Lokales

Junge Politiker vermitteln breites Spektrum

Podiumsdiskussion im Kirchheimer Ludwig-Uhland-Gymnasium – Zu Gast waren die Jugendvertreter unterschiedlicher Parteien

Die SMV des Ludwig-Uhland-Gymnasiums in Kirchheim hatte jüngst zu einer Podiumsdiskussion in den Lichthof eingeladen. Thema des Abends war die Generationengerechtigkeit.

Renate Schattel

Kirchheim. Wer schultert in Zukunft die Schulden? Welches Bildungssystem ist das gerechteste? Was passiert mit dem vielem CO² in der Luft? Das waren die Fragen, die SMV-Mitglied Paul Oesterle seinen Gästen stellte.

Von der Jungen Union (JU) war Thomas Kaiser gekommen, Diplom-Verwaltungswirt und Kreisvorsitzender der JU in Esslingen. Die Jusos der SPD schickten Dejan Perc ins Rennen. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Hohenheim und stellvertretender Landesvorsitzender der Jusos. Björn Maier vertrat die Grüne Jugend. Er studiert Umweltschutztechnik und ist Beisitzer der Grünen Jugend Stuttgart sowie Gründer des Ortsverbandes Gerlingen. Begrüßt werden konnte auch Jens Brandenburg, Landesvorsitzender der Jungen Liberalen und im Landesvorstand der FDP sowie Student der Politikwissenschaften.

Die Initiatorin des Abends war SMV-Mitglied Adrienne Lock. Sie bilanzierte, dass sich die Jugendlichen viel zu wenig für Politik interessieren, und dass sie den Jugendparteien zu wenig Aufmerksamkeit schenken. Jugendliche, die in einer Jugendpartei aktiv seien, könnten aber mehr erreichen als sie denken, betonte Adri­enne Lock. Die Podiumsdiskussion sei eine gute Gelegenheit, politische Aspekte zu vermitteln. Dass das Angebot bei den Schülern auf positive Resonanz stieß, zeigte der voll besetzte Lichtsaal des LUG.

Mit der Frage „Welche Lösungsansätze verfolgen die Parteien bei der Bekämpfung der Staatsschulden von über 1,5 Billionen Euro“ läutete Paul Oesterle die erste Runde mit dem Thema Schuldenbekämpfung ein. Jens Brandenburg strebt mit den Jungen Liberalen ein einheitliches Steuersystem an. Durch Verzicht auf Steuersubventionen könne man Milliarden gewinnen. Außerdem sei ein strikter Sparkurs vonnöten. Auch Thomas Kaiser von der Jungen Union forderte, dass zukünftig keine neuen Schulden gemacht werden. Es gelte generell, die Ausgaben zu senken. Dejan Perc von den Jusos führte die öffentlichen Güter ins Feld, die der Gegenwert der Schulden seien. Es gelte, die Vermögenden und Spekulanten mehr zur Kasse zu bitten, deswegen müsse die Finanzmarkttransaktionssteuer eingeführt werden.

Auch Björn Maier von der Grünen Jugend hält das Sparen für die wirksamste Methode zum Schuldenabbau. Allerdings müsse man sich fragen, wo gespart werden solle. „Brauchen wir noch das Militär?“, sei dabei zum Beispiel eine berechtigte Frage. Björn Maier sprach sich auch für die Finanzmarkttransaktionssteuer aus – gegen diese machen sich wiederum die Jungen Liberalen stark. Denn der bürokratische Aufwand stehe in keinem Verhältnis zum Nutzen, sagte Jens Brandenburg. Sinnvoll wäre hingegen, den Finanzmarkt mit internationalen Regeln auszustatten und diese staatlich durchzusetzen. Für die FDP wäre eine Finanzmarktaktivitätssteuer, die die Gehälter der Banker und Bonizahlungen besteuere, wirksamer.

Nach Abschluss der Diskussion zum Schuldenabbau eröffnete Moderator Paul Oesterle die Fragerunde zur Bildungsthematik, die zunächst von den Studiengebühren bestimmt wurde. Thomas Kaiser (JU) hält diese für gerecht. Denn Studenten sollten sich an der Ausbildung beteiligen, die ihnen ermögliche, ein Vielfaches mehr zu verdienen als Nicht-Akademiker. Dejan Perc (Jusos) lehnt Studiengebühren nicht generell ab, da sie die Studienbedingungen an den Unis verbessern würden. Aber es sollte ein Stipendiensystem eingeführt werden, betonte er. Der Staat dürfe sich seiner Verantwortung nicht entziehen und müsse die Grundausstattung der Institutionen übernehmen. Jens Brandenburg entwickelte ein Gesamtkonzept zur Bildung: Die Kindergärten müssten mit Personal besser ausgestattet und Kindergartengebühren abgeschafft werden. In die Schulstruktur sollte nicht eingegriffen werden, da der Aufwand zu viel Geld koste. Sinnvoller sei es zum Beispiel, mehr Sozialpädagogen einzustellen und den Schulen mehr Freiraum zu lassen, sodass sich Eltern und Kinder die für sie beste Schule aussuchen können.

Björn Maier (Grüne Jugend) sprach sich ebenfalls dafür aus, dass die Kindergartengebühren abgeschafft werden. Seine Partei stehe für die Einheitsschule bis zur achten Klasse, die dann in ein differenziertes Kurssystem münde. Studiengebühren sollten abgeschafft, dafür der Spitzensteuersatz angehoben werden.

In der dritten Runde zum Thema Umweltschutz waren sich alle Parteivertreter darin einig, dass die CO²-Emission gesenkt und der Emissionshandel eingeschränkt werden müssen. Björn Maier von den Grünen plädierte für die Förderung erneuerbarer Energien und für den Ausstieg aus der Atomkraft. Jens Brandenburg (Junge Liberale) strebt eine Pro-Kopf-Abgabe für Emissionen auf EU-Ebene an und will in die Forschung für erneuerbare Energien investieren. Dejan Perc (Jusos) plädierte dafür, die Grenzwerte des Emissionshandels zu senken und ebenfalls in erneuerbare Energien zu investieren. Thomas Kaiser (JU) will die Stromversorgung durch eine Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken sichern, aber regenerative Energien fördern. Weitere Einigkeit bestand in dem Vorhaben, die Bahn zu subventionieren und attraktiver zu machen.

Nach der Podiumsdiskussion gab es für das Publikum Gelegenheit, Fragen zu stellen. Die eloquenten Jugendvertreter der Parteien sorgten dafür, dass ein breites Spektrum politischer Sachverhalte vermittelt wurde.

Anzeige