Lokales

Kampfgeist und Zuversicht fürs Wahljahr 2006

Einen regelrechten "Wahlkrimi" inszenierten die CDU-Mitglieder bei ihrer Nominierungsversammlung für die Landtagswahl in Wendlingen. Kein bisschen bibbern musste dabei Landtagsmitglied Karl Zimmermann, der mit überzeugender Mehrheit wieder zum Erstkandidaten gekürt wurde. Für Nervenkitzel sorgte vielmehr die anschließende Entscheidung über den Zweitkandidaten.

IRENE STRIFLER

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WENDLINGEN/KIRCHHEIM Auf das Ziel, "das rot-grüne Chaos abzulösen", schwor Armin Knab, Vorsitzender des CDU-Stadtverbands Wendlingen, die Anwesenden in der Wendlinger Lauterhalle bei seiner Begrüßung ein. Den Auftakt im wichtigen Wahljahr 2006 mache im März die Landtagswahl: "Da wollen wir die absolute Mehrheit erringen."

Entsprechend schwer angesichts der bevorstehenden Aufgaben machten sich die Mitglieder die Auswahl des Zweitkandidaten: Erst im dritten Anlauf konnte Peter Schuster die Mehrheit der Fraktionsmitglieder von sich überzeugen. Von 162 gültigen Stimmen entfielen schließlich 83 auf den Diplom-Theologen und gelernten Krankenpfleger aus Notzingen, 79 erhielt Polizeioberkommissar Rainer Bauer aus Weilheim. Auch in den beiden ersten Wahlgängen hatte Schuster die Nase vorn gehabt vor Bauer. Chancenlos dagegen war Helena Kapp aus Kirchheim, gegen die Schuster bei der Nominierung vor fünf Jahren unterlegen war.

Erleichtert dankte Peter Schuster den CDU-Mitgliedern und räumte freimütig ein, dass ihm dasselbe Ergebnis "mit ein oder zwei Wahlgängen weniger" lieber gewesen wäre. Der 42-Jährige ist eine bekannte Größe in der hiesigen CDU und kann unter anderem auf langjährige Zusammenarbeit mit Karl Zimmermann und MdB Michael Hennrich verweisen. Mit Konstanz und Zuverlässigkeit warb er erfolgreich um Vertrauen: "Was ich beginne, führe ich gewissenhaft durch." Er trete für große Geschlossenheit in der CDU an und versprach: "Mit Karl Zimmermann als Landtagsabgeordnetem und dem Schuster als Zweikandidaten gewinnen wir die Wahl!"

Zuversicht und Kampfgeist strahlte auch Karl Zimmermann aus, der seit 2001 den Wahlkreis Kirchheim im Landtag vertritt. In seiner Rede wies der 54-Jährige auf die von ihm beackerten Themen auf Landesebene hin, von der Tätigkeit als Strafvollzugsbeauftragter der Fraktion über die Islamismus-Debatte und die Förderung der Geothermie statt der Windkraft bis zur Landesmesse. Eher sogar noch wichtiger seien ihm jedoch Themen mit regionalem Bezug. So wies Zimmermann darauf hin, dass er sich bereits frühzeitig für den Erhalt des Pädagogischen Fachseminars in Kirchheim eingesetzt hatte und wagte sogar einen Blick in die Zukunft: "Ich verspreche Ihnen, dass in den nächsten Wochen ein erfreuliches Ergebnis vorliegen wird."

Auch in Zukunft könnten die Wähler Kontinuität von ihm erwarten und auf seinen Einsatz setzen beispielsweise "gegen jeglichen arbeitsmarktpolitischen Unfug der Bundesregierung wie das Antidiskriminierungsgesetz". "Ich drehe meinen Kopf nicht nach dem Wind", beteuerte Zimmermann abschließend und bat um "ein klares Votum und deutliches Zeichen", das ihm das Plenum in der Abstimmung mit 152 von 169 Stimmen 166 waren gültig auch prompt gewährte.

Gerade mal 14 Stimmen konnte die Lenningerin Beate Lefanczyk auf sich vereinen, die gegen Zimmermann angetreten war. Die aus Sachsen stammende gelernte Industriefachwirtin stellte Themen wie die Reform des Unternehmenssteuerrechts oder die Schaffung von Arbeitsplätzen im Bereich der Zukunftstechnologie in den Mittelpunkt ihrer Rede, deren lokaler Bezug geringer ausfiel als bei ihrem Vorredner. Sichtlich kritisch zur Kenntnis genommen wurde die Tatsache, dass die 43-Jährige erst vor einem Jahr in die CDU eingetreten ist und dort noch keine Position innehatte.

Auch im Wahlkreis Nürtingen lag die eigentliche Spannung in der Wahl des Zweitkandidaten. Hier erzielte CDU-Kreisverbandsvorsitzender Thaddäus Kunzmann bereits im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit, wenn auch ganz knapp: Mit 141 Stimmen erhielt er eine Stimme mehr als nötig. Auf Achim Weinmann aus Leinfelden-Echterdingen entfielen 80 Stimmen und auf Willi Stoll aus Filderstadt 58. Der Landtagsabgeordnete Jörg Döpper war zuvor mit 265 von 278 Stimmen zum Erstkandidaten gekürt worden.

Keine Kampfabstimmung gab es im Wahlkreis Esslingen. In der Alten Aula votierten 72 von 75 Wählern für die Landtagsabgeordnete Christa Vossschulte, und auch der einzige Zweitkandidat, Peter Nester aus Denkendorf, hatte 72 CDU-Vertreter hinter sich. In Esslingen waren alle abgegebenen Stimmen gültig.

Im Wahlkreis Göppingen, zu dem neuerdings auch Reichenbach gehört, wurde Dr. Dietrich Birk, seit 1996 Mitglied des baden-württembergischen Landtags, mit 100-prozentiger Zustimmung als Erstkandidat nominiert. Zweitkandidatin ist Brigitte Kreisinger.