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Jeder kleine Fortschritt zählt

Monika Unrath hofft, eines Tages ein Ja- oder Nein-Signal zu bekommen, wenn sie ihre Tochter etwas fragt. Bisher ist die 13-Jährige schwerstbehinderte Christina dazu nicht in der Lage. Doch immer wieder macht sie ganz kleine Fortschritte. Die Eltern setzen jetzt auf eine Delfintherapie.

VON KARIN AIT ATMANE

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HOCHDORF Christinas große Schwester, 1988 geboren, lebte nur drei Wochen. Nach ihrem Tod suchten die Ärzte nach einem Chromosomendefekt, fanden aber keinen. Als Christina zur Welt kam, war die Wissenschaft schon ein Stück weiter und stellte ein Syndrom fest, verursacht durch ein balanciertes Chromosom ihrer Mutter. Zehn vergleichbare Fälle waren damals weltweit bekannt zu wenig, um etwas über Christinas Entwicklung vorhersagen zu können. Am Anfang prognostizierten die Ärzte ihr eine Lebensdauer von nur einem Jahr, inzwischen hat sie den 13. Geburtstag gefeiert.

Was in Christina steckt, wie sie sich noch entwickeln wird, wissen ihre Eltern nicht. Die 13-Jährige hat nie ein Wort gesprochen oder sich erkennbar verständlich zu machen versucht. Sie konnte nie krabbeln, stehen oder gehen, ihre Muskeln sind entsprechend schwach entwickelt. Allerdings kann sich Christina aufrecht halten, seitdem sie wegen ihrer starken Wirbelsäulenverkrümmung, die die Lunge belastete, Metallstäbe eingesetzt bekam. Und Monika Unrath findet, dass sich ihre Tochter gemessen an den Erwartungen nach ihrer Geburt "ganz gut gemacht hat". Sie und ihr Mann freuen sich über jeden kleinen Fortschritt: Wenn Christina auf Anweisungen reagiert, beim Ausziehen zu helfen versucht, per Knopfdruck ihren "Wickeltisch" selbst hochfährt. Oder "dass man auch mal mit ihr schmusen kann das ging früher gar nicht", sagt ihre Mutter. Christina besucht eine Klasse der Rohräckerschule. Wenn sie zu Hause ist, bewegt sie sich meistens in einem speziellen Gehwagen durch die Wohnung.

Besonders belastend sind für ihre Eltern die autoaggressiven Tendenzen ihrer Tochter, die sich schon früh selbst geschlagen und verletzt hat. Das deute darauf hin, dass sie vieles verstehe, sich aber nicht mitteilen könne, sagt Monika Unrath, die glaubt, dass dabei auch Autismus eine Rolle spielt. Hoffnung haben die Eltern trotzdem, und Christina spricht auch auf Therapien an. Die Osteopathie genießt sie sichtlich. Im Schwimmbad "will sie gar nicht mehr aus dem Wasser: Da bewegt sie sich mit ihren Schwimmflügeln ein bis zwei Stunden frei." Überrascht waren Unraths vom Effekt der sechs Reittherapiestunden, die Christina mit ihrer Klasse nach einer Geldspende nehmen konnte. "Da ist sie fröhlicher geworden und wollte mehr laufen", sagt ihre Mutter. "Das hat sich bis heute gehalten, das finde ich schon toll." Gerne würde sie diese Therapie privat fortführen, bräuchte dazu aber mehrere Begleitpersonen. Auch eine Delfintherapie spukt ihr schon seit Jahren im Kopf herum. Eltern der Selbsthilfegruppe LEONA (Verein für Eltern chromosomal geschädigter Kinder) ermutigten sie jetzt dazu, weil sie in ähnlichen Fällen gute Erfahrungen gemacht haben. Ein neu eröffnetes Therapiezentrum in Curacao ist zudem finanziell günstiger als das bisher bekannte in Florida.

Rund 8000 Euro muss die Familie insgesamt aufbringen, um dort nächsten September ihren Termin wahrzunehmen. Monika Unrath ist bereit, dafür alle Hebel in Bewegung zu setzen: "Das habe ich jetzt angefangen, das möchte ich auch zu Ende führen", sagt sie.

INFOChristina kann mit einer Geldspende geholfen werden: Dolphin Aid e.V., Stichwort Christina Unrath (unbedingt beim Verwendungszweck angeben!), Konto 2000 24 24, BLZ 300 501 10, Stadtsparkasse Düsseldorf.