Lokales

Kanalsanierung sorgt für Zündstoff

Dass der Kanal in der Holzmadener Bahnhofstraße saniert werden muss, steht seit Jahren fest. Nachdem starke Regenfälle im August jedoch für Überschwemmungen gesorgt hatten, kam das Thema nun schneller als erwartet auf die Tagesordung des Gemeinderats. Einige Bürgervertreter kritisierten das schnelle Vorgehen: Sie fühlten sich unzureichend informiert.

BIANCA LÜTZ

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HOLZMADEN Das Kanalsanierungsprogramm der Urweltgemeinde geht in die letzte Runde. Nachdem im Rahmen der Eigenkontrollverordnung in den vergangenen zehn Jahren alle Kanäle in der Gemeinde überprüft und Mängel behoben worden sind, steht nur noch die Auswechslung des Kanals in der Bahnhofstraße an. Aufgrund ihres Umfangs wurde die Maßnahme ans Ende des Sanierungsplans gestellt. "Bis Ende der 90er-Jahre hatte es nahezu keine Probleme mit dem Kanal gegeben", berief sich Bürgermeister Jürgen Riehle auf Erkundigungen, die er bei seinem Amtsantritt 1998 eingezogen hatte. "Hochwasser und Rückstauungen sind erst später eingetreten", betonte er.

So auch bei den starken Regenfällen im August dieses Jahres: In der Bahnhofstraße gab es Überschwemmungen und Bürger klagten über Rückstaus in den Kanälen Grund für die Holzmadener Gemeindeverwaltung, das Thema auf die Tagesordnung zu setzen. Ingenieur Thomas Herrmann, den die Verwaltung mit der Ausschreibung der Kanalauswechslung beauftragt hatte, verdeutlichte den zeitlichen Rahmen in Anbetracht des nahenden Winters: "Wenn wir bis Ende Dezember fertig sein wollen, müssen wir noch diesen Monat beginnen." Der Kanal in der Bahnhofstraße zwischen Seestraße und Hirtenstraße wurde in die Schadensklasse zwei eingestuft und muss auf einer Länge von 120 Metern komplett ausgetauscht werden. "Er ist teilweise eingebrochen und hydraulisch überlastet", informierte Jürgen Riehle.

"Ich komme mir vor, als ob wir hier überrumpelt werden", beklagte sich Jörg Molter, dass die Gemeindeverwaltung vorab keine Unterlagen zu dem Thema verschickt hatte, sondern lediglich zu Beginn der Sitzung Tischvorlagen verteilte. "Bei einer Maßnahme in der Größenordnung kann man nicht ad hoc entscheiden", sagte er.

Gert Hauschild kritisierte, dass weder Ingenieur noch Gemeinde auf die anstehende Maßnahme hingewiesen hätten, als im Zuge der Erschließung des Baugebiets Ringstraße eine Baugrube an der Einmündung zur Bahnhofstraße bestanden habe. "Jetzt müssen wir den Belag wieder aufreißen und haben für die nächsten 20 Jahre eine geflickte Straße", ärgerte sich Gert Hauschild. Zudem sei der Gemeinderat vor der Ausschreibung der Maßnahme nicht befragt worden. Auch Rainer Stephan fühlte sich schlecht informiert: "Ich muss doch im Vorfeld wissen, wie der Bestand ist", sagte er.

Bürgermeister Jürgen Riehle wehrte sich gegen den Vorwurf einer Hauruck-Aktion. "Dass die Kanalsanierung auf dem Plan steht, ist seit 1998 klar", betonte Riehle. Im aktuellen Haushalt sind Mittel für das Projekt in Höhe von 77 000 Euro eingestellt. Er räumte jedoch ein: "Wir hätten es gemütlicher angehen können." Wenn das Hochwasser im August nicht gewesen wäre, hätte die Gemeinde das Thema erst im nächsten Jahr in Ruhe angepackt. Nach den Überschwemmungen jedoch habe die Verwaltung so schnell wie möglich handeln wollen.

Dass bei der Maßnahme 20 bis 30 Quadratmeter der neuen Straßenoberfläche an der Einmündung zur Ringstraße wieder aufgebrochen werden müssen, gab Jürgen Riehle zu: "Wir hätten den Endbelag an der Ringstaße weglassen sollen." Thomas Herrmann wies darauf hin, dass der Kanal nicht gleichzeitig zu den Arbeiten an der Ringstraße verlegt werden konnte, da sonst zusätzlich auch noch die Bahnhofstraße hätte gesperrt werden müssen.

Jörg Molter äußerte Bedenken, weil das künftige Rohr in der Bahnhofstraße, das einen Durchmesser von 60 Zentimetern hat, in ein Rohr mit 50 Zentimetern münden wird: "Gibt es da keine Engpässe?" fragte er und regte an, das schmälere Rohr ebenfalls auszutauschen. Diesen Vorschlag lehnten Jürgen Riehle und Ingenieur Thomas Herrmann aus wirtschaftlichen Gründen ab. "Es besteht keine Notwendigkeit dazu", versicherte Herrmann.

Bei drei Enthaltungen, sechs Ja-Stimmen und einem Befangenen stimmte das Gremium schließlich dem Antrag der Verwaltung zu, die Arbeiten an eine Alfdorfer Firma zu vergeben, die mit 86 500 Euro das günstigste Angebot auf die Ausschreibung der Arbeiten abgegeben hatte. Außerdem segnete der Gemeinderat die überplanmäßigen Ausgaben von knapp 10 000 Euro ab. Der Kanal wird somit voraussichtlich noch in diesem Jahr ausgetauscht.

Sollte sich bei den Arbeiten herausstellen, dass auch die Wasserleitungen in der Bahnhofstraße schadhaft sind, steht eine weitere Entscheidung darüber an, ob die Rohre in einem Zug mit dem Kanal ausgewechselt werden.