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Jesus Christ Superstar: "Ein gigantisch schwieriger Geniestreich"

"Jesus Christ Superstar" lautet der Titel des Musicals, das das Kirchheimer Ludwig-Uhland-Gymnasium derzeit in Zusammenarbeit mit der Musikschule Kirchheim einübt. Mit den drei Hauptverantwortlichen Orchesterleiter Johannes Stortz, Chorleiter Bertram Schattel und Musiklehrer Walter Pech sprach Andreas Dittinger über Hintergründe, das Musical und private musikalische Vorlieben.

Sie wirken so zufrieden. Liegt das an den Ferien oder läuft bei den Proben alles nach Plan?

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Walter Pech: Das liegt an den Proben. Die laufen sehr nach Plan. Wir haben sehr viel Freude und sehr viele Erfolgserlebnisse bei den Proben. Nach mühsamem Start ist nach zwei Tagen jetzt doch Land in Sicht.Johannes Stortz: Ich bin sehr begeistert, wie diese drei Probentage bisher gelaufen sind. Das Hauptsächliche, was mir aufgefallen ist, ist der unglaubliche Wille bei den Kindern und Jugendlichen und diese unglaubliche Geduld; dass sie stundenlange Proben mitmachen und dann doch nach ein bisschen Aufmunterung wieder auf dem Punkt da sind. Da ziehe ich den Hut davor.

Warum wird gerade "Jesus Christ Superstar" aufgeführt? Wer ist darauf gekommen?

W. Pech: Ich bin Schuld. Das ist ein Stück, dass ich schon vor Jahrzehnten gerne gemacht hätte, aber keine Aufführungsrechte dafür bekommen habe, weil irgendein anderes Profitheater in Deutschland es bereits gespielt hat. Nachdem ich jetzt die Rechte bekommen hatte, waren wir alle sehr begeistert. Ich habe dann Bertram angesprochen, der sagte zu, und wir haben Johannes mit ins Boot genommen. Der paddelt und rudert kräftig mit. Wir haben von den Bloch-Erben (Anm. d. Red.: Verlag für Aufführungsrechte) nicht nur die Rechte, sondern auch das Orchestermaterial bekommen, in einem katastrophalen Zustand zwar, aber dank mühevoller Kleinarbeit hat Johannes es geschafft, aus diesem Orchestermaterial spielbare Noten zu zaubern. Und jetzt hört es sich doch tatsächlich nach Jesus Christ Superstar an und nicht mehr nach Weltuntergang, so wie die Noten am Anfang ausgesehen haben.

Jesus Christ Superstar ist vom Stoff her sicherlich eines der schwierigsten Musicals. Kann man das auch von den musikalischen und schauspielerischen Anforderungen her behaupten?

J. Stortz: Vom Orchester her ist das Stück sehr unterschiedlich einzuordnen. Die Blechpartien zum Beispiel sind sehr schwer, die Streicherpartien dagegen bis auf 16 Takte sehr einfach. Rhythmisch ist das Stück natürlich extrem anspruchsvoll. Etwas in dieser Größenordnung hat das Orchester bisher noch nicht gespielt.Bertram Schattel: Wenn man die etwas reduzierte Chorfassung betrachtet, also man die Kinder nicht alles in den gedruckten Extremlagen sondern in den angenehmen Lagen singen lässt, dann ist es ein mittlerer Schwierigkeitsgrad. Die Solopartien dagegen sind extrem schwer und natürlich von jungen Sängerinnen und Sängern nicht wie im Original zu realisieren. Was unglaublich beachtlich ist, ist der Lernfortschritt bei den einzelnen Solisten, die sich intensiv mit Einzelstimmbildung auf ihre Partien vorbereiten.W. Pech: Vom Schauspielerischen her ist das Musical sehr schwer. Die Solisten müssen teilweise Rollen spielen, die einer permanenten Entwicklung ausgesetzt sind, was den Charakter und die Stimmung angeht. Und diese Entwicklung so rüber zu bringen, dass das Publikum es wahrnehmen kann, das ist eine schauspielerische Spitzenleistung. Es ist phänomenal, wie die Kinder da lernwillig und begeistert sind. Jede große Pause wird geprobt, jede Mittagspause auch die Kinder sind fasziniert von diesem Stück. Was beim Chor schauspielerisch hinzukommt, ist, dass er diese Stimmungen wiedergeben und diese Entwicklung mitspielen muss. Der Chor ist permanent auf der Bühne und Teil der Aktion. Es ist unheimlich schwierig zu singen, zu tanzen, zu schauspielern und dabei den Text nicht zu vergessen. Da liegt das Hauptproblem der Realisation für solch ein Stück: Man hat viele verschiedene Ebenen, die die Kinder innerhalb kürzester Zeit realisieren müssen. Das lässt sich gar nicht mehr trennen und macht die Sache so immens schwierig . . .J. Stortz: . . . und spannend!

Sie haben sicherlich auch Lieblingsstücke im Musical . . .

