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Jeder sagt zu jedem "Hallo"

ESSLINGEN Behinderte Menschen und Schule? Wie geht das zusammen? Wir haben uns diese Frage auch gestellt, da es an unserer Schule keine Behinderten gibt. Sie müssen

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(O:21070320.JP_aber genau wie jedes andere Kind auch jeden Tag zur Schule gehen. Aber auf eine Schule ganz besonderer Art. Sie gehen auf eine Behindertenschule, wie es sie zum Beispiel in Esslingen gibt, die Rohräckerschule. Diese Schule ist genauso anders, wie auch ähnlich zu "normalen" Schulen. An dieser Schule herrscht eine völlig andere Atmosphäre. Es ist eine sehr persönliche Umgebung, jeder sagt zu jedem "Hallo", und die meisten sind gut gelaunt.

Die Klassen sind um einiges kleiner. Die kleinsten Klassen haben gerade einmal vier Schüler. Die Schüler sind in verschiedene "Stufen" eingeteilt. Zum Beispiel in die Leichtkörperbehinderten, in die Schwerstmehrfachbehinderten (Körperbehinderte, die oftmals nicht sprechen können) oder in die geistig Behinderten. Ein weiterer Unterschied zu anderen Schulen ist, dass viele Kinder der Behindertenschule von Schulbussen direkt zu Hause abgeholt und auch dahin zurückgebracht werden.

Der UnterrichtDer Unterricht ist ähnlich wie an anderen Schulen. Die Schüler haben auch Fächer wie Mathe, Deutsch, Sport, Musik und Kochen. Aber der Stundenablauf ist etwas anders. Die Kinder stehen selten unter Zeitdruck, und die Lehrer versuchen den Unterricht durch praktische Dinge interessant zu gestalten. Dadurch entstehen mehr Beteiligung und Aktivität im Unterricht. Der Unterrichtsstoff ist auf die einzelnen Schüler abgestimmt und dadurch etwas einfacher als an "normalen" Schulen. Der Sportunterricht wird eingeteilt in verschiedene Gruppen, zum Beispiel eine, die hauptsächlich mit Bällen arbeitet. Die Kinder können selbst bestimmen, in welche Gruppe sie wollen oder auf Grund ihrer Behinderung können. Dadurch haben sie mehr Freude am Sport. Die Schwerstmehrfachbehinderten haben eigentlich keinen richtigen Schulunterricht. Sie lernen eher praktische Dinge, unter dem Motto "sich selbst spüren und erleben", damit sie im Alltag grundlegende Sachen wie zum Beispiel alleine essen oder kommunizieren können.

EinrichtungenGroße Beliebtheit unter den Schülern der Rohräckerschule genießt das Café Cappuccino, das einmal in der Woche geöffnet hat und immer von einer anderen Klasse organisiert wird. Die selbst gemachten "Spezialitäten" der Kinder werden durch Kuchenspenden der Eltern unterstützt. Die Schule verfügt über viele Sondereinrichtungen, die sich andere Schüler auch an ihrer Schule wünschen würden, zum Beispiel ein Schwimmbad, eine Cafeteria und einen großen Schulgarten mit Erlebnispark (Spielplatz, Bach und Ähnliches). Außerdem verfügt sie über spezielle Anfertigungen: ein Wasserklangbett oder Trampoline, auf die die Kinder gelegt und von den Erwachsenen bewegt werden. Das macht den Kindern große Freude.

Abschluss?Wie sieht es nach zehn Jahren Schule mit einem Abschluss aus? Schwerstmehrfachbehinderte können leider nie einen Abschluss bekommen. Anders ist das bei den Körperbehinderten. Je nach unterschiedlichen Prüfungen haben sie einen Förder- oder Hauptschulabschluss.

Für die Jugendlichen gibt es nach der Schule verschiedene Möglichkeiten, durch Organisationen wie den Internationalen Bund (IB/www.internationaler-bund.de) oder das Berufsbildungswerk (BBW) an freie Ausbildungsplätze zu kommen.

Für Lernschwache ist oftmals die Theorie reduziert. Weitere Bildungsmöglichkeiten für die jungen Erwachsenen sind entweder eine Realschule, um den Realschulabschluss zu machen oder ein Internat, wo die Schüler auf die Berufswelt vorbereitet werden.

Normale MenschenWas heißt es überhaupt, "behindert" zu sein? Die Kinder merken schon, dass sie anders sind als andere Kinder. Aber für sie ist es normal, mit einer Behinderung zu leben. Sie kennen es nicht anders. Auch die Meinung der FSJler derjenigen, die im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahrs an der Rohräckerschule tätig sind hat sich verändert, seit sie mit Behinderten arbeiten.

Sie haben gelernt, mit den Kindern wie mit "normalen" Menschen umzugehen. Die Arbeit macht ihnen und den Kindern viel Spaß, da sie zusammen oft lachen. Die FSJler meinten außerdem: "Man lernt alles mehr zu schätzen, zum Beispiel sich einfach am Leben zu freuen, weil man kerngesund ist."

Martina Kazmaier und Anna Jaißle

Ludwig-Uhland-Gymnasium