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"Jeder konnte machen, was ich wollte . . ."

Von Konrektorin Petra Englert herzlich begrüßt, erlebten die Besucher der Konrad-Widerholt-Grundschule bei der Verabschiedung von Rektor Bernd Neugebauer einen einerseits langen, andererseits aber auch immer wieder sehr kurzweiligen und vor allem abwechslungsreichen Abend. Einen Tag nach seinem 60. Geburtstag verabschiedete er sich nach 23 Jahren in den Ruhestand.

WOLF-DIETER TRUPPAT

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KIRCHHEIM Die Verabschiedung von "altgedienten" Schulleitern hat derzeit in Kirchheim Hochkonjunktur. Dass sich dabei "die üblichen Verdächtigen" ungewohnt häufig in vergleichbarer Zusammenstellung zusammenfinden, macht es Rednern und den für die Zusammenstellung des jeweiligen Programms Verantwortlichen nicht unbedingt leicht, diese Aufgabe mit der erwarteten Kreativität und Souveränität zu meistern.

Überzeugende Gesangseinlagen des gesamten Lehrer-Kollegiums und ein eindrucksvolles Solo in Kabarett-Qualität belegten dann aber über jeden Zweifel, dass an der Konrad-Widerholt-Schule viel Wert auf das Musisch-Kreative gelegt wird. Nachdem die Schülerinnen und Schüler die Feierstunde musikalisch eröffnet hatten, bestätigte Schulamtsdirektor Dr. Pix dem Rektor, dass er gemeinsam mit dem schon in den Ruhestand verabschiedeten Konrektor Gerhard Neumann ein "wahres Dream-Team" gebildet habe.

Der 1947 in Stuttgart geborene Bernd Neugebauer hatte zunächst eine andere Richtung eingeschlagen. Nach der mittleren Reife absolvierte er eine Lehre als Elektromechaniker. Nachdem er am 1. Januar 1969 als Beifahrer in einen schweren Verkehrsunfall verwickelt wurde, musste er sein Leben neu orientieren und absolvierte eine Ausbildung zum Fachlehrer für Bildhaftes Gestalten und Werken.

Nach seinem Studium zum Grund- und Hauptschul-Lehrer und Stationen an der Schillerschule Esslingen und in Wäldenbronn wurde Bernd Neugebauer 1981 zum Konrektor der Waisenhofschule in Esslingen ernannt. Am 31. August 1984 trat er dann seinen Dienst als Schulleiter an der Kirchheimer Konrad-Widerholt-Grundschule an und wurde im Januar 1987 zum Rektor ernannt.

Dass er Neuem stets offen gegenüberstand, belegte der Laudator an Beispielen wie der neuen Rhythmisierung, der Entwicklung eines differenzierten Schulleitbildes, der Vorreiterrolle der Konrad-Widerholt-Schule beim Thema Englisch in der Grundschule oder auch ganz aktuell dem Anstoß und der Umsetzung der Ganztagsbetreuung.

Dass Bernd Neugebauer ein Experte, ein Enthusiast und ein empathiefähiger Mensch sei, bescheinigte Dr. Pix dem scheidenden Rektor ebenfalls, an dessen Schule alle Lehrkräfte bleiben oder aber nach einer zeitweiligen Beurlaubung unbedingt wieder zurückkehren wollten.

Dass bei einer Verabschiedung bei aller Freude immer auch Wehmut mitschwinge, bestätigte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker dem erfahrenen Rektor, der sich auch außerhalb der Schule vielfältig ehrenamtlich engagiert habe. Nicht nur bei der Stadtkapelle, auch bei der Arbeitsgruppe Museumspädagogik habe er sich intensiv eingebracht und es zudem immer gut verstanden, die Arbeit der Schule auch nach außen zu dokumentieren. Das in der Stadthalle aufgeführte Musical "Der Schatz im Himbeerwald" nannte sie dabei als ein typisches Beispiel für viele gelungene Kooperationen mit anderen städtischen Einrichtungen wie etwa der Musikschule.

Im Namen aller Schulleiterkollegen attestierte der Geschäftsführende Schulleiter Eberhard Schweizer seinem Kollegen, dass er mit Leib und Seele Lehrer und Rektor gewesen sei, der große Wertschätzung und Akzeptanz erlebt habe, aber nun auf die Signale seines Körpers hören müsse.

Nicht nur die Schulleiterkollegen hatten sich "in einer konzertierten Aktion" auf Bernd Neugebauers anstehende Musestunden eingestellt. Auch die Elternbeiratsvorsitzende Monika Maier-Bachmann überreichte ihm mit der Fördervereinsvorsitzenden Susanne Luxenhofer entsprechende "Werkzeuge", mit denen er seinem Hobby, der Malerei, entsprechend frönen soll.

Farbig gestaltet waren auch die vom Lehrerkollegium gemalten Szenen aus gemeinsam Erlebtem, die Konrektor a. D. Gerhard Neumann seinem Freund und Kollegen Bernd Neugebauer überreichen durfte. Farbe spielte auch eine Rolle bei dem Geschenk, das Schuldekan Christian Buchholz dem scheidenden Rektor überbrachte. Das Buch "Die graue Erde" des mongolischen Schriftstellers Galsan Tschinag sei leicht zu lesen, versprach er dem künftigen Ruheständler. Er zeigte sich überzeugt, dass sich an der Konrad-Widerholt-Schule auch weiterhin Lehrkäfte sowie Schülerinnen und Schüler mit Energie und Fantasie und mit den unterschiedlichsten Lebenserfahrungen einbringen werden, um die "graue Erde" bewohnbar, lebendig und friedfertig zu machen "und in allem den eigenen Wurzelboden zu ergründen und zu pflegen."

Als "Geschenk des Himmels" bezeichnete schließlich eine von weit her angereiste "ehemalige Messwein-Königin von Rom" Bernd Neugebauer, die die Verabschiedung des "schönen Schulmeisters" zum Kabarettabend erweiterte. Nachdem er nicht das Vorurteil bedient, dass Lehrer immer in zu weiten Hosen und Rollkragenpullis herumlaufen, hüllte sie ihn kurzerhand in ein überdimensionales Geschenkband.

Dass er ganz sicher "kein so toller Hecht" sei, wie zuvor alle Redner behauptet hätten, machte Bernd Neugebauer in aller Bescheidenheit deutlich, gestand aber in entwaffnender Ehrlichkeit auch ein, dass er sich das alles durchaus gerne angehört habe.

Seiner Frau, seiner Familie, seinen Freunden und allen Weggefährten dankte Bernd Neugebauer sehr persönlich für die Unterstützung in schweren Zeiten, aber auch für die konstruktive gemeinsame Arbeit. In 23 Jahren hat er nicht nur viele Schülerinnen, Schüler und ihre Eltern kennengelernt, sondern mit "67 Lehrerinnen- und Lehrerpersönlichkeiten, sieben Elternbeiratsvorsitzenden, zwei Hausmeistern, drei Leitenden Schulamtsdirektoren, drei Schulräten, drei Oberbürgermeistern und vier Leitern des Amts für Bildung, Kultur und Sport" zusammengearbeitet.

In einer bunten Bilderrevue war zuvor an Personen und Stationen der Entwicklung der Schule erinnert worden. Gut gelaunt wurde bestätigt, dass an dieser Konrad-Widerholt-Schule alle immer das machen konnten, was der Rektor will . . . Für einen gelungenen Ausklang des Abends sorgten dann Gespräche unter Freunden, wobei Mitglieder der Kirchheimer Stadkapelle auch noch die Konzertsaal-Qualitäten der neuen Mensa unter Beweis stellten.