Lokales

Jede Menge Spaß bei "Lagerolympiade" und "Casinonacht"

Seit 1949 richtet der Kreisjugendring Esslingen (KJR) alljährlich ein Sommerlager aus. Was damals hauptsächlich zum "Aufpäppeln" der Kinder und Jugendlichen nach dem Zweiten Weltkrieg gedacht war, hat sich längst zu einer festen Institution entwickelt. Jetzt ist es wieder so weit: Das Lager läuft auf Hochtouren.

JANOSCH SCHENK

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OBERSTEINBACH "Die Anfänge waren etwas schwierig", berichtet der technische Angestellte des KJR, der von allen nur Erich genannt werden will. Vor allem in den ersten Jahren war die Infrastruktur noch nicht gegeben und der KJR musste auf die Hilfe der amerikanischen Armee zurückgreifen, die die Kinder auf den Pritschen ihrer Lkw nach Obersteinbach transportierte und auch die Versorgung mit ihren "Gulaschkanonen" sicherte. "Heutzutage ist das alles anders", erzählt Kurt Spätling, Küchenchef und Geschäftsführer des KJR in Personalunion. Das Sommerlager, von allen liebevoll "SOLA" genannt, wird vom Team selbst bekocht und das bedeutet viel Arbeit für die Küchenmannschaft. So werden an einem Tag 128 Essen zubereitet.

Kurt Spätling, der ein begeisterter Hobbykoch ist, hat in den acht Jahren, die er nun schon während des Sommerlagers den Kochlöffel schwingt, einiges an Erfahrung gesammelt. Anfangs nur als Notnagel geplant, ist es mittlerweile Tradition, dass im Sommerlager der "Chef" selbst kocht. So weiß er, dass von der hungrigen Meute an einem einzigen Tag auch schon mal 7

00 Fischstäbchen und 15 Kilogramm Kartoffelsalat vertilgt werden.

Das Essen kommt bei den über 100 Kindern zwischen acht und 13 Jahren auch sehr gut an. Bester Beweis dafür ist der aufkommende Jubel, als bekannt wird, dass es anlässlich der Stippvistite von Landrat Heinz Eininger Kaiserschmarren zum Mittagessen gibt. Der Landrat, der extra für den Besuch des "SOLAS" einen Urlaubstag geopfert hat, verkostet mit den Kindern die "Lagerküche". Haben alle Kinder Platz genommen, wird noch gemeinsam der "Essenssong" gesungen.

Nach dem Essen verteilt die Lagerleitung die Fundsachen, vor allem liegengebliebene Kleidung unter den Teilnehmern, bevor der Küchendienst den Tisch abräumt und spülen geht. "Jedes Zelt muss diesen Dienst während des zweiwöchigen Camps einmal verrichten", berichten die Kinder. Außerdem gibt es noch den Klodienst, der ist allerdings beliebter als der Küchendienst, weil man für die Reinigung der Toiletten weniger Zeit benötigt und auch nicht früher aufgestanden werden muss.

Aber auch der Spaß kommt in den 14 Tagen nicht zu kurz

. Der zehnjährige Max berichtet mit einem Leuchten in den Augen vom Ausflug in die nahe gelegene Schlucht: "Da war's voll geil, erst die Schlammschlacht und danach die kalte Dusche unter dem Wasserfall."

Das Sommerlager steht unter dem Motto "Festival der Künste", die Kinder dürfen unter verschiedenen Neigungsgruppen, wie zum Beispiel Theater, Holzarbeiten oder Farbe wählen. Zusätzlich werden auch viele Workshops angeboten, in denen die Lagerteilnehmer Kerzen ziehen, Speckstein bearbeiten oder sich sportlich betätigen können.

Highlights des "SOLAS" waren zum einen die Casino-Nacht, bei der die Kinder ihr (Spiel-) Geld auf die Teilnehmer der verschiedenen Spiele, wie zum Beispiel Sackhüpfen oder Einradrennen, setzen konnten. Gewinner der Casinonacht war das Kind, das am Ende des Abends am meisten Geld gewonnen hatte.

Das zweite Highlight war die Lagerolympiade, die aus 28 verschiedenen Stationen bestand. Besonders beliebt waren die Stationen "Lieder gurgeln", Pfeil und Bogen oder der Gummistiefelparcours, in dem die Kinder mit viel zu großen Gummistiefeln einen Parcours möglichst schnell abzulaufen und dabei noch einen Tischtennisball zu balancieren hatten.

Auch Geländespiele standen wieder auf dem Programm, hier kam "Bonbonschmuggel" am besten an. Im nahe gelegenen Wald hatten sich sechs Mitarbeiter versteckt, jeder mit einem anderen "Schmuggelgut" ausgerüstet. Sieger war die Gruppe, welche als erstes alle sechs verschiedenen Bonbon-Sorten gesammelt hatte. Beliebt sind auch Realumsetzungen von bekannten Brettspielen, wie zum Beispiel "Scotland Yard" oder "Cluedo".

Die Lagerleiterin Andrea Hommel, eine Erzieherin der Kirchheimer Paulinenpflege, ist begeistert von der friedlichen und freundlichen Stimmung des Lagers. Allerdings beklagt sie auch, wie schwierig es sei, Mitarbeiter, die gut in das bestehende Team passen, für die Freizeit zu finden. "Vor allem die Küche ist chronisch unterbesetzt" und gerade hier sei es sehr schwer, freiwillige Helfer zu finden.

Zudem machen sich auch langsam Nachwuchsprobleme bemerkbar. Die Zahl der jüngsten Teilnehmer ist deutlich zurückgegangen. Außerdem bemerkt sie zunehmend einen Rückgang der Kreativität und der sprachlichen Kompetenz.

Dieser Entwicklung soll mit einer lagerinternen "SOLA"-Zeitung und regelmäßigem Briefverkehr mit den Eltern das Telefon ist in den ganzen zwei Wochen tabu entgegengewirkt werden. Beiträge für die Zeitung werden beispielsweise mit Gutscheinen für das Kiosk belohnt, die dort für Süßigkeiten oder Zeitschriften eingelöst werden können.

Andrea Hommel setzt auf einen tollen Abschluss der Freizeit ein positives Fazit: "Ich hoffe, dass der Wettergott das für den letzten Abend geplante Open-Air-Kino mit anschließender Übernachtung unter freiem Himmel zulässt".