Lokales

Jugendliche nehmen die Wahl ernst

Die Wahlbeteiligung der Kirchheimer Jugendratswahl liegt bei beachtlichen 60,32 Prozent

Kirchheim hat gewählt. Nicht ganz Kirchheim, aber doch ein beachtlicher Anteil der Wahlberechtigten zwischen 13 und 18 Jahren. Die Wahlbeteiligung lag bei 60,32 Prozent. Das sind zwar knapp sieben Prozent weniger als bei der Jugendratswahl vor zwei Jahren. Aber es ist immer noch eine Wahlbeteiligung, wie sie für Jugendliche eher ungewöhnlich ist. 2003 war die Fortführung des damaligen Jugendgemeinderats daran gescheitert, dass nicht einmal 20 Prozent ihre Stimmen abgaben.

Andreas Volz

Kirchheim. Das Ergebnis der Kirchheimer Jugendratswahl stand bereits am Sonntagabend gegen 20 Uhr fest, wie Wahlamtsleiter Jochen Schilling gestern mitteilte. Die Auszählung sei reibungslos verlaufen. Das einzige Problem war der Server bei der Kommunalen Datenverarbeitung Region Stuttgart (KDRS), über den die Stadt Kirchheim alle ihre Wahlergebnisse nach der Auszählung ins Internet stellt. Am Sonntag hat das aus bislang unerfindlichen Gründen nicht funktioniert, sagte Jochen Schilling nun. Er habe es bis Mitternacht immer wieder versucht, die Daten einzuspeisen, aber jedes Mal ohne Erfolg.

Insgesamt gab es 4 274 Wahlberechtigte im Alter zwischen 13 und 18, die in Kirchheim wohnen oder zumindest in Kirchheim zur Schule gehen. Von diesen haben 2 578 ihr Recht genutzt und sich an der Wahl beteiligt. „Es gab nur 50 ungültige Stimmzettel“, bilanziert der Wahlamtsleiter und stellt zufrieden fest: „Das ist sehr gut.“ Die Jugendlichen hätten sich im Vorfeld ausführlich mit der Wahl und mit den Kandidaten beschäftigt, und sie hätten dafür gesorgt, dass es eine richtig ordentliche Wahl war: „Die Gewählten haben dadurch eine Reputation und eine Legitimation.“

Im neuen Jugendrat sind zwölf Schülerinnen und vier Schüler von vier verschiedenen Schulen vertreten: neun vom Ludwig-Uhland-Gymnasium (LUG), je drei vom Schlossgymnasium (SG) und von der Teck-Realschule (TRS) sowie eine Schülerin von der Freihof-Realschule (FRS). Die zwei Kandidaten einer Beruflichen Schule haben nicht genügend Stimmen bekommen und sitzen deshalb auch nicht im neuen Jugendrat, der sich im März oder im April zur konstituierenden Sitzung trifft.

Eigentlich sei vorgesehen, jeder Schulart, von der sich Kandidaten zur Jugendratswahl aufstellen lassen, einen Sitz zu garantieren. Jochen Schilling führt aus, warum das im Fall der Beruflichen Schulen doch nicht geklappt hat: Weder von der Max-Eyth- noch von der Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule hatte es Kandidaten gegeben. Die beiden Bewerber, die auf dem Stimmzettel standen, wohnen in Kirchheim und besuchen eine Berufliche Schule in Göppingen. „Für eine Göppinger Schule können wir aber keinen Sitz reservieren“, meint Kirchheims Wahlamtsleiter.

Die Wahlbeteiligung war sehr unterschiedlich, je nach Schulart. Spitzenreiter war wieder die Raunerschule – mit 90,91 Prozent –, gefolgt von der Freihof-Realschule, der Eduard-Mörike-Schule, der Grund- und Hauptschule Jesingen, dem Ludwig-Uhland-Gymnasium, der Teck-Realschule, der Alleenschule, der Konrad-Widerholt-Förderschule und dem Schlossgymnasium, das es noch auf 75,11 Prozent brachte. Weitaus geringer fiel die Wahlbeteiligung mit 56,5 Prozent an der Waldorfschule aus, an der Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule mit 38,57 und an der Max-Eyth-Schule mit 15,19 Prozent.

Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker nahm gestern allerdings die Beruflichen Schulen in Schutz: „Da sind nicht jeden Tag alle da.“ Mit der Wahl und der Wahlbeteiligung insgesamt zeigte sie sich sehr zufrieden: „Ich bin auch glücklich, dass sich so viele Jugendliche gemeldet haben und es gewagt haben zu kandidieren.“ Das müssten die „Großen“ den Jugendlichen erst einmal nachmachen. Besonders lobte Angelika Matt-Heidecker auch die Schulen, weil sie die Jugendratswahlen begleitet und unterstützt haben. Natürlich ist sie sich bewusst, dass die hohe Wahlbeteiligung in erster Linie darauf zurückzuführen ist, dass die Wahlurnen wochentags zu den Schülern kommen und nicht umgekehrt die Schüler sonntags zu den Wahlurnen gehen müssen.

Sie freut sich jetzt schon auf die Arbeit mit dem neuen Jugendrat, so wie sie auch mit dem bisherigen Jugendrat gerne zusammengearbeitet hat. Denn so viel steht für die Oberbürgermeisterin fest: „Es zahlt sich aus, wenn man junge Menschen und ihre Anliegen ernst nimmt.“

Martin Eininger (17, LUG), Johanna Resemann (13, LUG), Luisa Stolz (16, TRS), Sophia Adamski (14, TRS), Moritz Jun­ginger (16, LUG), Lilly Weithofer (15, SG), Laura-Ann Leibold (17, LUG), Janine Gölz (16, LUG), Rümeysa-Funda Arziman (15, SG), Anna-Lena Haßfeld (16, LUG), Martin Brady (16, LUG), Sebastian Koch (16, LUG), Lea Schöllkopf (15, LUG), Marina Petrović (16, TRS), Marlene Diehl (15, FRS), Kim Reicherter (14, SG).

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