Lokales

Jugendliche lernen Umgang mit Finanzen

Junge Menschen frühzeitig mit den Themen Geld und Finanzen vertraut zu machen und ihre finanzielle Allgemeinbildung zu fördern sind die Ziele von "Schüler-Banking". 600 Schüler und andere Jugendliche aus dem Kreis Esslingen nehmen an dem landesweit einmaligen Pilotprojekt teil, das jetzt startet.

KREIS ESSLINGEN Franz Scholz, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen, freut sich über den enormen Zulauf in der ersten Runde: "Damit sind unsere kühnsten Erwartungen bei Weitem übertroffen worden", sagt er. Im Rahmen des Projektes, das von der Stiftung der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen, dem Amt für Schule und Bildung im Landkreis Esslingen und dem "Institut für Finanzdienstleistungen" (iff) initiiert wurde, soll die finanzielle Allgemeinbildung von Haupt- und Realschülern der Klassen 8 bis 10 verbessert werden. Den Teilnehmern werden Erfahrungen und Fertigkeiten sowie Handlungs- und Entscheidungskompetenzen vermittelt, damit sie fit und sicher im Umgang mit ihrem Geld und ihren persönlichen Finanzen werden

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Das Projekt "Schüler-Banking" hat einen ernsten Hintergrund: Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen hapert es oftmals an der finanziellen Allgemeinbildung. In einer Umfrage bekannte jeder zweite Schüler, dass er sich in Finanzfragen "eher nicht" oder sogar "überhaupt nicht" auskennt. Defizite bestehen selbst bei allgemeinen Themen wie Zahlungsverkehr oder Girokonto. Zudem haben Personen in dieser Altersgruppe kaum Erfahrungen im Umgang mit Finanzdienstleistungen.

"Die Schule hat die Aufgabe, junge Menschen auf das Leben vorzubereiten. Sie soll ihnen das notwendige Wissen vermitteln, damit sie sich im Alltag und im späteren Berufsleben zurechtfinden", sagt Schirmherr Landrat Heinz Eininger, Vorsitzender der Stiftung der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen, die auch das Projekt finanziert. Daher sei es für ihn auch eine Selbstverständlichkeit gewesen, dass das Amt für Schule und Bildung das Projekt begleitet.

"Schüler-Banking verbindet auf ideale Weise theoretisches Wissen und praxisnahe Erfahrungen", so Eininger. Alle Teilnehmer erhalten nach Projektabschluss ein Zertifikat, das das neu gewonnene Wissen und die Kompetenz bestätigt.

Die enge Zusammenarbeit mit Lehrern bei der Entwicklung des Konzeptes ermöglicht es, Wissenschaft, Finanzwesen und Schulpraxis zusammenzuführen. Die Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen bringt als größtes Kreditinstitut im Landkreis ihre Kompetenz in Finanz- und Geldthemen ein und stellt ihre Filialen als außerschulische Lernorte zur Verfügung. Bankauszubildende wurden in der Vorbereitungsphase eingebunden. "Wir wissen aus der täglichen Arbeit, wie wichtig allgemeine Kenntnisse in Finanz- und Wirtschaftsfragen sind", so Franz Scholz, Vorsitzender des Vorstandes der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen.

Das vom verbrauchernahen, unabhängigen Forschungsinstitut iff entwickelte Unterrichtskonzept knüpft an die Bildungspläne der Schulen in Baden-Württemberg an und kann flexibel in den laufenden Unterricht eingefügt oder im Rahmen von Projektwochen durchgeführt werden. "Viele Verbraucher haben Schwierigkeiten, sich auf dem Finanzdienstleistungsmarkt zurechtzufinden und ihre Interessen selbstbewusst zu vertreten", erläutert iff-Professor Udo Reifner. "Daher ist es notwendig, bereits im Schulalter die Grundlagen zu legen und den Umgang mit Geld und Finanzen zu trainieren. Jugendliche und junge Erwachsene werden so in die Lage versetzt, die eigene Situation abzuwägen und adäquate, individuelle Entscheidungen zu treffen.

Das Institut begleitet das Projekt wissenschaftlich und unterstützt die Lehrer während der Projektphase. Das Besondere an "Schüler-Banking" ist, dass nicht Finanz-Experten in den Schulen Fachvorträge halten, sondern die Schülerinnen und Schüler wie im realen Leben in den Filialen der Kreissparkasse beraten werden. "Durch die Gespräche mit den Beratern der Kreissparkasse und die kritische Vor- und Nachbereitung der Inhalte werden frühzeitig die Weichen für einen verantwortungsvollen Umgang mit den Themen Geld, Finanzen und mit Anbietern von Finanzdienstleistungen gestellt", so Reifner.

Jugendliche und junge Erwachsene beschäftigen sich beispielsweise mit der fiktiven Auswahl eines Girokontos oder einer Anfrage nach einer Finanzierung nicht nur theoretisch, sondern sie sammeln auch realitätsnahe Erfahrungen und entwickeln Handlungskompetenzen. Dabei werden von Teilnehmern auch kritische Situationen wie die Altersvorsorge, finanzielle Schwierigkeiten oder Notlagen realitätsnah aufgearbeitet und Lösungsansätze erarbeitet. "So lernen die jungen Menschen, Risiken und Chancen einzuschätzen und ihre Rolle als mündiger Verbraucher wahrzunehmen", unterstreicht Franz Scholz.

Das Projekt soll fortgesetzt werden, im nächsten Jahr auch an Gymnasien. "Wir sind davon überzeugt, dass Schüler-Banking der richtige Ansatz ist, um die finanzielle Allgemeinbildung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu verbessern", so Franz Scholz.

pm

INFOSchüler der Klassen 8 bis 10 von Haupt- und Realschulen können sich noch für die laufende Runde bewerben. Weitere Infos im Internet unter www.schuelerbanking-landkreis-es.de oder unter www.ksk-es.de.