Lokales

Kandidaten stellen ihre Ziele vor

Randvolle Halle – Matthias Ruckh und Johannes Züfle gehen in die heiße Wahlkampfphase

Ende März geht in Weilheim eine Ära zu Ende. Bürgermeister Hermann Bauer räumt nach 37 Jahren seinen Platz im Rathaus. Entsprechend groß ist das Interesse der Öffentlichkeit an der Nachfolge des altgedienten Stadtchefs. Am Donnerstagabend stellten sich die Kandidaten in der Limburghalle vor.

Tobias Flegel

Weilheim. Der Parkplatz vor der Limburghalle war ein Gradmesser für das Interesse der Öffentlichkeit an den Kandidaten Matthias Ruckh und Johannes Züfle. Dicht an dicht standen die Wagen auf dem Platz, und Schlangen abgestellter Fahrzeuge zogen sich weit in die Nebenstraßen. Noch beeindruckender war das Bild im Inneren des Gebäudes: Der große Saal der Limburghalle war proppenvoll. Die rund 700 bestuhlten Sitzplätze reichten bei weitem nicht, sodass sich die übrigen Besucher vor die Wände stellten und bis ins Foyer standen. Rund 1 000 Weilheimer Bürger verfolgten die Vorstellung der zwei Bewerber, teilte Weilheims Bürgermeister mit.

Die große Aufmerksamkeit, die die Weilheimer Öffentlichkeit den zwei Kandidaten im aktuellen Wahlkampf widmet, ist verständlich. Mit Hermann Bauer nimmt ein kommunalpolitisches Urgestein seinen Abschied. Der Stadtchef ist 37 Jahre im Dienst – länger als alle anderen derzeit amtierenden Bürgermeister im Kreis. „Irgendwann ist es Zeit zu gehen“, sagte er in seiner Begrüßung zur Kandidatenvorstellung.

Seinen vorzeitigen Rückzug hatte Hermann Bauer schon vor der Wiederwahl im Februar 2004 angekündigt. Er wolle nicht bis zum Ende der achtjährigen Amtszeit auf dem Rathaussessel bleiben, sagte er damals an. Konkret wurde der Bürgermeister dann vor einem Jahr, als er sein Ausscheiden für Ende März 2009 bekanntgab. Danach übernimmt sein Nachfolger die Leitung im Weilheimer Rathaus – und der heißt entweder Matthias Ruckh oder Johannes Züfle.

Welcher der Kandidaten Hermann Bauers Platz letztlich einnimmt, entscheidet sich bei der Wahl am 1. Februar. Doch wie der neue Mann auch heißen wird, er tritt ein zu gleichen Teilen schwieriges wie einfaches Erbe an. Denn Bauer hinterlässt ein wohlbestelltes Feld: In seiner Amtszeit sei die Steuerkraft in Weilheim um das Sechsfache gestiegen, während man die Schulden der Stadt in 37 Jahren unverändert auf dem Stand von zwei Millionen gehalten habe, bilanzierte er. Im Vergleich zu den Schulden, die Kreis, Bund und Länder in diesem Zeitraum angehäuft haben, ließen sich die Zahlen sehen. Solche Ergebnisse machen es seinem Nachfolger nicht einfach: An ihn werden hohe Erwartungen gestellt, zugleich soll er ein eigenes Profil haben.

Keine einfache Aufgabe, die auf Matthias Ruckh oder Johannes Züfle wartet. Doch beide sind entschlossen, sich der Herausforderung zu stellen. Wie sie künftige Aufgaben angehen wollen, was ihre Ziele und Visionen für Weilheim sind und warum sie sich gerade diese Stadt für eine Kandidatur ausgesucht haben, erläuterten sie am Donnerstag in der Limburghalle und gestern Abend in der Hepsisauer Gemeindehalle.

Maximal dreißig Minuten hatten Ruckh und Züfle Zeit, um ihre Positionen auszuführen. Sie stellten sich in jener Reihenfolge vor, in der ihre Namen am Wahlsonntag auf dem Stimmzettel stehen. Diese Reihenfolge richtet sich nach dem Eingang der Bewerbungen. Da die Unterlagen beider Männer schon am ersten Tag der Bewerbungsfrist im Briefkasten des Rathauses gelegen hatten, entschied das Los: Matthias Ruckh durfte vor Johannes Züfle auf die Bühne treten.

