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Jochen Findeisen tritt im Wahlkreis Nürtingen an

Die Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) will im Wahlkreis Nürtingen mit einem eigenen Kandidaten in den Bundestagswahlkampf gehen. Jochen Findeisen, Sprecher der Ortsgruppe von Attac, soll für die Liste des angestrebten Bündnisses mit der PDS nominiert werden.

NICOLE MOHN

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NÜRTINGEN Erst mit 20-minütiger Verspätung kann die Mitgliederversammlung des Esslinger Kreisverbands der Wahlalternative in der Nürtinger Seegrasspinnerei beginnen. Kreischef Thomas Bangemann ist im Terminstress. Eine Besprechung jagt die nächste. Dazu erst der Landesparteitag, dann der Bundesparteitag in Kassel. Als Nächstes steht die Nominierung der Kandidaten an, die auf der gemeinsamen Liste mit der PDS stehen sollen. Eine gemeinsame Liste, die formell keine ist, nach dem Bundeswahlgesetz keine sein darf. "Jeder Modus, jeder Proporz ist verboten", macht Bangemann seinen Mitgliedern klar.

Kalt erwischt hat die WASG die Ankündigungen von Neuwahlen im Herbst. Eigentlich hatten die Initiatoren einen Antritt zur Bundestagswahl 2006 geplant. Ganz in Ruhe wollte man sich auf den Wahlkampf vorbereiten. Damit ist es nun vorbei. Satzung, Wahlprogramm, alles wird nun in aller Eile abgestimmt.

Noch ist das Bündnis mit der PDS nicht in trockenen Tüchern. Auch beim Esslinger Kreisverband der WASG hat der eine oder andere Bauchschmerzen mit dem Zusammengehen. Dass allein die PDSler über Listenplatzierungen entscheiden werden, das schmeckt nicht allen. Auf einer Liste der Linkspartei mit dem Namenszusatz PDS oder Demokratische Sozialisten will die Mehrheit der Mitglieder am Dienstagabend ihren Kandidaten jedenfalls nicht sehen.

Trotzdem läuft es aus Sicht des Kreisvorsitzenden derzeit gut. In den vergangenen zwei, drei Wochen habe sich die Mitgliederzahl des Kreisverbandes auf 36 verdoppelt, sagt er. Darunter ein SPD-Urgestein wie Wolfgang Kämmerer, ehemals Ortsvereinschef der SPD Ostfildern. Nach 33 Jahren gab er sein Parteibuch zurück und stieg vor sechs Wochen bei der WASG ein.

Mit dem Schlaitdorfer Jochen Findeisen soll die WASG im Nürtinger Wahlkreis nun ein Gesicht bekommen. Der Pressesprecher der Nürtinger Ortsgruppe von Attac und Betriebsrat soll am Wochenende bei der Landesdelegiertenversammlung für die Nominierungsliste kandidieren. Wo Findeisen, Jahrgang 1948, letztlich landen wird, vermag Bangemann nicht zu sagen. Klar scheint nur, dass Ulrich Maurer, Ex-Landeschef der SPD, den ersten Listenplatz beansprucht.

Und was, wenn das Bündnis mit der PDS doch noch platzt? Dann, sagt Bangemann, geht die WASG zu Plan B über: Die Termine seien so gelegt, dass die Wahlalternative mit einer eigenen Liste in die Bundestagswahl gehen könne.