Lokales

Katzen suchen dringend ein neues Zuhause

Das Kirchheimer Katzenasyl beim Bauhof platzt mal wieder aus allen Nähten. Rund 20 Stubentiger suchen ein neues Zuhause. Als ein Geschenk unterm Weihnachtsbaum sollten sie allerdings nicht landen, denn ein Tier zu besitzen, heißt, über Jahre hinweg Verantwortung zu übernehmen.

IRIS HÄFNER

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KIRCHHEIM "Wir haben hier rund 20 Katzen, die dringend ein neues Zuhause suchen. So viele Katzen auf relativ engem Raum bedeutet hauptsächlich für die älteren Tiere großen Stress", sagt Edelgard Neshyba vom Kirchheimer Tierschutzverein, die die Katzen beim Bauhof betreut. Ihre jüngsten Schützlinge sind gerade Mal acht Wochen alt, der Senior der Gruppe ist bereits elf Jahre alt. Fast alle Farbenschläge sind vertreten: "Wir haben viele schwarze, aber auch Tiger, gescheckte und sogar eine ganz weiße", beschreibt die Tierschützerin ihre Schützlinge.

Die Schicksale der Stubentiger sind so unterschiedlich wie ihr Temperament. Ein älterer Kater wurde beispielsweise einfach zurückgelassen, als seine Familie wieder in die Türkei zurückzog. "Er ist diese Enge hier überhaupt nicht gewohnt und verträgt sich schlecht mit seinen Artgenossen", so Edelgard Neshyba.

So gern der Kirchheimer Tierschutzverein die Tiere in deren Interesse so schnell wie möglich abgeben will, erinnern die Tierschützer gleichzeitig an die Verantwortung, die ein Tier, egal welcher Art, mit sich bringt. "Besonders in der Weihnachtszeit bekommen Kinder Tiere geschenkt. Hunde und Katzen, aber gerade Kleintiere wie Vögel, Kaninchen, Meerschweinchen, Ratten, Mäuse, Chinchillas, Aquarienfische oder Reptilien sind davon besonders betroffen", so die Erfahrung von Klaus Peter Thoma, Vorsitzender des Kirchheimer Tierschutzvereins. Oft seien dies unbedachte Anschaffungen, die dann nach ein paar Monaten wieder in den Tierheimen abgegeben oder anderweitig "entsorgt" würden.

Der Tierschutzverein rät daher folgende Dinge vor dem Kauf zu beachten: Jedes Tier muss artgerecht versorgt werden über seine gesamte Lebenszeit und darf nicht als Kinderspielzeug angeschafft werden. Viele Eltern würden vergessen, dass Kinder nach kurzer Zeit das Interesse an dem Tier verlieren können und sich dann selbst um das Tier kümmern müssen. "Dies ist häufig aus beruflichen oder zeitlichen Gründen nicht möglich. Die Tierheime sind übervoll mit solchen Tieren aus unbedachter Anschaffung", gibt Klaus Peter Thoma zu Bedenken. Jeder potenzielle Käufer solle sich unbedingt vorab informieren, welche Voraussetzungen für eine artgerechte Haltung notwendig sind.

"Es gibt außerdem viele Tierarten, die nicht einzeln gehalten werden sollen. Dazu gehören beispielsweise Wellensittiche, Kaninchen oder Meerschweinchen", erklärt der Tierschützer. Katzen sollten Freigang haben und unbedingt kastriert sein. Jeder Käufer sollte sich ferner darüber im Klaren sein, dass das Tier auch im Urlaub ausreichend versorgt werden muss und bei einem Umzug sei vorab zu klären, ob in der neuen Wohnung Tierhaltung erlaubt ist. "Jede Anschaffung eines Tieres ist früher oder später mit Tierarztkosten verbunden. Hunde und Katzen müssen zudem regelmäßig geimpft und entwurmt werden", gibt Klaus Peter Thoma zu bedenken.

Manche Tiere bedürfen einer intensiven Pflege oder müssen täglich artgerecht beschäftigt werden, sodass die bisherigen Freizeitaktivitäten möglicherweise eingeschränkt werden. "Bei jeder Haustierhaltung müssen alle verantwortlichen Familienmitglieder einverstanden sein", so eine weitere Erfahrung des Tierschützers. Auch bei Familiennachwuchs müssten die Haustiere weiterhin integraler Bestandteil der Familie bleiben.

"Hat man sich unter Abwägung aller Erfordernisse für die Anschaffung eines Haustieres entschieden, so sollte man sich zunächst in einem oder mehreren Tierheimen informieren und sich vielleicht für ein Tier aus dem Tierheim interessieren, bevor man eine Zoohandlung aufsucht", lautet die Bitte von Klaus Peter Thoma. Die zukünftigen Besitzer sollten sich nicht nur am äußeren Erscheinungsbild festmachen, sondern auch das Wesen des Tieres und seine individuellen Bedürfnisse ins Kalkül einbeziehen. Ältere Tiere seien oft ruhiger und abgeklärter und würden sich dadurch einfacher halten lassen. Dies gelte insbesondere für Hunde. "Einem älteren Menschen einen jungen Hitzkopf zu schenken bedeutet in aller Regel Tierquälerei, auch wenn dies nicht offen zu Tage tritt", bezieht der Tierschützer klar Stellung.