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"Kaninchen wollen hoppeln und Sprünge machen"

Der Osterhase steht in der Vorstellung als Sinnbild für Fruchtbarkeit und Lebensfreude im wahren Leben der Mastkaninchen und Einzelhaltungstiere wird er diesem Bild keineswegs gerecht.

KIRCHHEIM Von Natur aus gesellig und bewegungsfreudig, müssen die meisten Kaninchen in engen Käfigen ohne Artgenossen ihr Dasein fristen. "Pro Jahr werden in der industriellen Mastkaninchenhaltung 24 bis 32 Millionen Tiere geschlachtet, zahlenmäßig mehr als Rinder und Schweine zusammen", nennt Ina Hegewald vom Kirchheimer Tierschutzverein Zahlen. Für Kaninchen heißt das, bis zum Schlachtalter von drei bis vier Monaten, zusammengepfercht mit bis zu sieben Artgenossen pro Quadratmeter auf Drahtböden dahinzuvegetieren. "Sie haben keinerlei Möglichkeiten, ihrem natürlichen Bewegungsdrang nachzukommen kein Hoppeln, kein Aufrichten ist möglich, dafür sind schmerzhafte Pfotenverletzungen, Ballengeschwüre und Wirbelsäulenverkrümmung an der Tagesordnung", prangern die Tierschützer an.

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Besonders weibliche Kaninchen, die als "Wurfmaschinen" eingesetzt, selten eineinhalb Jahre alt werden, würden unter den schlechten Haltungsbedingungen leiden. "Pro Jahr müssen die Muttertiere rund achtzig Junge zur Welt bringen. Die Sterblichkeitsrate liegt bei extrem hohen 40 Prozent, die der Jungtiere bei 30 Prozent. Der Tierschutz appelliert deshalb, nur Kaninchenfleisch aus artgerechter Haltung zu erwerben und zwar nicht nur zur Osterzeit.

Dem beliebtesten Nagerhaustier Deutschlands geht es nach Einschätzung der Tierschützer in vielen Fällen auch nicht besser. Als süßes, kleines Fellknäuel, oft ohne Beachtung der Haltungsanforderungen und auf das Drängen der Kinder angeschafft, leiden viele Kaninchen bald unter Einsamkeit. Die mangelnde Aufklärung in Zoohandlungen tue ihr übriges. Die Testnachfragen der Tierschützer als vermeintliche Käufer eines Kaninchens hätten ergeben, dass eine kompetente Beratung kaum zu bekommen war und die meisten angebotenen Kaninchen zu jung waren. "Auch heute noch werden Einzeltiere in viel zu kleinen Käfigen verkauft, ein großartiges Interesse am Wohl der Tiere fanden wir selten", lautet das Fazit.

Kaninchen bräuchten mindestens einen Partner, artgerecht wären mehrere Weibchen und ein kastriertes Männchen. "Sie wollen viel Platz. Eine Käfiggrundfläche von mindestens 1,4 Meter ist die Grundvoraussetzung für die Haltung von zwei Tieren. Kaninchen wollen hoppeln und Sprünge machen. Deshalb ist täglicher, gesicherter Auslauf unumgänglich", so die Tierschützer. Immer frisches Heu, Beschäftigung im Käfig, Holzhäuschen und abwechslungsreiches Futter sind eine weitere Grundvoraussetzung. Wenn Eltern in ihrem Haushalt Kaninchen diese grundsätzlichen Haltungsanforderungen nicht bieten können, sollten sie den Tieren zuliebe dem Wunsch ihrer Kinder nach Kaninchenhaltung nicht nachkommen, so die klare Forderung der Tierschützer. Kinder sind ihrer Ansicht nach durchaus verständig, wenn man ihnen erkläre, dass eine Haltung von Kaninchen wegen mangelndem Platzangebot nicht möglich ist, das Tier dann traurig ist und oft krank werde.

Wenn die Anforderungen zur Kaninchenhaltung allerdings erfüllt werden können und alle Familienmitglieder zustimmen, sollte der erste Weg von Interessenten, gemeinsam mit dem Nachwuchs, in die Tierheime der Region sein. Dort gibt es viele ganz verschiedene Kaninchen, die auf ein Zuhause warten. "Kinder sollten ein Mitspracherecht haben, denn schließlich werden Kaninchen bis zu zehn Jahre alt und begleiten die Kinder eine ganze Weile", so die Erfahrung der Tierschützer. Beratung bekommen dort Interessenten zusammen mit jeder Menge Zeit kostenlos.

ina