Lokales

"Jung und Alt sind uns willkommene Gäste"

LENNINGEN Diakonie ist im ursprünglichen Wortsinn der Tischdienst: "diakonein" heißt zu Tisch dienen. Alle vier Wochen laden um

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ERIKA HILLEGAART

die Mittagszeit gedeckte Tische im Oberlenninger Julius-von-Jan-Gemeindehaus gastfreundlich zur Gemeinschaft ein. Die "Woche der Diakonie" vom bis 25. Juni ist ein Anlass, über die Erfolgsgeschichte des ökumenischen Mittagstisches zu berichten und kurz die Anfänge der Diakonie zu streifen.

In der Regel am ersten Dienstag im Monat nehmen elf Frauen im Wechsel den diakonischen Auftrag wörtlich: sie kochen, decken die Tische, servieren das Essen, schöpfen nach und sprechen mit ihren Gästen: Diese Frauen der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden Oberlenningen machen den Tischdienst für 40 bis 80 Besucher.

Seit vier Jahren ist das diakonische Angebot in Oberlenningen um diesen ökumenischen Mittagstisch reicher. Diesen Brauch pflegen ebenso die Gutenberger und seit kurzem auch die Erkenbrechtsweiler Kirchengemeinden nach dem Vorbild an anderen Orten und zu anderen Zeiten. Die Urgemeinde versammelte sich beim Mahl, und zahlreiche Geschichten im Neuen Testament drehen sich um Tischgemeinschaften und Tischgespräche. Von der hochzeitlichen Tafel zu Kanaa, der orientalischen Tischsitte der Salbung bis zum Nachtmahl in Emmaus führen diese Beispiel mitten in das Thema.

Oberlenningens Pfarrer Karlheinz Graf entdeckt in jedem Konfirmandenjahrgang neue Mitarbeiter Talente für Jungscharen und Kinderkirche. Aber auch bei der begleitenden Elternarbeit spürt er Begabungen auf, die bald zum treuen Stamm der ehrenamtlichen Garde in der Gemeinde werden. So kam beispielsweise Traudl Glöckler zu einem weiteren Tätigkeitsfeld neben der Mitarbeit beim Sonntagskaffee. "Können Sie sich vorstellen, einen Mittagstisch wie in der Kirchheimer Auferstehungs-Kirchengemeinde zu organisieren und dafür Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden", fragte der Ortspfarrer die ehemalige Konfirmandenmutter. Nach vielen Telefonaten und persönlichen erfolgreichen Gesprächen startete das Projekt des ökumenischen Mittagstisches am 5. November 2002."Für wen kochen wir?", fragte sich zunächst das Kochteam. Hinter dieser Frage verbarg sich wohl die Unsicherheit, ob und wieviel und welche Mittagsgäste kommen werden. Die Einladung selbst war offen und freundlich. So gab es an dem kirchlichen Haus keine Schwelle zu überwinden. Seitdem kommen Junge und Alte, Sonntags- und Werktagschristen, Ober- und Unterlenninger, Ehepaare und Singles, mal der Bürgermeister oder manche Gemeinderäte, Alteingesessene und Neuzugezogene. Auch Vegetarier finden den Weg ins Gemeindehaus und ein Schülertisch hat sich auch schon längst etabliert. "Der ökumenische Treff ist eine Chance, dass sich die Generationen begegnen und ins Gespräch kommen", sagt Pfarrer Graf über diese Einrichtung und Traudl Glöckler meint in Reimen: "Wir kochen wirklich gern für alle, nur anmelden soll man sich in jedem Falle" bei ihr oder Martha Rupp, der langjährigen Verwalterin des Gemeindehauses. Klar, ein 80-Leute-Essen will geplant sein. Den Speisezettel macht der Elfer-Rat fürs ganze Jahr.

Das Angebot ist gut schwäbisch mit Salaten der Saison und leckeren Nachtischen. Da gibt es Gaisburger Marsch, Sauerkraut mit Kassler, natürlich auch Maultaschen mit Kartoffelsalat oder Sauerbraten mit hausgemachten Kartoffelknödeln. Aber auch Gyros mit Tsatsiki oder Putengeschnetzeltes mit Spätzle schmecken.

Regionale ProdukteDas Küchenteam kauft für die Mahlzeiten Produkte in der Region ein. Zufrieden sind die Gäste, auch mit dem Preis von 4 Euro für Erwachsene und 2,50 Euro für Jugendliche. Gutscheine können erworben und weiter verschenkt werden. Der Nettogewinn einer knapp vierstelligen Summe pro Jahr kommt der Modernisierung der Gemeindehausküche zugute: Ein Großküchenherd und ein energiesparender Kühlschrank stehen auf der Wunschliste.

An diesen Großeinsatz-Dienstagen beginnt eines der drei Teams um 8.30 Uhr mit der Küchenarbeit. Alles wird selbst gekocht. Mit gutem Appetit kommen die Gäste um zwölf Uhr. Nach dem Essen wird die Industriespülmaschine oft gefüllt, es blinken wieder die Edelstahltöpfe und der Herd, das Geschirr ist in den Schränken gestapelt und das Besteck eingeordnet. Wenn diese Hausfrauenarbeit getan ist, schlägt die Turmuhr der nahen Sankt-Martins-Kirche dreimal zur nachmittäglichen Stunde.

Auch Hobbyköche kommen gern zum Mittagstisch. Noch hat sich in die Frauengruppe kein Mann zum Küchendienst gemeldet. Die ehrenamtlichen Köchinnen, im Schnitt zwischen 40 und 65 Jahre alt, sind Erika Bosler, Angelika Bublinksi, Traudl Glöckler, Erika Huber, Lore Reichle, Margot Rohde, Martha Rupp, Gisela Schmid, Hilde Spieth, Monika Stark und Jutta Waldhauser. Das Team wird sich über jeden neuen Mitstreiter freuen.

Der ökumenische Mittagstisch ist ein Baustein der diakonischen Gemeindepraxis neben Besuchs- und Fahrdienst, dem Sonntagskaffee, den Gemeindedienstfrauen, dem sozial-politischen Gesprächsforum "Im Brennpunkt" und dem Krankenpflegeverein. Es ist die Diakonie an der Basis, sie pflegt die mitmenschlichen Beziehungen, denn echte Hilfe ist stets ein Geben und Nehmen. Die lukanische Tischgeschichte mit Maria und Martha vom Dienen und Bedientwerden darf in jeder Generation von Männern und Frauen neu ausgelegt werden.