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"Kann man auch im hohen Alter noch glücklich sein?"

"Kann man auch im hohen Alter noch glücklich sein?" Die Altenfachberaterin des Landkreises Esslingen, Inge Hafner, referierte beim Seniorenforum in Weilheim anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Seniorenarbeit zum Thema "Älter werden". Im Saal fand danach die breit gefächerte "Ausstellung der Hilfsangebote" für ältere Menschen statt.

RAINER STEPHAN

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WEILHEIM Passend zum Thema begrüßte Vorsitzende Erika Jahke am Donnerstagnachmittag die zahlreichen Gäste durch ein Gedicht, mit dessen Fazit "Du musst lernen, alt zu werden" sie auf den Vortrag von Inge Hafner überleitete. Die Altenfachberaterin stellte ihren Ausführungen den Anspruch "Langlebigkeit verpflichtet" voran.

Die Menschen hätten zum Ende des 19. Jahrhunderts 48 Stunden wöchentlich gearbeitet und zwei Wochen Urlaub erhalten. Da erst mit 70 Jahren Rente bezogen werden konnte, wurde das Rentenalter von den allermeisten nicht erreicht. Diese Situation habe sich ins Gegenteil verkehrt. Ältere Menschen blieben länger fit und gesund. So könnten heute 70 Prozent der über 80-Jährigen ihr Leben noch selbstständig meistern.

Während aber früher die Älteren Ratgeber gewesen wären, so seien sie heute Ratsuchende, indem sie von den Jungen wie beim Computer unterrichtet würden. "Es ist schwierig, den Sichtwechsel zu verkraften", umschrieb die Referentin die Veränderungen. Auch die steigende Zahl der Ein-Personen-Haushalte und der Umstand, dass 30 Prozent aller Frauen über 40 keine Kinder haben, unterstreichen die Tendenz, dass Kinder im Alter nicht mehr für einen "sorgen" würden.

Auf den Altenhilfeplan des Landkreises Esslingen bezogen stellte Inge Hafner einen Grundsatz moderner Altersphilosophie vor: Wenn das durchschnittliche Lebensalter 80 Jahre beträgt, dann bedürfe diese Lebensphase der Planung.

An erster Stelle stünden die Veränderungen bei der Gesundheit und Ernährung. Die Krankenkassen gingen von einem Einsparpotenzial in Höhe von 30 Prozent bei den Krankheitskosten aus. Medizinische Fortschritte würden diese Prognose untermauern. So sei heutzutage bei der Sturzprophylaxe mit Muskeltraining einiges zu erreichen. Ein Viertel der Älteren würden an Depressionen leiden, der großen Krankheit unseres Jahrtausends.

Bei der Alzheimer-Krankheit würde das Erinnerungsvermögen gemindert. Wichtiger denn je so die Fachfrau sei daher geistiges Training, durch das nachweislich der Krankheitsverlauf gebremst werde. Auch Tanzen sei als Therapie hervorragend geeignet.

Bei der Vorsorge sei derzeit das Thema "Betreutes Wohnen zu Hause" in aller Munde. Es "klinge gut in den Ohren" und verpflichte die Wohnberater nunmehr auch zur Prüfung barrierefreier Wohnverhältnisse. Die von vielen als ideal empfundene Wohnform sei angekoppelt an eine Person, die kompetente Beratung gewährleiste sowie an den wöchentlichen, einstündigen Besuch einer Kraft, die aber mehr als "Gesellschafterin" fungiere.

Eine weitere Errungenschaft sei das "Wohnen in Wahlverwandtschaft". Mehrere Wohnungsinhaber unter einem Dach helfen sich hierbei untereinander und betreiben Daseinsvorsorge. Wichtige Dinge wie die Patientenverfügung würden angesprochen und geregelt. Eine Pflegeübernahme erfolge jedoch nicht.

"Es wird wieder mehr ärmere Alte geben", umschrieb die Altenfachberaterin die sich abzeichnende finanzielle Verschlechterung der Lage. Wenn Töchter auf eigene Lebensziele wegen der Pflege eines Elternteils verzichten würden, so hätten hier die Älteren Verantwortung zu übernehmen und das Thema beim Erbe gezielt anzusprechen.

Mit dem Aufbau "sozialer Netzwerke" lasse sich in veränderten Lebenslagen neue Kontakte knüpfen. "Kontakte aufbauen muss man üben", lautete die Aufforderung von Inge Hafner an die Älteren zum anstrengenden Bemühen, sich eine neue Heimat zu schaffen. Das Projekt "Netzwerk Klosterviertel" in Kirchheim habe hierzu Vorbildliches geleistet.

Breiten Raum widmete die Referentin den Aussagen aus dem Buch "Die Glücksformel". Den Schlüssel zur Lösung eines Problems habe die Hirnforschung gefunden: Depressionen würden gesteuert durch Hormone im Hirn somit könne man auch etwas verändern. Mit den richtigen Übungen sei die Glücksfähigkeit auch im hohen Alter steigerbar. Viel Bewegung würde in jedem Fall die Stimmung heben. Ein halbstündiger Waldspaziergang dreimal die Woche setze Glücksendorphine frei und sei allemal besser als Rückzug und Fernsehkonsum.

Auch bürgerschaftliches Engagement führe bei den Älteren zu mehr Zufriedenheit und schaffe neue soziale Kontakte. Sowohl der ehrenamtlich Tätige als auch der Beschenkte würden vom Miteinander ihren Nutzen ziehen. Mit dem Zitat der Dichterin Marie von Ebner-Eschenbauch "Nicht jene sind zu bedauern, deren Träume nicht in Erfüllung gehen, sondern die sind zu bedauern, die keine Träume mehr haben" ermunterte Inge Hafner zum Schluss ihrer mit viel Applaus bedachten Ausführungen die Zuhörer zum positiven Denken und Handeln. Die eingangs gestellte Frage war damit bejahend vom Tisch.

Erika Jahke schloss mit einem "Glücksgedicht" von Clemens von Brentano und lud zur "Ausstellung der Hilfsangebote" in die Halle ein. Dort waren AOK, Diakoniestation, Schwäbischer Albverein, eine Apotheke, das Seniorenforum, ein Sanitätshaus und viele weitere nützliche Einrichtungen vertreten Ein breit gefächertes Angebot an Hilfsmitteln, die die Bewältigung des Alltags leichter machen, und viel guter Rat war allenthalben zu bekommen.