Lokales

Jede Menge Lokalkolorit und Blicke über den Tellerrand

DETTINGEN Die Runde war groß und dennoch so familiär, dass Rainer Haußmann aus dem Nähkästchen plauderte. Der jährliche GemeindeFilmabend sei für ihn etwas Besonderes, weihte er die vielen Gäste in der Schlossberghalle ein, weil dies vor zwölf Jahren die erste Veranstaltung gewesen sei, die er besucht habe inkognito, vor seiner Wahl zum Dettinger Bürgermeister. Seitdem habe er den Abend in guter Erinnerung. Seitdem scheint er aber auch in offizieller Funktion gerne zu kommen und bei der jüngsten Kooperation von Gemeinde Dettingen und Filmclub Teck war wiederum für gute Unterhaltung gesorgt.

Anzeige

Kostenlos zur besten Sendezeit würde der Filmclub Teck mit seinen Autoren einen guten Mix aus lokalen Themen und Eindrücken aus der weiten Welt bieten, übernahm Rainer Haußmann am vergangenen Samstag die Anmoderation. Zugleich freute er sich über eine weitere Steigerung der ohnehin schon hohen Zuschauerrate und gab das Mikrofon weiter an den "Hauptstadtkorrespondenten" Lutz Schulze, den gebürtigen Berliner, für den ein Bürgermeister im Schwäbischen wohl immer ein Schultes bleibt. In seiner Funktion als "Vize" hieß Schulze auch im Namen von Clubleiter Helmut Kohlhammer zum Gemeindefilmabend willkommen und führte sowohl locker als auch informativ durch das Programm. Auf diese Weise wurde unter anderem der Blick darauf gelenkt, mit welchen Schwierigkeiten Filmer zu kämpfen haben und wie die technischen Möglichkeiten immer weiter voranschreiten.

Auf besonderes Interesse stießen zweifellos die Beiträge mit Lokalkolorit. Karl-Heinz Kosmalla war mit seiner Kamera bei der Einweihung des Dettinger Verkehrsübungsplatzes dabei. Mit gutem Schnitt und passendem Kommentar ist es ihm gelungen, eine durch viele Ansprachen geprägte und dadurch ausgesprochen trockene Veranstaltung dennoch kurzweilig zusammenzufassen. Anerkennender Applaus dankte es ihm. Dieser war auch für Karl Dannenhauer bestimmt, der sich der Mühe unterzogen hat, einen Teil der "Dettinger Gemeindechronik" filmisch aufzubereiten. Der Abschnitt 1987 bis 1989 bildete den Auftakt einer Reihe, die im nächsten Jahr fortgesetzt werden soll und manche Anwesende in Staunen darüber versetzte, wie es vor zwanzig Jahren in der Gemeinde noch ausgesehen und wie sie sich weiterentwickelt hat. Lokalen Bezug hatte auch der kurze Streifen "Prosit, neues Lebensjahr!" von Barbara und Hartmut Ibsch, die damit dem vormals Dettinger Bürger Lutz Schulze zum siebzigsten Geburtstag gratuliert hatten. Unterschiedlichste Filmschnipsel waren am Computer frech gemixt, zum Teil verfremdet und als Thema auch ein wenig persifliert worden. Weit über den Tellerrand hinausgeblickt hat Lothar Bogsch mit seinem Streifen "Unterwegs im Osten Kanadas". Die Betrachter werden auf sympathische Weise mitgenommen auf eine abwechslungsreiche Reise durch drei unterschiedlich gefärbte Provinzen zwischen Montreal und Halifax. "Unterm Steg" hat sich Josef Pettinger umgeschaut und dabei mit den Aufnahmen seiner Unterwasserkamera bewiesen, dass es beim Ägyptenurlaub nicht nur die weit entfernten Tauchgründe im Roten Meer sein müssen. So kann der in der Regel achtlos betretene Bootssteg Besonderes bieten, sofern man der Sache im wahrsten Sinne des Wortes auf den Grund geht.

Nachgespürt hat auch Siegbert Limmer. "Gletscherschlucht" ist der Titel und Inhalt seines Films, mit dem er ein ernstes Thema aufgegriffen hat: den Rückzug der Gletscher, aufgezeigt am Beispiel der Umgebung von Grindelwald. Dokumentarisches hat er dabei mit stimmungsvollen Bildern unterlegt und damit die Bedeutung der unübersehbaren Veränderungen innerhalb der Natur unterstrichen. Einen tiefen Eindruck hinterließ aber auch "Die Burgruine am gläsernen Wald" und damit der Film von Doris Limmer. Die FCT-Autorin war im Bayerischen Wald unterwegs und spürte dort nicht nur dem "Pfahl" nach, einem gewaltigen Quarzgang aus Felsgestein, sondern besuchte auch die darauf erbaute Burg und zog dann weiter zum gläsernen Wald. Dort haben Künstler aus farbigen Glasflächen die unterschiedlichsten Bäume in den Himmel wachsen lassen und für einen reizvollen Anziehungspunkt gesorgt.

Künstlerisches und Handwerkliches verbinden drei weitere Filmbeiträge. "Sfere 2005" hat Hartmut Ibsch seine Eindrücke überschrieben, die er während eines Bildhauerworkshops im Chiemgau gewonnen hat. Entstanden ist Kugeliges in rostiger Schönheit ebenso wie Überraschendes nach dem Metallguss. Mit Holz beschäftigt sich die Hauptdarstellerin in dem Film von Dr. Hermann Schellhaas. "Eine Schwarzwälder Holzbildhauerin" hat er bei der Arbeit beobachtet und dabei nicht nur die Entstehung eines Engels, sondern auch einen Querschnitt vielseitiger Schaffenskraft gezeigt. Wie mit großem Talent, viel Geduld und spitzer Schere Filigranes begeistern kann, hat Karl-Heinz Kosmalla einfühlsam umgesetzt, musikalisch gekonnt untermalt und ihm den Titel "Brigitte Springmann schwarz auf weiß" gegeben. Entstanden ist das mit viel Beifall bedachte Porträt einer Scherenschnittkünstlerin, die an diesem Abend selbst miterleben konnte, auf welch großes Interesse ihr Hobby stößt.

Das gilt im Übrigen auch für die zum Teil preisgekrönte Arbeit des Filmclubs Teck. Dessen Mitglieder haben jetzt wieder jede Menge zu tun, stehen doch die nächsten Wettbewerbe bevor. Ausgangspunkt dafür bildet die clubinterne Filmschau am Sonntag, 20. Januar, ab 14 Uhr im Saal der Katholischen Kirche im Dettinger Ortsteil Guckenrain. Gäste sind dazu herzlich willkommen.

b.i.