J. Stortz: Ich kann mich nicht wirklich entscheiden. Favorit ist für mich "John 19:41", natürlich die Dixieland-Nummer von Herodes und die Ouverture. Aber alle Stücke sind etwas ganz Besonderes.B. Schattel: Mein Favorit ist absolut Herodes. Was ich faszinierend finde ist, dass viele Stücke harmonisch gesehen total platt sind. Im Kontext aber entfaltet jedes dieser Stücke eine ganz besondere Ausstrahlung und es passt dann letztendlich doch. Wenn man die Dramaturgie berücksichtigt, ist das Stück in sich unglaublich stimmig.W. Pech: Ich habe keine Favoriten. Meiner Meinung nach ist die Gesamtkomposition eine der gelungensten aus der Musicalbranche überhaupt, weil die Musik sehr abwechslungsreich ist und das Musical viele gelungene, eingängige Stücke enthält, die fast schon "Gassenhauercharakter" haben. Von vorne bis hinten ist permanente Abwechslung da. Da muss man Andrew Lloyd Webber wirklich loben.J. Stortz: Ich muss ehrlich sagen, ich wäre sehr gerne bei der Uraufführung dabei gewesen. Die ist doch mit Deep Purple aufgeführt worden . . .

Beschreiben Sie das Musical mit einem Wort!

W. Pech: Das geht nicht. Vielleicht "gigantisch"B. Schattel: Geniestreich.J. Stortz: Schwierig!W. Pech: Ein gigantisch schwieriger Geniestreich also.

Wie kam es zur Kooperation zwischen Musikschule und LUG?

B. Schattel: Die Schiene läuft zwischen Walter und mir. Wir beobachten unser Tun und Treiben schon seit über 15 Jahren. Wir haben unsere gegenteiligen Arbeiten immer sehr hoch geschätzt. Leider hat es sich aber nie ergeben, dass wir den Mut hatten, aufeinander zuzugehen. Aber seit "Kein Platz für Kinder" ist klar, dass wir hervorragend miteinander arbeiten können. Ich habe es bisher mit niemandem so erlebt, dass wir ohne viele Worte immer den gleichen Gedanken haben. Und jetzt ist Johannes auch dabei. Es ist toll, wenn jeder weiß, wo sein Platz ist und alles so gut funktioniert.W. Pech: Unsere Zusammenarbeit war ein großer Prozess Aufeinanderzugehens. Es hat wirklich über 15 Jahre gedauert, bis unser Knoten synchron geplatzt ist und wir gemerkt haben, dass wir miteinander können. Das Tolle ist, dass die Chemie stimmt. Wenn ich etwas denke, spricht Bertram es schon aus und umgekehrt. Es gibt auch keine Rechthaberei zwischen uns. Wir haben ein Ziel vor Augen und auf das laufen wir gemeinsam zu.

Sind noch weitere gemeinsame Musicals geplant?

J. Stortz: Ich persönlich würde sehr gerne ein klassisches Stück machen eine Mozartmesse oder eine kleine Oper vielleicht.W. Pech: Ich bin für alles zu haben. Die Klassik ist die Branche, aus der ich komme, das andere habe ich mir selbst angeeignet. Ich habe sehr viel Theathermusik am LUG gemacht und dabei sehr viel vom schauspielerischen her gelernt. Prinzipiell könnte durchaus eine klassische Aufführung kommen.

Heißt das, Sie hören privat vor allem klassische Musik?

W. Pech: Ja, die hören wir alle drei. Allerdings ist mein Musikbedürfnis durch das aktive Musizieren kräftig gestillt. Ich kann daheim zur Entspannung nicht das Radio laufen lassen.J. Stortz: Zurzeit schaue ich mir sehr gerne DVDs an. Zum Beispiel Carlos Santana, Deep Purple, Nigel Kennedy und so weiter. Also auch Big Band und Jazz. Außerdem höre ich zur Zeit viel Simon Rattle.B. Schattel: Ich höre am liebsten Satirisches, zum Beispiel Georg Kreisler. Gerne auch etwas nicht-musikalisches.

Machen Sie privat selbst Musik?

J. Stortz: Hausmusik mit meinem Sohn.W. Pech: Relativ wenig. Ich habe alles aufgegeben. Wenn ich am Klavier sitze, dann zum Arrangieren und Überlegen.B. Schattel: Dadurch, dass unser Hobby zum Beruf geworden ist, kann man beruflich und privat in diesem Punkt gar nicht mehr trennen. Man macht es ja auch deshalb, weil man es gerne macht.

Thema Fußballweltmeisterschaft. Die erste Probenphase findet ja während der WM statt. Was halten die Mitwirkenden davon?

J. Stortz: Aufgrund der Probenzeiten sind während der Proben kaum relevante Spiele. Wir haben das sehr klug eingerichtet.W. Pech (lacht): Wir haben Franz Beckenbauer vorher informiert, sodass an unseren Probentagen keine Deutschland-Spiele stattfinden . . .