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Jubelmesse zum Jubiläum der Franziskuskirche

Exakt 50 Jahre waren seit der Kirchweihe der Weilheimer Franziskuskirche am 10. Oktober 1954 bis zum Festgottesdienst am Sonntag vergangen. Umrahmt wurde der Jubiläumsgottesdienst vom Chor der Franziskuskirche, einem Orchester und Solisten unter der Leitung von Bernd Walter, die für diesen Anlass die so genannte Jubelmesse von Carl-Maria von Weber einstudiert hatten.

GABRIELE ROLFS

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WEILHEIM Beschwingt und leicht beginnt die Messe Nr. 2 in G-Dur von Carl-Maria von Weber, die der Komponist anlässlich der Goldenen Hochzeit seines Königs in Dresden geschrieben hat und deren lieblicher und unbefangener Stil sie für einen Jubiläumsgottesdienst wie geschaffen erscheinen lässt. Am Ende des Gottesdienstes erklang noch das Halleluja aus dem Messias von Georg Friedrich Händel, das den Gottesdienst mit Jubel ausklingen ließ.

Gehalten wurde der Festgottesdienst von Pfarrer Hermann Ehrensperger und Dekan Wolfgang-Christoph Sedlmeier. Der Dekan erläuterte zu Beginn seiner Predigt kurz die Situation, aus der heraus man sich 1951 zum Bau einer katholischen Kirche in Weilheim entschlossen hatte. Diese Situation war auch Thema der Grußworte, die Bürgermeister Hermann Bauer und Kornelia Schmalenberg-Albert, Zweite Vorsitzende des Kirchengemeinderates, gegen Ende des Festgottesdienstes überbrachten.

Bis zur Reformation gab es in Weilheim eine Kirche für alle, die Peterskirche. Als die Reformation 1534 in Weilheim Einzug hielt, ging an diesem Ort eine 800-jährige Ära katholischer Kirchengeschichte zu Ende. 1854 gab es in Weilheim bei 3718 Einwohnern lediglich sieben Katholiken, 1931 waren es erst 41 Katholiken. Die Situation veränderte sich 1946 schlagartig durch den Zuzug von Heimatvertriebenen nach Weilheim: Die Zahl der Katholiken in Weilheim stieg sprunghaft auf 700 an. 700 Katholiken brauchten nun eine Kirche, und so erfolgte nach Jahren des Übergangs 1952 der erste Spatenstich für die Franziskuskirche, die dann am 10. Oktober 1954 eingeweiht wurde. Nach der Einweihung der Kirche lohnte es sich, rechtzeitig zum Gottesdienst zu kommen, denn häufig waren alle 360 Sitzplätze besetzt und wer nicht früh genug kam, musste mit einem Stehplatz vorlieb nehmen. Nach und nach erhielt die Kirche als weitere Ausstattung vier Glocken (1959), 1966 wurde das Pfarrhaus fertiggestellt und 1984 konnte eine neue Orgel angeschafft werden. 1994 wurde das große Mosaik mit Franziskus von Assisi an der Außenwand der Kirche angebracht. Und nachdem in der Zwischenzeit in Weilheim 2000 katholische Mitbürger leben das sind 20 Prozent der Bevölkerung , wird Ende des Jahres auch das neue Gemeindehaus eingeweiht werden können.

In seiner Predigt ging Dekan Wolfgang-Christoph Sedlmeier auf den Namenspatron der Kirche, Franziskus von Assisi, ein. Er untersuchte, wie die Kirche des 12./13. Jahrhunderts auf die Kritik des Franz von Assisi und seiner Armutsbewegung reagierte. Die damalige Kirche lehnte in einer Zeit, in der sie die zentrale, für alle zuständige Größe war, die fundamentale Kritik, die Franziskus durch sein Verhalten an ihr übte, ab und verbot sogar die "freiwillige Armut". Heute ist die Kirche in einer anderen Situation, denn sie behauptet ihre Position in einer glaubenslosen Gesellschaft. Auch jetzt wird ihr viel Kritik entgegen gebracht. Doch Kritik ist nicht gleich Kritik. Franziskus wollte nicht in erster Linie kritisieren, sondern suchte zuerst seinen spirituellen Weg. Aus dem Evangelium zog er Konsequenzen für sein Leben. Diese erst führten zu einer fundamentalen Kritik an der Kirche. Und so wird auch heute Kritik, die aus dem Evangelium, der Gemeinschaft und dem Gebet als dem Weg des Einzelnen zu Gott resultiert, von der Kirche nicht abgelehnt, denn so Dekan Sedlmeier "Leidenschaftliche Kritik, die aus Liebe geschieht, wird unsere Kirche weiterbringen."