Lokales

Jurist mit "Liebe, Leidenschaft und Kompetenz fürs Programm"

KIRCHHEIM Vor gut einer Woche wurde SWR-Verwaltungsdirektor Peter Boudgoust zum neuen Intendanten des zweitgrößten Senders innerhalb der ARD gewählt. Der Jurist, der nächste Woche seinen 52. Geburtstag feiert, wohnt seit 13 Jahren in Kirchheim. Anfang Mai soll er beim Südwestrundfunk die Nachfolge von Gründungsintendant Peter Voß antreten. Der Teckbote hat den künftigen Leiter des öffentlich-rechtlichen Senders für Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz interviewt. Die Fragen stellte Andreas Volz.

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Herr Boudgoust, Sie galten in den Medien schon lange vor der Wahl als Favorit. Wie haben Sie selbst Ihre Chancen eingeschätzt?

Ich denke, die Gremien hatten keine leichte Wahl. Drei starke Kandidaten haben mit unterschiedlichen Schwerpunkten einen fairen Wahlkampf geführt. Man tritt natürlich an, um zu gewinnen, sollte sich aber nicht zu früh in der Rolle des Siegers sehen. Jeder Kandidat musste die Gremienvertreter in den beiden Ländern überzeugen. Sie haben die Wahl entschieden.

Peter Voß hat Sie als den "richtigen Mann zur richtigen Zeit" bezeichnet. Welchen Einfluss hatte der scheidende Intendant auf die Wahl seines Nachfolgers?

Die Hoheit für das Verfahren und die Durchführung der Intendantenwahl liegt beim Verwaltungs- und Rundfunkrat des SWR. Das hat der Staatsvertrag festgelegt. Die Gremienmitglieder haben eindrucksvoll gezeigt, dass eine solche Unternehmensentscheidung geräuschlos und sachlich vollzogen werden kann. Das war vorbildlich und passt zum Stil unseres Hauses.

Am 30. April will Peter Voß seinen Stuhl für Sie räumen. Wie sieht die Übergangszeit bis dahin aus, gibt es beim SWR in den nächsten Monaten eine Doppelspitze?

Von einer Doppelspitze kann man nicht sprechen. Peter Voß ist bis zum 30. April 2007 Intendant des SWR. Wir werden in dieser Zeit in allen wichtigen Unternehmensfragen eng zusammenarbeiten und uns bei Personalentscheidungen abstimmen.

Welche Unterschiede ergeben sich in der Arbeit des Intendanten, wenn auf den Journalisten ein Jurist folgt?

Es wird keine grundsätzlichen Unterschiede geben. Man muss kein Journalist sein, um Liebe, Leidenschaft und Kompetenz fürs Programm mitzubringen. Die wichtigste Aufgabe eines SWR-Intendanten besteht darin, die strategisch richtigen Weichen für die Zukunftsfähigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu stellen. Also mit Weitblick auf die Entwicklungen der Gegenwart zu reagieren. Wir sind uns in der ARD und im SWR darüber einig, dass die größte Herausforderung in der weiteren Digitalisierung der Medien bestehen wird. Es wird aber auch weiterhin große rechtliche Herausforderungen für die ARD und den SWR geben: Im nächsten Jahr steht die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts über das Verfahren der Gebührenfestsetzung und eine Einigung mit der EU-Kommission an.

Wie informieren Sie sich beim Frühstück über das Tagesgeschehen? Läuft das Radio oder lesen Sie lieber Zeitung?

Ich finde beides unverzichtbar, um den Tag zu beginnen. Die Tageszeitung für die Hintergrundinformationen und das Radio für die aktuelle Berichterstattung. Als Einstimmung auf den langen Arbeitstag kann auch Musik nicht schaden.

Als Kurpfälzer haben Sie die ideale Herkunft, um die Zwei-Länder-Anstalt SWR zu leiten. Wie kommen Sie mit den Schwaben zurecht?

Sehr gut. Ich schätze die sympathische Mischung aus Pragmatismus und Lebenslust. Man kann einerseits hart miteinander verhandeln und dennoch hinterher ein Glas Wein zusammen trinken.

Was bedeutet Kirchheim für Sie?

Für meine Familie und mich ist Kirchheim zu unserer Heimat geworden. Wir leben gerne hier und fühlen uns zu Hause.

Lassen die beruflichen Verpflichtungen überhaupt Luft, um hier vor Ort noch so etwas wie Freizeit zu genießen?

Schon bisher hatte ich mehr als ausgefüllte Arbeitstage und daran wird sich auch nichts ändern. Aber jeder Mensch braucht Erholung und Freizeit, um sich zu regenerieren. Hier soll man keine falsche Legendenbildung betreiben und keinen falschen Ehrgeiz entwickeln. Ich bin ein gut organisierter Mensch und habe auch eine Familie, die mir nicht alles durchgehen lassen würde, wenn sich das Leben ausschließlich um den Beruf drehen würde.

Als neugewählter Intendant sind Sie stärker in den Blickpunkt der Öffentlichkeit geraten als zuvor. Mancher Zeitungsleser wird sich an die Schreibweise Ihres Namens gewöhnen müssen. Woher kommt der Name?

Mein Name hat französische Ursprünge, da meine Familie aus Südfrankreich stammt. Im 17. Jahrhundert siedelte man sich im Elsass an und zog von dort aus in die Pfalz. Ich selbst bin in Mannheim geboren also ein echtes "Landeskind".

Nach Ihren Worten soll der SWR noch stärker der Sender werden, der den deutschen Südwesten repräsentiert. Wie könnte das konkret aussehen?

Die Stärke des Südwestens ist die Vielfalt seiner Regionen. Sie prägen mit ihrer kulturellen Lebendigkeit und traditionsreichen Geschichte, aber auch mit ihrer wirtschaftlichen Kraft unsere Länder. Meine Idealvorstellung ist: Unsere Zuschauer und Hörer schalten unser Hörfunk- und Fernsehprogramm ein und wissen sofort: Das ist ihr SWR. Der "Herzschlag" des Südwestens sollte spürbar sein. Im SWR Fernsehen leistet das neue Design schon jetzt dazu einen großen Beitrag.