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Jugend-Discos sind "besser als gar nichts"

Mehr ehrenamtliche Betreuer auch aus dem Gemeinderat wünscht sich Bürgermeister Schmid für die Schlierbacher Jugendarbeit. Er unterstützte damit das Argument Kurt Molls (CDU), dass eine einmalige wöchentliche Öffnung des Jugendraums "betriebswirtschaftlich unsinnig" sei.

JOACHIM KRUG

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SCHLIERBACH Aus drei Bausteinen besteht nach den Worten Andrea Groenevelds von der Bruderhaus- Diakonie, vormals Gustav-Werner-Stiftung, die Jugendarbeit in Schlierbach: dem Jugendraum in der neuen Sporthalle "Bergreute", der Beratung und Begleitung des bestehenden Jugendforums und den drei Bauwagen beim Bauhof.

Mit bis zu 40 Personen gut besucht ist nach Groenevelds Worten der Jugendraum. An 50 Tagen wurden 954 Besucher gezählt, davon 47,8 Prozent Mädchen. Im 14-tägigen Wechsel ist der Raum mittwochs beziehungsweise freitags je drei Stunden offen. Die Inneneinrichtung wird von den Jugendlichen in Eigenregie gefertigt, derzeit gehe es um eine neue Theke. Sämtliche Arbeiten und Aufgaben, wie Planung und Kauf, erfolgten durch die Jugendlichen selbst. Eine weitere Aufgabe sei der hohe Gesprächsbedarf bei den Jugendlichen.

Viele der Jugendlichen, zu 90 Prozent Ausländer, seien auch in den Jugendversammlungen aktiv. Es gäbe Fußballteams sowohl der Jungen als auch der Mädchen, beim Dorffest waren die Jugendlichen ebenfalls aktiv. Im Umbruch befänden sich die Jugendforen durch eine derzeitige Ablösung der Älteren durch Jüngere.

Die Jugendlichen der verschiedenen Bauwagen, ausschließlich Deutsche, bilden nach Groenevelds Worten geschlossene Gruppen, von denen einzelne auch in den Jugendraum kämen. Zu den Bauwagen unterhält Groeneveld eine lockere Verbindung. Pro Jahr würden rund 300 Stunden für die Betreuung abgerechnet Auch Groeneveld würde zumindest einen weiteren Öffnungstag des Jugendraums begrüßen.

Zu der von Sabine Hiedels (FUW) angesprochenen Verantwortung im Jugendraum sagte Groeneveld, dass immer eine Person über 18 Jahren die Verantwortung trage und auch für den Schlüssel zuständig sei. Hiedels bedauerte den hohen Ausländeranteil. Für Groeneveld wichtige Probleme sind Alkohol, Verschmutzung und Rauchen, wogegen energisch vorgegangen werde. "Alkopops und Zigaretten werden konfisziert," auch der Platz vor dem Jugendraum werde ständig gesäubert.

Von Horst Gasper (CDU) wurde die Zusammenarbeit zwischen den "Bauwagenbesatzungen", den Jugendhaus-Nutzern und den Vereinen angesprochen. Viele Jugendlichen, so Groeneveld, seien in den Vereinen und bei der Feuerwehr aktiv. Sowohl Hiedels als auch Moll bedauerten, dass sich deutsche Jugendliche teilweise ausgegrenzt fühlten. "Da gibt es ein großes Aggressionspotenzial", befürchtet Hiedels. Wünschenswert ist nach Groenevelds Worten eine Betreuung nach Altersgruppen, die aber mangels Fachkräften nicht möglich sei. "Es wäre schön, wenn sich Eltern zur Betreuung bereit fänden."

Insgesamt zog Bürgermeister Paul Schmid eine positive Bilanz gemeindlicher Jugendarbeit, die es in der Form seit März 2002 gibt. Der Jugendraum, der separat von der Sporthalle nutzbar sei, sei ein großer Fortschritt. Auch Schmid sprach sich für eine Durchmischung der Gruppen aus, in denen Deutsche und Türken gleich stark vertreten sein sollten. Die Gemeinde stelle hohe Anforderungen an die Sicherheit und den Feuerschutz, die 14-tägigen Discos seien nicht einfach, aber notwendig. "Die Discos sind besser als gar nichts zu machen", so Schmids Resümee.