Lokales

Kaiserdom und Villa Ludwigshöhe

Die Senioren des Schwäbischen Albvereins der Ortsgruppe Kirchheim führten jüngst einen Tagesausflug durch.

KIRCHHEIM Der Weg führte zunächst nach Speyer, über Neustadt an der Weinstraße in das Winzerdorf Sankt Martin, danach zur Villa Ludwigshöhe bei Edenkoben und nach Schweigen, nahe der französischen Grenze.

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In Göthes Götz von Berlichingen heißt es: "Macht euch auf nach Speyer." In Speyer angekommen, ging es kurz vor dem Domparkplatz am Technikmuseum vorbei, eine Außenstelle von Sinsheim. Die Zeit bis zur angemeldeten Domführung nützten die Ausflügler zu einem Gang in die Stadt, vorbei am Domnapf und in die Maximilianstraße mit dem überlebensgroßen Standbild des Jakobspilgers.

Der Domführer fesselte mit seinem frischen und lebhaften Vortrag die Zuhörer. Die Lage des Domes wurde gewählt wegen der Nähe des Rheines. Ein Rheinarm lief damals nahe an der Baustelle vorbei. Mit Schiffen war die Unmenge von Steinen für den Bau des Domes leichter herbeizuschaffen, als auf dem Landweg. Beispielhaft für den Materialverbrauch kann das Eingangsportal von 1971 gelten. Es durchbricht eine über sechs Meter dicke vielfach abgestufte Wand. Gelbe und rote Sandsteine aus dem Odenwald und dem Hardt wurden für den Bau verwendet. Auffallend ist die Schlichtheit der Fenster. Es gibt nur zwei farbige Fenster an den Seiten des Querschiffes.

Als Konrad 1027 in Rom zum Kaiser gekrönt wurde, entschloss er sich in Speyer den mächtigsten Dom der damaligen christlichen Welt zu errichten. In ungeheuren Ausmaßen wurde der Bau geplant. Im östlichen Teil des Bauwerks sollte tief in die Erde hinein eine Krypta gebaut werden. Ein unterirdischer Dom sollte den oberirdischen auf seinen stämmigen Schultern tragen. Drei Kaiser bauten an dem Dom. Als Heinrich IV. 1106 nach 40 Regierungsjahren starb, hatte er den majestätischsten und schönsten aller romanischen Dome erstellt. Erst 1111 nach Lösen des Bannes durfte er im geweihten Dom beigesetzt werden. Sein Sarg war bis zu dieser Zeit in der noch nicht geweihten Afrakapelle aufbewahrt worden. Diese Kapelle ist heute nach Zerstörung und Wiederaufbau ein Raum der Stille und Andacht im Dom, während in den Schiffen die zahlreichen Besucher zu sehen sind.

Der Königschor ist in der Bauzeit nach und nach entstanden. Die Särge der Verstorbenen wurden in dem noch nicht vollendeten Dom unmittelbar vor der Kryta auf den Boden des Mittelgangs gestellt. Heinrich IV. ließ die Särge zu einem Block zusammenfassen, Erde darüber füllen und eine Decke darauf anbringen. Eine Gruft gab es also ursprünglich nicht. Um die Grablege zugänglich zu machen, wurde ab 1900 die heutige Gruft angelegt. Das Bild des Domes wurde erst 1689, als die Brandfackeln die blühende Reichsstadt Speyer an allen Ecken und Enden anzündeten, beeinträchtigt. Auch der Dom wurde von den Flammen erfasst. Durch die sengende Hitze barst ein Teil der Gewölbe. In den Jahren 1772 bis 1778 wurde das Langhaus wieder aufgebaut und ab 1818 wurde der Dom wieder hergestellt, sodass er 1822 wieder geweiht werden konnte.

Die Fahrt ging nun über Neustadt an der Weinstraße in den typisch fränkisch-pfälzischen Winzerort Sankt Martin. Die Mittagszeit verbrachten die Senioren im gewölbten Bachuskeller, einer Gaststätte. Das Gewölbe und die Mauern des ehemaligen Weinkellers bestehen aus Buntsandstein. Nach der Pause ging es nach Edenkoben und hinauf zum Schloss "Villa Ludwigshöhe". Das Schloss liegt auf dem Breitenbühl unterhalb der Ruine Rietburg. Im Jahr 1843 besuchte König Ludwig I. die damals bayerische Pfalz und bestimmte, dass auf dem Breitenbühl für ihn eine Villa gebaut werden sollte. Zwei Jahre nach der Grundsteinlegung im Jahre 1848 musste er wegen seiner Beziehung zur Tänzerin Lola Montez abdanken. Die Bauarbeiten stockten, wurden aber durch die Eigenfinanzierung Ludwigs weitergeführt. So konnte er 1852 mit seiner Gemahlin und Tochter in das Schloss einziehen. Seit 1975 gehört das Schloss dem Land Rheinland-Pfalz und ist der Öffentlichkeit zugänglich.

Die Weiterfahrt nach Schweigen, nahe der französischen Grenze, mit einer Kaffeepause war auch schon der Beginn der Heimfahrt über Karlsruhe.

wim