Lokales

Jugendanlage nicht vom Tisch

Den ehemaligen Bahndamm zwischen Limburghalle und Bildungszentrum Wühle hatten sich Weilheimer Jugendliche und Stadtverwaltung als Treff für Teenies der Limburgstadt ausgeguckt. Doch bei den Anwohnern stößt das Projekt Jugendanlage nicht auf Gegenliebe.

ANKE KIRSAMMER

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WEILHEIM Fünf Monate lang hatte sich eine Handvoll Jugendlicher bis in den Sommer hinein im Rahmen eines Videoprojekts Gedanken über einen geeigneten Platz gemacht, an dem sie zwanglos zusammenkommen können. Der Grund: Der aktuelle Treff an der Bushaltestelle neben der Kreissparkasse wird sowohl von Anwohnern als auch von den Jugendlichen selbst nicht als optimal angesehen.

Zwar besucht ein Großteil der 20- bis 30-köpfigen Clique meist türkischer Herkunft auch den Jugendtreff unterhalb der Limburghalle am Helfersbergweg; doch haben die Teenies mitunter auch das Bedürfnis, sich ohne Aufsicht zu treffen. Deutlich machte das der Titel des Videos, den die Mädchen und Jungen zusammen mit Projektleiterin Angela Rein gedreht hatten: "Wir wollen unter uns sein".

Wie sich in einem Gespräch von Vertretern der Stadt und zahlreichen Anwohnern der Kalixtenberg- und der Karl-Dreher-Straße herausstellte, stößt das Vorhaben an der ehemaligen Bahnanlage in der Bevölkerung allerdings auf wenig Gegenliebe. Im Vordergrund steht die Furcht vor Lärm und Müll. Ins Feld geführt wird außerdem die bereits vorhandene Belastung durch Jugendtreff, Limburghalle, Schulen sowie der Baumschulbörse. Als zusätzliches Problem sieht Bürgermeister Hermann Bauer die hohen Kosten für eine Jugendanlage: Das von Stadtbaumeister Roland Rendler ausgearbeitete Konzept mit befestigter Bodenplatte, Sitzgelegenheiten, einer einfachen Holzverkleidung sowie einem Dach käme auf rund 30 000 Euro.

"Der ins Auge gefasste Standort wird auf keinen Fall weiterverfolgt", erklärte Verwaltungschef Hermann Bauer auf Anfrage. "Das Projekt ist aber nicht gestorben." Jetzt solle erst einmal eine Denkpause eingelegt, beziehungsweise Ausschau nach einem geeigneten, bereits befestigten Platz gehalten werden. Außerdem müsse es darum gehen, Vorbehalte der Bevölkerung den Jugendlichen gegenüber abzubauen. Verstärkt soll Jens Coers, pädagogischer Mitarbeiter im Jugendtreff, darüber hinaus als Streetworker vor Ort den Kontakt zu den Teenies suchen.

Auch für Jugendtreffleiterin Evelyn Schmidt ist das Problem einer Jugendanlage nicht vom Tisch. "Wir brauchen vor allem für die Sommermonate eine Lösung", betont sie. Am morgigen Mittwoch wird sie sich deshalb mit Jens Coers und dem Kreisjugendring-Geschäftsführer Kurt Spätling an einen Tisch setzen. Denkbar wäre für Evelyn Schmidt beispielsweise, den Jugendtreff an einem Abend am Wochenende von Ehrenamtlichen betreuen zu lassen. Auch das ist nichts Neues. Der frühere Versuch scheiterte jedoch unter anderem an Regeln, die von den Beteiligten als zu lasch empfunden wurden. Nach neuen, strengeren Regeln sei wiederum kein Jugendlicher bereit gewesen, die Verantwortung zu übernehmen. Eins ist für Evelyn Schmidt klar: "Ehrenamtliche müssten im Vorfeld geschult werden."