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Jesus, der Narr

Nun ist sie wieder da, die närrische Zeit. Fasching, Fasnet, Karneval. Jesus trug unsichtbar sein ganzes Leben lang eine Narrenkappe. Schon der greise Simon warnt die Umstehenden im Hinblick auf das Neugeborene: Er ist ein Zeichen, dem widersprochen wird (Lk 2,34). Und Jesus wurde zum "ver-rückten Außenseiter". Es ist bezeichnend, wie sich die engsten Verwandten Jesu später verhalten. Es heißt in der Bibel wörtlich: Seine Angehörigen machten sich auf den Weg, um ihn mit Gewalt heimzuholen; denn sie sagten: Er ist von Sinnen (Mk 3,21). Aber nicht nur die Angehörigen wollten ihn aus dem Verkehr ziehen, auch der Jünger Petrus nahm ihn beiseite und machte ihm Vorhaltungen, als er vom Leiden sprach (Mk 8,32). Petrus urteilt nach den Grundsätzen des normalen Menschenverstandes, er stellt sich unter einem "Messias" eine politische Größe vor.

Vor allem war Jesus den Priestern nicht akzeptabel. Bis heute ist Jesus für das jüdische Empfinden als Messias nicht annehmbar. Einer, der behauptet, von Gott zu kommen, der sich aber wie ein Wurm zertreten lässt und zum Sklaven wird? Darin steckt so viel an Torheit und Ärgernis, dass man es nicht verstehen kann.

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Jesus, der Narr. Ein Ver-rückter. Das lässt sich an vielen Tatsachen aufzeigen: Sohn des Allerhöchsten, zugleich Sohn eines Bauhandwerkers. Er, der Heilige und Sündlose, gibt sich als Freund der Sünder, Zöllner und Dirnen. Er, der Bußprediger, muss sich als "Fresser und Weinsäufer" beschimpfen lassen. Er hilft anderen und kann sich selbst nicht helfen. Er ist Kenner des Gesetzes, aber es übertritt es, wenn sein Herz ihn dazu treibt.

Jesus, der Narr. Er sprengt alle vorgegebenen Schemen. Es war nur folgerichtig, dass auch die römischen Soldaten ihn schließlich verspotten wie einen Narren: Jesus, der "König der Juden". Ein König ohne Land, ohne Untertanen, ohne Macht; ein armer, an Größenwahn leidender Irrer, der doch nur aus dem Weg geräumt werden konnte!

Jesus, der Narr. Erkennen wir denn seine Weisheit, wenn es uns zuruft: "Kommet her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen"? (Matth 11, 28-29). Wolfgang Marx Evangelischer Pfarrer Kirchengemeinde Ohmden