Lokales

Kahle will Bürgerentscheid

Einbahnverkehr um den Alleenring wird wieder zum Thema

Ein Thema beherrscht Kirchheim: Kann Albert Kahle einen Bürgerentscheid in Sachen Einbahnverkehr um den Alleenring erwirken? Unterschriftensammler sind bereits unterwegs, Aufrufe fluten durchs Netz. Mindes­tens 2 500 Unterstützer braucht der streitbare Stadtrat.

Erstes Treffen der ¿Initiative Verkehrskonzept Zukunft¿: 30 Bürger diskutierten mit Albert Kahle über den großen Kreisverkehr am
Erstes Treffen der ¿Initiative Verkehrskonzept Zukunft¿: 30 Bürger diskutierten mit Albert Kahle über den großen Kreisverkehr am Alleenring.Foto: Deniz Calagan.

Kirchheim. Die Zahl 2 500 bereitet Albert Kahle kein Kopfzerbrechen. 350 Unterzeichner habe er quasi aus dem Stand zusammengehabt. Das war vor zwei Wochen gewissermaßen eine improvisierte Probe für einen Bürgerentscheid nach Paragraf 21 der baden-württembergischen Gemeindeordnung.

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Albert Kahle weiß, wovon er spricht, ist er doch ein alter Hase in Sachen Bürgerentscheide: Die Wiederbelegung des Alten Friedhofs wurde vor 18 Jahren per Bürgerentscheid erwirkt unter maßgeblicher Mitwirkung von Kahle. „Damals war die Situation viel schwieriger“, blickt er zurück und nennt zwei Gründe. Der erste ist kommunikationstechnischer Natur: In Zeiten globaler Vernetzung können Anhänger leichter mobilisiert werden als durch langwieriges Klinkenputzen. Der zweite Grund liegt in der Thematik: „Friedhof hat mit Sterben zu tun, da mag sich nicht jeder damit befassen“, weiß Kahle. Anders dagegen beim Thema Verkehr: „Hier redet jeder gerne mit.“

Das bewahrheitete sich, als Kahle zu einem ersten Treff in Sachen „Krone-Kreisel verhindern – Bürgerentscheid für einen Probelauf“ einlud. 30 Bürger fanden sich ein, darunter solche, die an der Sache interessiert sind, ohne detaillierte Hintergründe zu kennen, aber auch solche, die das Thema seit Langem gespannt verfolgen, und schließlich auch alte Mitkämpfer Kahles aus Zeiten des Friedhof-Entscheids. Schnell entwickelte sich eine anregende Diskussion.

Zum Einstieg nannte Kahle seine Motivation, jetzt für einen Bürgerentscheid zu kämpfen: „Wenn der Krone-Kreisel kommt, ist die Chance auf einen Einbahnverkehr um den Alleen­ring endgültig verspielt.“ Der Krone-Kreisel wurde vor zehn Tagen in der Sitzung des Technischen Ausschusses mit knapper Mehrheit beschlossen. Für den Einbahnverkehr um den Alleenring kämpft der alteingesessene Kirchheimer schon seit über acht Jahren. Damals hatte er bei der Oberbürgermeisterwahl kandidiert. „Die Idee ist aber noch viel älter“, machte er klar, nicht der geistige Vater des Projekts zu sein. Sein Ziel: „Es muss einen Probelauf geben!“

Dass ein solcher Probelauf technisch möglich sei, sei vor sechs Jahren bewiesen worden“, verwies er auf die Studie von Verkehrsplaner Kölz, ohne jedoch die damals errechneten konkreten Kosten für einen Probelauf zu nennen. Im Technischen Ausschuss hatte Bürgermeister Riemer von einer „sechsstelligen Summe“ gesprochen und gewarnt: „Den Probelauf gibt‘s nicht zum Nulltarif.“

Kahle hält Einsparvorschläge dagegen, die sich seiner Ansicht nach unter anderem aus der Abschaltung von Ampeln ergeben. Anhand von Skizzen informierte er aber zunächst kurz über die Planungen der Stadt. Besonders stößt er sich daran, dass man eines Tages „von Kreisel zu Kreisel hüpfen“ werde, denn nach dem Mini-Kreisel am Schweinemarkt und dem Krone-Kreisel seien noch ein Kreisel am Amtsgericht und einer am Johannes-Busch-Gemeindehaus im Gespräch. Bei seinem Modell des Einbahnverkehrs gegen den Uhrzeigersinn schilderte er als Vorzüge Aspekte wie die mögliche Einsparung von Fahrspuren, mehr Bushaltestellen, weniger Ampeln und anderes mehr.

Unter den Anwesenden wurden auch Bedenken laut. So brach eine Französin eine Lanze für die in ihrem Heimatland weit verbreiteten Kreisel und bilanzierte: „Fakt ist, einzelne Kreisverkehre funktionieren.“

Bedenken und Anregungen nahm Kahle zur Kenntnis: „Wir beschließen heute ja keine Planung“, meinte er, vielmehr gehe es darum, den Ratsbeschluss zum Krone-Kreisel außer Kraft zu setzen und im Einbahn-Testlauf Erfahrungen zu sammeln. Passend zur Jahreszeit griff er auf das Bild vom Schneeballsystem zurück, wonach die Unterschriftenlisten nun verbreitet werden müssten. Erste Schneebälle werden dieses Wochenende ganz gewiss reichlich geworfen. – Im übertragenen wie auch im wörtlichen Sinn.