Lokales

Junger Generation eine Chance geben

Von höchster deutscher Stelle wurde gerade im fernen Madagaskar das große Engagement des 28-jährigen Stefan Büschelberger aus Kirchheim und seiner madagassischen Ehefrau Yvette Randrianomanana gewürdigt.

KLAUS HEIMER

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Bundespräsident Horst Köhler, der im Moment mit einer stattlichen Wirtschaftsdelegation und etlichen Pressevertretern im Rahmen seines zweiten Afrikabesuchs Mosambik, Botswana und auch die viertgrößte Insel der Welt bereist, lobte beim Staatsbankett im Palast des madagassischen Staatspräsidenten Marc Ravalomanana vor mehreren hundert Gästen den enormen Einsatz von Kirchen, Vereinen, Schulen und Privatleuten, der dazu beitrage, dass die Beziehungen zwischen beiden Ländern so lebendig seien. Herausgestellt wurde als ein Beispiel von vielen das Engagement von Stefan Büschelberger, der gesehen hat, dass viele Kinder und Jugendliche, in deren Heimatorten es keine Schule gibt, von weit her nach Miarinarivo kommen, um die Schule zu besuchen und dann kein zu Hause haben. Büschelberger und seine einheimische Ehefrau haben deshalb damit begonnen, diesen Mädchen und Jungen eine Heimstatt zu geben, damit sie nicht auf der Straße leben müssen. Beide leisten einen kleinen, aber wichtigen Beitrag dazu, der jungen Generation eine Chance auf eine bessere Zukunft zu eröffnen.

Madagaskar sei, so der afrikabegeisterte Köhler weiter, ein junges Land. Fast die Hälfte der Bevölkerung sei unter 20 Jahre alt. Diese jungen Menschen müssen sich an etwas orientieren können, sie brauchen eine Zukunftsperspektive. Die Ehefrau des Bundespräsidenten, Eva-Luise Köhler, legte bei der Gestaltung des Rahmenprogramms ganz besonderen Wert auf die Besichtigung sozialer Einrichtungen in deutsch-madagassischer Trägerschaft.

Nach dem Straßenkinderprojekt des Berliner Vereins Zaza Faly ging es in das 90 Kilometer westlich der Hauptstadt Antananarivo gelegene Zentrum des Vereins "Ny Hary", der dort dank der Eheleute Büschelberger und zahlreicher Spender aus dem Raum Kirchheim Erstaunliches geschaffen hat. Pro Tag erhalten dort inzwischen rund 100 Kinder, davon 66 Waisen, Halbwaisen beziehungsweise aus ärmsten Verhältnissen stammende Schüler, eine eiweißreiche gesunde Mahlzeit. Der Bau eines Wohnheims für 72 Sekundärschüler aus dem ländlichen Umland von Miarinarivo macht sichtbare Fortschritte. Stefan Büschelberger sagte beim Besuch von Eva-Luise Köhler und der madagassischen First Lady, Lalao Ravalomanana: "Das Schülerwohnheim soll die Versorgung mit Nahrung, Wohnraum, Hygiene sowie medizinischer und pädagogischer Betreuung sicherstellen und so die Rahmenbedingungen für einen erfolgreichen Schulbesuch schaffen".

Bis zu 40 Arbeiter waren in jüngster Vergangenheit täglich auf dem Gelände anzutreffen und Stefan Büschelberger ist auf dem 6 000 Quadratmeter großen Grundstück omnipräsent, damit auf der Großbaustelle auch alles gemäß der Planungen in die Tat umgesetzt wird. Seine Frau eilt zwischendurch auf den etliche Kilometer entfernten Markt, um frische Nahrungsmittel für die nächste Mittagsmahlzeit einzukaufen. In einem eigenen Garten soll bald Gemüse geerntet werden, mit der Legehühner- und Schweinezucht wurde schon begonnen. Damit soll die Lebensmittelversorgung des Projektes kostengünstiger und unabhängiger gestaltet werden. Ausgeweitet wird die Aktion Mitschüler-Stipendien. Deutsche Kinder können nach wie vor vier Euro im Monat von ihrem Taschengeld abzweigen und spenden und damit die Finanzierung der Mahlzeiten für noch insgesamt 57 Gleichaltrige auf der Tropeninsel sicherstellen.