Lokales

Jetzt kommt in Dettingen ein Kompromiss zum Zug

Nun ist klar, wohin die Richtung geht: Der Dettinger Gemeinderat hat einer dritten Entwurfsvariante zur Neugestaltung des Bahnhofsplatzes zugestimmt. Allerdings sind immer noch einige Fragen offen, zum Beispiel was die Fahrradboxen, eine öffentliche Toilette oder die genaue Gestaltung des Grüns angeht.

BIANCA LÜTZ

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DETTINGEN Am Anfang war Variante eins. In Anlehnung an frühere Pläne hatten die Stadtplaner einen Entwurf zur Neugestaltung des Dettinger Bahnhofsplatzes vorgelegt, der eher kleinteilig und einfach wirkte. Als Alternative brachten sie Variante zwei ins Spiel: Sie sah vor, den Bahnhof so richtig in Szene zu setzen und den Platz drum herum großzügig und modern zu gestalten.

An beiden Entwürfen gab es im Vorfeld aus Sicht von Gemeinderäten und Anwohnern einiges auszusetzen. Im Rahmen einer Bürgerbeteiligung hatte die Gemeinde allen Einwohnern die Möglichkeit gegeben, sich zu äußern. Zudem waren die Vereinsvorstände befragt worden. Aus den Anregungen und Wünschen haben die Planer als Kompromiss eine dritte Variante erarbeitet, die beim Gemeinderat Anklang fand: Einstimmig segneten die Bürgervertreter den Vorentwurf in jüngster Sitzung ab. Allerdings zeigte sich dabei auch, dass es noch Diskussionsbedarf und offene Fragen gibt.

Ein Kompromiss aus eins und zwei ist Variante drei, zum Beispiel bei den Bodenbelägen. Im westlichen Bereich des Bahnhofsplatzes sollen die gleichen, hochwertigen Natursteinpflaster verwendet werden wie auf dem Rathausplatz, um eine thematische und optische Verbindung zwischen wichtigen Punkten im Ort zu schaffen und um gleichzeitig eine langlebige, pflegeleichte Lösung zu finden. Um Geld zu sparen, wird im Bereich des Bahnsteigs dagegen einfacher Asphalt verwendet. Auch die Beleuchtung soll der am Rathausplatz ähneln: Scheinwerfer werden Lichtakzente setzen.

Abgespeckt, aber nicht abgeschafft, wurde der Jugendbereich: Er erhält eine Abtrennung zu den Gleisen und eine Überdachung. Die Beleuchtung soll etwas reduziert werden. Statt teure Sitzmöbel zu kaufen, könnte sie der Bauhof selbst herstellen. Unter dem großen Baum vorm Bahnhofsgebäude haben die Planer zudem eine runde Bank vorgesehen.

"Der Festplatz ist nicht auf Resonanz gestoßen", berichtete Ralf Duffner vom Architektur- und Stadtplanerbüro Zoll, was die Vereinsvorständesitzung ergeben hat. Deshalb sieht Variante drei keine Möglichkeit mehr vor, ein Zelt aufzustellen. Ganz verabschieden wollte sich so mancher vom Thema Festplatz aber doch nicht. Dr. Werner Hack (FWG) erkundigte sich danach, was es kosten würde, wenigstens die Leitungen im Boden zu verlegen und stieß bei Bürgermeister Rainer Haußmann auf offene Ohren. So gäbe es immer noch die Möglichkeit für eine "Hocketse ohne Zelt", freute sich der Schultes.

Alle Parkflächen werden nun mit Betonpflaster ausgelegt, die Fahrbahn wird asphaltiert. Nach wie vor ist vorgesehen, 40 neue Platanen zu pflanzen, um "Parken unter Bäumen" zu ermöglichen. In drei Reihen gepflanzt, sollen die Bäume zumindest subjektiv den Lärm von der Bundesstraße dämmen. Darüber hinaus könnten Hecken die Sicht auf die parkenden Autos verdecken. Ob eine doppelreihige Bepflanzung mit Platanen im westlichen Bereich des Parkplatzes wirklich nötig sei, stellte Roland Sigel (CDU/FWV) in Frage. Sein Fraktionskollege Johannes Stulz dagegen begrüßte die zweireihige Bepflanzung. Vom Bauhof aus kam die Sorge, dass die Wurzeln die Straßendecke schädigen könnten deshalb sollen die Bäume nun in Pflanzquartiere gesetzt werden.

Diskussionen gab es erneut um das Grün zwischen Schienen und Bundesstraße. Anwohner hatten die Sorge geäußert, dass nach einer Rodung mehr Lärm und Feinstaub zu ihnen dringen könnte. Variante drei sieht nun vor, über die Länge des Bahnhofsgebäudes hinweg die großen Bäume stehen zu lassen und das Gebüsch zu stutzen, um den Blick auf den Bahnhof freizugeben. Nördlich und südlich davon soll das Grün bleiben. An diesem Punkt waren sich die Räte uneins, wie weit die Büsche zurückgeschnitten werden sollen und ob nicht auch der Rest des Grünstreifens gepflegt gehört. Entscheiden soll darüber der Technische Ausschuss nach einer Begehung.

Nicht einer Meinung waren die Räte zudem beim Thema Fahrradboxen. Der neue Vorentwurf sieht vor, unter der Terrasse der Landfrauen einige Boxen für hochwertige Räder zu installieren. Walter Neuhäuser (CDU/FWV) zweifelte die Notwendigkeit einer solchen Anschaffung an. Inge Schaufler (FWG) dagegen war dafür, Fahrradboxen gegen Bezahlung zur Verfügung zu stellen. Dietmar Vogt (SPD) erinnerte daran, dass die S-Bahn nach Kirchheim kommt und in Zukunft voraussichtlich noch mehr Menschen die Kombination Rad und Bahn nutzen werden. Die Entscheidung wird der Gemeinderat erst in der nächsten Planungsstufe fällen.

Auch das Thema öffentliche Toilette sorgte für Diskussionen. Bärbel Weinacht (FWG) erinnerte daran, dass der Alte Friedhof nach der Wiederbelegung wieder mehr frequentiert wird und eine Toilette notwendig sein könnte. Roland Sigel (DCU/FWV) hielt den Bahnhof als Standort für wenig geeignet und sprach sich vehement gegen ein WC aus, das gereinigt werden muss. Würde die Gemeinde sich für die selbstreinigende Version entscheiden, kämen allerdings eine Menge Kosten auf sie zu, wie Rainer Haußmann betonte. Er würde ein öffentliches Klo wenn überhaupt lieber im Ort sehen. Ebenso wie Dietmar Vogt (SPD) könnte er sich aber auch vorstellen, die nette Toilette anzusteuern.

Mit rund 900 000 Euro ist Variante drei etwas günstiger als Variante zwei. Vor allem wegen des Granitpflasters kostet diese Version aber voraussichtlich 120 000 Euro mehr als Variante eins. Vom Land sind Zuschüsse in Höhe von etwa 520 000 Euro zu erwarten. Die Kommune müsste noch 380 000 Euro stemmen.