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Jens Lundquist und Torben Wosik vor dem Absprung

Erfolgreich wie nie, harmonisch wie in besten Tagen, so präsentiert sich Bundesliga-Spitzenreiter TTC Frickenhausen derzeit der Öffentlichkeit. Nach dem Gewinn des DTTB-Pokals winkt mit dem ETTU-Cup die nächste Trophäe und in der Bundesliga stehen die Chancen auf den ersehnten Meistertitel ebenfalls günstig. Bald aber könnte der Traum ein Ende haben: Jens Lundquist (26) und Torben Wosik (32) stehen vor dem Absprung aus dem Neuffener Tal.

WOLFGANG FRITZ

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FRICKENHAUSEN Fünf Jahre bereits ist der Schwede Jens Lundquist im schwäbischen Frickenhausen, sieben gar Torben Wosik. Das sind für diese Branche ungewöhnlich lange Zeiten und zeigen, wie wohl sich die beiden Tischtennis-Cracks im Täle fühlen. Erst recht, da sich endlich auch der sportliche Erfolg einstellt. Inzwischen aber ist Schluss mit lustig: Beim TTC Frickenhausen ist, wie andernorts auch, Schmalhans Küchenmeister. Nach dem Ausstieg von Hauptsponsor Metabo sind im Oktober und Dezember vergangenen Jahres noch einmal zwei Geldgeber weggebrochen und so regiert beim TTC der Rotstift. "Ich kann kein Geld ausgeben, das ich nicht habe", sagt Präsident Rolf Wohlhaupter-Hermann im Hinblick auf die Vertragsverlängerungen mit Wosik und Lundquist. "Es tut mir unendlich leid. Wir haben keinen Krach, es ist nichts Persönliches, sondern eine rein finanzielle Frage", beteuert er.

Sollte sich in den nächsten Tagen erwartungsgemäß kein neuer Sponsor finden, sind Wosik und Lundquist wohl die längste Zeit in Frickenhausen gewesen, die laufende Saison spielen beide zu Ende (Siehe nebenstehenden Atikel "Nachgefragt"). Sorge, dass sich die verweigerte Vertragsverlängerung negativ auf die Motivation auswirken könnte, hat der TTC-Boss nicht. Gerne würde Torben Wosik beim TTC bleiben. Ein Angebot als Trainer im Ausland liegt ihm vor, doch noch fühlt sich der Linkshänder zu jung, um den Schläger an den Nagel zu hängen. Vielleicht wechselt Wosik zum TTV Gönnern, die Hessen jedenfalls haben Interesse bekundet.

Eine andere wichtige Personalie hingegen ist geklärt: Spitzenspieler Ma Wenge bekam einen weiteren Zwei-Jahres-Vertrag. Der 37-jährige Chinese hat ein abgespecktes Gehalt akzeptiert. Mit Bojan Tokic, der morgen seinen 25. Geburtstag feiert, steht die Vereinsführung noch in Verhandlungen. Natürlich kennt der junge Slowene zwischenzeitlich seinen Marktwert. "Wir wollen Tokic halten", sagt Wohlhaupter-Hermann, wohl wissend, dass in der prekären finanziellen Situation das Verhandlungsgeschick nur eine sekundäre Rolle spielt.

Die entstehenden Lücken muss der TTC Frickenhausen so schnell wie möglich schließen, was schwer genug ist angesichts leerer Kassen. Gerne sähe man Nationalspieler Bastian Steger im Täle. Die 24 Jahre alte Nummer zwei von Borussia Düsseldorf verliert seinen Platz an den jungen Christian Süß, müsste also ins hintere Paarkreuz. Für Steger offenbar inakzeptabel. Nur: Am Düsseldorfer sind noch mehr interessiert, unter anderem Frickenhausens schwäbischer Konkurrent TTF Ochsenhausen. Wenn der tiefer in die Tasche greift, macht er das Rennen, weil auch die Tischtenniswelt vom Geld regiert wird. Dann ist da noch Jörg Schlichter, für ein Jahr ausgeliehen an den TTC Fulda-Maberzell. "Schlichter ist immer ein Thema", meint der TTC-Präsident, "bei uns hat er zwei Verträge, einen für die erste Mannschaft und einen für die zweite." Allerdings sähe es Wohlhaupter-Hermann nicht ungern, würde Schlichter in Maberzell noch ein Jahr dranhängen.

Schwere Zeiten kommen auf den TTC Frickenhausen zu. Man darf allerdings sicher sein, dass sich der Verein finanziell nicht übernimmt. Für solides Wirtschaften steht schon der Name Wohlhaupter-Hermann. Wenn es nicht anders geht, werden im Täle eben sportlich kleinere Brötchen gebacken. Auch wenn der TTC die ganz großen gerade im Ofen hat.