Der 38-jährige Diplom-Verwaltungswirt Matthias Ruckh würdigte zunächst die Leistungen des amtierenden Bürgermeisters. Gemeinsam mit dem Gemeinderat wolle er auf das gute Fundament aufbauen, das Hermann Bauer hinterlasse. Ihm gehe es nicht um eine völlige Neuorientierung, sondern um die Fortführung der erfolgreichen Arbeit. Damit dies gelingt, will Ruckh den Kontakt zu den Bürgern suchen, sie früh themenbezogen informieren und an der Gestaltung der Zukunft beteiligen. Bevor er auf seine Verwaltungserfahrung einging, stellte Ruckh seine Frau Kirsten vor. Mit ihr hat er zwei Kinder, dazu kommen drei Söhne, die seine Partnerin aus erster Ehe mit in die Familie gebracht hat.

Matthias Ruckh blickt auf 13 Jahre Berufserfahrung zurück. Nach seinem Studium war er drei Jahre als Haupt- und Ordnungsamtsleiter der Gemeinde Wangen im Kreis Göppingen tätig. Danach wählten ihn die Einwohner des Nürtinger Stadtteils Raidwangen zu ihrem Ortsvorsteher, eine Aufgabe, die er seitdem wahrnimmt. Im Juni 2007 kam mit Reudern die Vertretung eines weiteren Orts hinzu. Zusätzliche Erfahrung habe er bei einer Reihe von Aufgaben, gesammelt, die ihm Nürtingens Oberbürgermeister übertragen habe.

Seine Arbeit orientiere sich am Prinzip der Nachhaltigkeit: Möglichst wenig Schulden zu machen sowie ein verantwortungsvoller Umgang mit Energie und Natur sei für ihn wichtig, sagte Ruckh. Gleichermaßen komme es auf ausreichende Angebote bei der Kinderbetreuung an. Obwohl die Stadt hier derzeit gut aufgestellt sei, müsse in Zukunft aufgestockt werden. Hohen Stellenwert räumt Ruckh auch der Ausbildung ein, für die er im Schulterschluss mit Verwaltung, Vereinen und anderen Organisationen möglichst gute Rahmenbedingungen schaffen will. In der Pflicht sieht sich Ruckh beim Ausbau der Angebote für Senioren und Pflegebedürftige. Weitere Schwerpunkte will der Kandidat auf die Förderung der Wirtschaft durch den engen Kontakt zu den Unternehmen sowie auf eine gute Verkehrserschließung legen. „Die Vision eines Anschlusses an die S-Bahn Kirchheim muss als langfristiges Ziel gesichert werden.“ Hepsisau betrachtet Ruckh als Ort mit eigenem Charakter, den es zu bewahren gilt.

Der 28-jährige Diplom-Verwaltungswirt Johannes Züfle stellte zunächst seinen Werdegang vor. Nach dem Studium trat Züfle eine Stelle beim Arbeitsamt in Heilbronn an, wo er für die Gewährung von Arbeitslosengeld verantwortlich war. Dort habe er gelernt zu helfen, wo man helfen kann. Seit Anfang 2006 ist Johannes Züfle Ortsvorsteher in Jesingen. Er ist verlobt mit Ingrid Schobbert, die er während des Studiums kennengelernt hat.

Generell ist es Johannes Züfle wichtig, die Bürger bei der Kommunalpolitik einzubinden. Um ihre Anliegen kennenzulernen, rief er am Ende seiner Rede zur „Zukunftswerkstatt Weilheim 2020“ auf – einer Diskussion mit den Bewohnern, die Stärken und Schwächen der Stadt zutage fördern soll und bei der Themen für die Zukunft erarbeitet werden.

Was Schule und Bildung angehe, komme es nicht nur auf neue bauliche Kapazitäten an, sondern auch auf qualitativ gute Angebote. Zusammen mit Schulen, Kindergärten, Eltern und Vereinen möchte Züfle zudem Konzepte für die frühkindliche Bildung und für die Ganztagsschule entwickeln. Damit sich Familien in Weilheim wohlfühlen, will er das Wohnumfeld verbessern. Wo es klemmt, soll eine Bürgerbefragung zeigen. Darüber hinaus ist dem Kandidaten der Kinder- und Jugendtreff wichtig, den er durch aktive Sozialarbeit auch jenen schmackhaft machen möchte, die bisher nicht an den Angeboten interessiert sind. Bei der Seniorenarbeit sieht Züfle Weilheim gut aufgestellt, will die Angebote aber mit haupt- und ehrenamtlichen Partnern ausbauen.

Ein weiteres Anliegen des Kandidaten ist die Stärkung des ehrenamtlichen Engagements. Beim Umweltschutz setzt Züfle auf einen „Flächenverbrauch mit Augenmaß“ und auf regenerative Energien. Zu seinen Zielen zählen außerdem der Abbau der Verschuldung und die Sicherung der guten Infrastruktur. Dazu gehört für ihn auch die Versorgung mit schnellen Internetverbindungen.

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