Lokales

Junge Menschen in Ecuador können ihre Chance ergreifen

In der ecuadorianischen Hafenstadt Guyaquil wurden die Abschlussprüfungen im "Colegio Hermann Hesse" abgenommen. Finanziert und organisiert durch den Verein "Hilfe für Guasmo" aus Kirchheim, ist diese Fach-Oberschule für Jugendliche aus ärmsten Verhältnissen ein Sprungbrett in die Berufswelt und in eine menschenwürdige Existenz.

KIRCHHEIM Das "Colegio Hermann Hesse" ist ein Fernkolleg, das nach der Basisschule Möglichkeiten weiterer Berufsvorbereitung eröffnet. Ein Blick in den ecuadorianischen Schulalltag mag verdeutlichen, weshalb sich diese Bildungsform anbietet für junge Menschen, denen klar ist: "Nur mit Wissen kann ich die Armut überwinden, und nur mit konsequentem Fleiß kann ich mir Wissen aneignen."

Anzeige

Unzählige Familien leben in den Slums der großen Städte oder verstreut im Urwald. Schulbesuch ist für sie unbezahlbar, also bleiben viele Kinder der Schule fern; oft arbeiten sie schon früh für einen Hungerlohn, weil es zu Hause an allem fehlt. Familie heißt manchmal auch: Leben in zerrütteten Verhältnissen, mit Gewaltanwendung, mit Alkohol, mit Krankheiten ohne Heilungschancen, weil das Geld fehlt. Wenn Kinder es unter diesen Bedingungen fertig bringen, die Primar- und Sekundarstufe der allgemeinen Schulen zu durchlaufen, ist das schon viel. Spätestens danach müssen sie sich mit um den Familienunterhalt kümmern. Aber ohne Qualifikation haben sie keine Chance auf sozialen Aufstieg. Gelegenheitsarbeit ist rar und bringt nicht viel ein. So geraten sie immer tiefer in den Teufelskreis "kein Geld keine Schule keine Chance".

Diese "Spirale nach unten" wurde bei "Hilfe für Guasmo" erkannt. Seit 1987 setzt sich der Verein, der sich auf Paten und Spender stützt, dafür ein, Jugendlichen aus Armenvierteln in Ecuador Chancen zu eröffnen. Das Leitmotiv lautet " Wissen vermitteln, Entwicklung fördern, Armut überwinden". Im vergangenen Jahr hat der Verein das "Colegio Hermann Hesse" der Name wurde von den Stipendiaten ausgewählt in eigene Trägerschaft übernommen; mittlerweile erhielt diese Bildungseinrichtung als einzige unter mehreren Fernkollegs in der Region die offizielle Anerkennung durch das ecuadorianische Bildungsministerium. Finanzielle staatliche Unterstützung ergibt sich aus der Anerkennung hingegen nicht.

Zielstrebige junge Menschen nutzen das Angebot im "Colegio", weil sie aus der Armut heraus und in Berufschancen hinein wollen. Die meisten unter ihnen erkennen dazu auch sehr schnell, dass es nicht damit getan ist, für sich allein zu sorgen; die enge Bindung an ihre Familien lässt sie Verantwortungsbewusstsein und eine moralische Verpflichtung entwickeln, nun nicht nur das persönliche Ziel zu verfolgen, sondern dazu die Familie zu unterstützen.

Einer, dem der Verein schon früh auf den Weg geholfen hat, und der seit Jahren von hier aus betreut wird, ist Ruben, ein junger Mann, der mit der Unterstützung aus Kirchheim Schule und Colegio durchlaufen hat. Seit August 2004 ist er System-Analytiker mit Diplom von der Polytechnischen Hochschule. Neben seinem Studium hat er Geld für die Familie verdient und seit Januar arbeitet er bei einer Bank. Noch mehr liegt ihm eine andere Tätigkeit am Herzen: Er findet Zeit, im Auftrag seiner Pfarrei mit und für Straßenkinder zu arbeiten. Seine Motivation: Er möchte, dass sie, wie er, Chancen erkennen und ergreifen. Und er hat noch weitere Ziele. Im Februar schrieb er an seine deutschen Paten: "Mein nächstes Ziel ist die Erlangung des Titels eines Diplom-Informatikers im August 2005; gegenwärtig stecke ich voll in der Vorbereitung meiner Diplomarbeit." Ruben wurde mit monatlich 20, später mit 30 US-Dollar gefördert. Effiziente Hilfe ist also machbar, und Abzüge für Verwaltungstätigkeit gibt es bei "Hilfe für Guasmo" nicht.

Wenn die Absolventen des diesjährigen März-Prüfungstermins ihre Diplome in Empfang nehmen, ist nicht nur bei ihnen die Freude über das Erreichte und die Chance für eine bessere Zukunft groß auch in Deutschland freuen sich Spender, Träger und ehrenamtliche Helfer des Vereins, zumal die Schüler wie ihre engagierten Lehrer hier bekannt sind. Der persönliche Einsatz für die Menschen in Ecuador ist die Basis für die Effizienz der Hilfe. Jede Geldspende ist willkommen und wird vom Verein gezielt für die Hilfe vor Ort eingesetzt.

Weitere Informationen über den Verein "Hilfe für Guasmo" gibt es bei Ursula Hauser, Laubersberg 48, Kirchheim, Telefon 0 70 21/4 43 09, und bei Arnold Piesiur, Telefon 0 70 21/7 17 97, sowie im Internet unter www.hilfe-fuer-guasmo.de. Ein Spendenkonto ist eingerichtet bei der Landesbank Baden-Württemberg mit der Kontonummer 864 864 6, Bankleitzahl 600 501 01.

is