Lokales

Karl Zimmermann strebt "Alleinregierung" an

Klare Ziele verfolgt der Kirchheimer CDU-Landtagsabgeordnete Karl Zimmermann, der gestern den Wahlkampf mit einem Pressegespräch in seinem Büro in Kirchheim einläutete: Am 26. März will er sein Ergebnis von 2001 möglichst steigern. Vor fünf Jahren hatte er einen Stimmenanteil von 42 Prozent für sich verbuchen können.

ANDREAS VOLZKIRCHHEIM

Anzeige

O:9020601.JP_"Wir brauchen eine starke Regierung", sagt Karl Zimmermann und lässt keinerlei Zweifel aufkommen, wie er sich eine solche Regierung vorstellt: "Ich würde mir wünschen, dass es keine Koalitionsverhandlungen braucht, in denen doch niemand seine Ziele ganz durchbringt. Baden-Württemberg hat eine Alleinregierung verdient. Ich denke, dass die Leute dieses Mal den Mut haben, CDU zu wählen."

Außerdem liegt es Karl Zimmermann am Herzen, dass keine "radikalen Parteien" in den neuen Landtag Einzug halten "weder rechts noch links". Ein gewisses Problem sieht der Kirchheimer Abgeordnete, dessen erste Legislaturperiode als Landtagsmitglied nun zu Ende geht, in den guten Umfragewerten seiner Partei. Nicht dass es ihn grundsätzlich stören würde, wenn bis zu 49 Prozent prognostiziert werden: "Aber wenn dann bei der nächsten Umfrage 47 Prozent kommen, heißt es wieder, wir sind auf dem absteigenden Ast." Zwei Themen stellte Karl Zimmermann beim gestrigen Pressegespräch in den Vordergrund: die Energiepolitik und die Wirtschaftsförderung. Außerdem kam er noch auf die Bildungspolitik und den Naturschutz mit Schwerpunkt Vogelschutz zu sprechen.

Der Vertrag über den Atomausstieg basiere auf falschen Grundlagen, monierte der CDU-Mann aus Kirchheim. Obrigheim sei abgeschaltet, Neckarwestheim I folge 2008, sodass Baden-Württemberg, das "Industrieland Nummer eins", das denBedarf zu 60 Prozent über Kernkraftwerke abdecke, seinen Strom nun teilweise auch von anderswo beziehen müsse: "Wir können das nicht ausgleichen." Die regenerativen Energiequellen seien noch nicht in dem Maße nutzbar, wie es der geplante Zeitrahmen für den Atomausstieg erfordern würde.

Karl Zimmermann brachte an diesem Punkt Zahlen ins Spiel: Die 2 500 Windräder in Baden-Württemberg würden im Schnitt pro Tag 2 500 Megawatt erzeugen. Aber allein der Spitzenverbrauch um die Mittagszeit liege im Südweststaat bei 12 000 Megawatt. Insgesamt würde die Windkraft im Land maximal sechs Prozent des Energiebedarfs decken. Zimmermann kommt deshalb zu der Schlussfolgerung: "Im Süden der Republik ist Wind kein Thema. Der Wind ist nicht oft da. Er lohnt sich für die Anleger, aber nicht für die Energiewirtschaft."

Karl Zimmermann bevorzugt bei den regenerativen Energien große Wasserkraftwerke wie dasjenige, das zurzeit in Rheinfelden entsteht. Sein Schwerpunkt in der Energiepolitik ist und bleibt aber die Geothermie. Dabei setzt er besonders auf das mögliche Pilotprojekt im Dettinger Neubaugebiet "Goldmorgen". Dort sei angedacht, erstmals in einem Baugebiet eine zentrale Erdwärmeversorgung einzurichten.

Die zentrale Versorgung größerer Gebiete ist für Karl Zimmermann auch bei seinem zweiten Schwerpunktthema ein wichtiges Anliegen bei der Wirtschaftsförderung. "Was läuft auf dem Kolb & Schüle-Areal? Wen kann ich da ansprechen?" So fragte er gestern beispielhaft. Dass die Stadt Kirchheim nun eine Wirtschaftsförderin bekomme, begrüßte Zimmermann deshalb ausdrücklich. Schließlich könne die Stadt nicht einfach warten, bis ansiedlungswillige Unternehmer zufällig im Internet auf Kirchheim stoßen. Vielmehr müsse sich Kirchheim intensiv um Kontakte kümmern. "Die Botschaft entsteht beim Empfänger", dozierte der Landtagsabgeordnete und stellte anschließend fest: "Dafür muss ich aber erst einen Empfänger haben."

Auf möglichst viele potenzielle Empfänger hofft der Kirchheimer CDU-Abgeordnete auch am 8. März. Gemeinsam mit seinem Parteifreund Georg Wacker, Staatssekretär im Kultusministerium, lädt er für diesen Tag zur Diskussion über Bildung ein. "Wir haben uns die frühkindliche Erziehung vorgenommen", sagt Karl Zimmermann. Auf diese Weise wolle man etwas gegen die Schere tun, die zu Ungunsten der sozial Schwächeren immer weiter aufgehe, begründete er den "Paradigmenwechsel" gegenüber früher, als man noch versucht habe, die Kinder so spät einzuschulen wie möglich.

An einem aber hält die baden-württembergische CDU Zimmermann zufolge fest. "Wir wollen keine späte Trennung. Man erkennt relativ bald, welche Fähigkeiten in einem Kind stecken", sprach er sich für die Beibehaltung der vierjährigen Grundschulzeit aus. Gänzlich neue Gedanken entwickelte Karl Zimmermann dagegen für die Abiturprüfungsordnung aus Gründen der Gleichberechtigung: "Man sollte vielleicht alle Klassenarbeiten, die fürs Abi zählen, zentral machen."

Diese und ähnliche Fragen wird Karl Zimmermann ab 1. März offen mit allen Wählerinnen und Wählern diskutieren, wenn der "Straßenwahlkampf" beginnt. Einen Monat nach der Wahl will sich der Kirchheimer CDU-Politiker verstärkt in freier Natur aufhalten, um mit örtlichen Ornithologen "jeden roten Punkt" in seinem Wahlkreis abzugehen, an dem dann der Halsbandschnäpper brüten soll. Er will damit das jüngste Vogelschutzgutachten hinterfragen, denn so viel steht für ihn fest: "Der Halsbandschnäpper ist auch in der Lage, 200 Meter weiter einen Nistplatz zu finden und die größte Gefahr für ihn sind sowieso andere Vögel."