlich bei Weitem. „Traditionell werden wir in jedem Jahr von vielen Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf freie Plätze angesprochen, sodass wir in der Lage sind, uns die passenden Bewerber aussuchen zu können“, sagt Matthias Altwasser, Hausleiter des Mehrgenerationenhauses. Aktuell seien beide Bufdi-Stellen mit männlichen Bewerbern besetzt. Die Nachfolger, die ab September 2012 ihren Dienst antreten, sind auch schon wieder gefunden. Ein festes Einsatzgebiet für die Bufdis gibt es im Mehrgenerationenhaus Linde nicht. Sie werden jedes Jahr mit den Bewerbern neu ausgemacht. „Ein Bufdi muss bei uns also nicht automatisch nur Hausmeistertätigkeiten machen, sondern kann sich in pädagogischen und kulturellen Bereichen ausprobieren die ihm liegen“, so Matthias Altwasser.

Einen Einstellungsstopp oder gar eine Kontingentierung der Stellen hält Matthias Altwasser für sehr problematisch, da sie die Maßnahmen des Mehrgenerationenhauses stark beeinträchtigen würden. „Zudem würde nach unserem Dafürhalten ein Stück des Lebens und Lernens an unseren demokratischen Strukturen verloren gehen“, sagt der Hausleiter. Schließlich sei der Bundesfreiwilligendienst mehr als ein „Nachreifen“ oder das „Schnuppern in die Arbeitswelt“, sondern vielmehr die gelebte Solidarität mit der und für die Gesellschaft.