Lokales

Karies ist nur noch bei wenigen Kindern ein Problem

Die Kinder und Jugendlichen im Kreis Esslingen haben immer gesündere Zähne. Hatten vor 20 Jahren nur knapp 53 Prozent aller Kindergartenkinder "naturgesunde" Zähne, also keine Plombe im Mund, waren es im vergangenen Jahr beachtliche 75 Prozent. Bei den Fünft- und Sechstklässlern stieg der Anteil sogar von 14 auf 56 Prozent.

ANDREAS KAIER

Anzeige

KREIS ESSLINGEN "Wir haben eine nachhaltige Verbesserung der Zahngesundheit zu verzeichnen", freut sich Dieter Kress, Geschäftsführer der AOK Esslingen. Den Erfolg führt er vor allem auf das Engagement der Arbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege (AZE) zurück. Zu dieser schlossen sich vor 20 Jahren im Landkreis Esslingen die gesetzlichen Krankenkassen, das Kreisgesundheitsamt sowie die Zahnärzte zusammen. Finanziert wird das Projekt von den gesetzlichen Krankenkassen, die dafür pro Jahr 176000 Euro ausgeben.

Zahnärzte und Prophylaxehelfer der AZE gehen regelmäßig in Kindergärten, Grundschulen und seit Herbst auch in die fünften und sechsten Klassen der Realschulen. Kleinere Kinder lernen spielerisch den richtigen Umgang mit der Zahnbürste. Größere Kinder erfahren, wie wichtig gesunde Ernährung und regelmäßige Zahnpflege sind.

Den Erfolg des Projekts belegen Zahlen, die Dr. Helmut Eisele, Vorsitzender der Kreiszahnärzteschaft präsentiert. Laut Eisele will die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bis 2010 erreichen, dass jedes Kind durchschnittlich nicht mehr als einen kariösen Zahn im Mund hat. "In Baden-Württemberg lag die Zahl schon vor zwei Jahren bei 0,7", freut sich der Zahnarzt aus Ostfildern. Damit haben baden-württembergische Kinder die gesündesten Zähne nicht nur in ganz Deutschland, sondern in ganz Europa. Dass das so ist, bemerkt Eisele jeden Tag: "Früher haben wir Zahnärzte bei Kindern immer nur gebohrt, heute sind 80 bis 90 Prozent frei von Karies."

"Wir haben zwar sehr schöne Zahlen, aber auch Problemgruppen", so der Vorsitzende der Kreiszahnärzteschaft weiter. Neben Kindern aus sozial schwachen Familien nennt Eisele Kinder von Migranten, von denen manche nur schwer zu erreichen seien. Um diese so genannten "Kariesrisikokinder" kümmern sich laut Adelheid Schön, AZG-Geschäftsführerin im Kreisgesundheitsamt, die AZE-Leute besonders. Zuversichtlich ist Eisele, dass durch das Projekt der Anteil kariesfreier Kindergartenkinder von derzeit 75 auf bis zu 90 Prozent erhöht werden kann.

Im Herbst wurden die Realschulen einbezogen. Laut Dr. Walter Kontner, Leiter des Kreisgesundheitsamts, erhielten bereits 15 der 23 Realschulen im Landkreis Besuch von den Zahnärzten und Prophylaxehelfern. "Das ist ein durchschlagender Erfolg", betont Kontner. Bei den Rektoren sei er sofort auf offene Ohren gestoßen. Im nächsten Jahr sollen auch die Fünft- und Sechstklässler der Hauptschulen besucht werden, später, je nach Kapazität, auch die ersten beiden Klassen der Gymnasien. "Schade" findet es AOK-Chef Kress, dass sich die privaten Kassen nicht an dem Projekt beteiligen. Es trage wesentlich zur Kostenreduzierung bei und mache damit das Gesundheitssystem sicherer. Im Hinblick auf zunehmende Diabeteserkrankungen und übergewichtige Kinder wünscht sich der AOK-Geschäftsführer ähnliche Projekte auch in anderen Bereichen.