Lokales

Jede Sekunde ist kostbar

Bei der Hauptübung der Freiwilligen Feuerwehr Abteilung Ötlingen probten die Kameraden für den Ernstfall

Kirchheim. Es ist 16 Uhr, als die Freiwillige Feuerwehr Kirchheim, Abteilung Ötlingen, alarmiert wird. Nur wenige Minuten vom Standort der Rettungskräfte entfernt, ist in

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Daniela Haußmann

der Haldenstraße 11 im Gebäude der Firma Hagmann ein Feuer ausgebrochen. Eile ist geboten – auch wenn es sich wie in diesem Fall um eine Hauptübung handelt. Rasch streifen sich die Kameraden im Feuerwehrhaus Einsatzjacke und Hose, Helm und Handschuhe über. Nur drei Minuten sind verstrichen, bis die Ötlinger Wehr mit Löschfahrzeug, Mannschaftstransportwagen und einem Fahrzeug mit Drehleiter vor Ort ist.

Kaum haben die 59 Kameraden ihre roten Fahrzeuge verlassen, sind auch schon Rauchschwaden zu sehen, die aus der Werkstatt ins Freie dringen. Rasch werden Schläuche ausgerollt und Verteiler für die Löschwasserversorgung gelegt. Christian Schweizer und Anna Böbel ziehen sich die Atemschutzmasken über das Gesicht. Lediglich Sekunden vergehen, bis die beiden in die Werkstatt vordringen. Während die Feuerwehrleute draußen für die nachfolgenden Trupps Schlauchreserven vorbereiten, entdecken Christian Schweizer und Anna Böbel eine Person. Sie legen den Schlauch beiseite und tragen die bewusstlose Frau ins Freie. Dort übergeben sie sie den Einsatzkräften des DRK.

„Als wir die Frau gefunden haben, war sie schon nicht mehr ansprechbar“, erzählt Böbel. „Sie hat eine Rauchgasvergiftung.“ Das sind Informationen, die für Thomas Haug vom DRK, Bereitschaft Kirchheim, wichtig sind. Gemeinsam mit seinen Rettungssanitätern versorgt er die Patientin mit Sauerstoff und stabilisiert ihren Kreislauf. Danach folgt der Bodycheck, mit dem die Rettungskräfte feststellen, ob die Bewusstlose Verletzungen hat, die auf den ersten Blick nicht hervorstechen. „Denn auch Patienten die noch ansprechbar sind, können Verletzungsmuster aufweisen, die sie selbst gar nicht spüren“, erklärte Schreiber.

Unterdessen hat Feuerwehrmann Marcel Metzger am oberen Ende der Drehleiter über dem Dach des Firmengebäudes Stellung bezogen. Rund 200 Liter Wasser verteilt der 20-Jährige mit seinem Hohlstrahlrohr jede Minute über dem Brandherd in der Werkstatt. Eine Maßnahme, mit der er auch im Ernstfall die lodernden Flammen zurückdrängen und ihre Ausweitung auf weitere Teile des Gebäudes verhindern kann. „Da der Firmenkomplex dicht an andere Wohnhäuser grenzt, muss verhindert werden, dass das Feuer auf andere Gebäude übergreift“, so Markus Gärtner.

Das wurde am Samstag mit einer sogenannten Riegelstellung verhindert. Wo die Riegelstellung angebracht wird, hängt unter anderem von der Windrichtung ab. „Da wir bei der Übung einen Nord-Ost-Wind haben, der sich drehen kann, verhindert die Brandbekämpfung über die Drehleiter, dass sich das Feuer von der Werkstatt auf die Ausstellungsräume, das Büro und das Wohnhaus ausbreitet“, erklärt der Kommandant. Damit werde unterbunden, dass der Betrieb, insbesondere im Verwaltungsteil des Gebäudes, wichtige Unterlagen verliere.

Zahlreiche Interessierte erhielten am Samstag Einblick in die Abläufe und Organisationsprozesse aber auch das Zusammenspiel der Eisatzkräfte und konnten sich so von der Schlagkraft der Kameraden überzeugen. Unterstützt wurden die Ötlinger Feuerwehrleute bei ihrem Übungseinsatz von den Kameraden der Abteilungen Kirchheim und Lindorf. Auch die Jugendfeuerwehr war mit elf Leuten vertreten. Sie stellten die Wasserversorgung von der nahegelegenen Lauter zur Einsatzstelle sicher. Für Patrick Isenberg und Justin Hass, die erst seit August bei der Jugendfeuerwehr sind, bot die Teilnahme an der Hauptübung die Chance, Ausbildungsinhalte praktisch anzuwenden. Auf diese Weise haben die beiden Zwölfjährigen im Verlauf der 45 Minuten dauernden Übung mehr über die Anforderungen erfahren, die ein Realeinsatz erfordert.