Lokales

Kein Grund zu Pessimismus im Landkreis

Mehr Mut in der Politik das ist der Wunsch von Wolfgang Kiesel für 2007. Beim Neujahrsempfang der Industrie- und Handelskammer (IHK) Esslingen-Nürtingen forderte der Präsident vor 400 Gästen im Esslinger "Neckar Forum" weitere Reformen und mehr Flexibilität.

KORNELIUS FRITZ

Anzeige

ESSLINGEN Den Empfang nutzte der IHK-Präsident für einige kritische Anmerkungen. "Ein Unternehmen zu führen, erfordert viel Mut und Selbstvertrauen", sagte Kiesel. An Letzterem mangele es auch den Politikern nicht, das mutige Handeln habe er in den vergangenen Monaten aber oft genug vermisst.

Zum Beispiel bei der Gesundheitsreform: "Mit dem Gesundheitsfonds schaffen wir noch mehr Bürokratie und verhindern den Wettbewerb der Kassen. Das ist leistungsfeindlich", kritisierte der IHK-Präsident. Auch die Forderung, dass ältere Arbeitslose länger Leistungen beziehen sollen, leuchtet Kiesel nicht ein: Es könne nicht sein, dass einerseits immer weniger junge für immer mehr alte Menschen bezahlen müssten und andererseits die Alten nichts für die Jungen geben wollten. "Wo bleibt die Solidarität, wo bleibt der Generationenvertrag?" fragte Kiesel.

Die globalisierte Wirtschaft sieht der IHK-Präsident als große Herausforderung für Ökonomie und Politik. Der Wohlstand in Europa sei nicht "naturgegeben" und es bestehe kein Anspruch darauf, dass es immer so weitergehe. Um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können, müssten die Unternehmen flexibler sein auch beim Personal. Neben einer Kernmannschaft brauchen die Unternehmen nach Ansicht von Kiesel auch variable Mitarbeiter. Dafür seien flexiblere Regelungen beim Kündigungsschutz notwendig. Auch über eine Ausweitung der Zeitarbeit müsse nachgedacht werden. "Hier sehe ich erhebliches Potenzial für weitere Arbeitsplätze", sagte Kiesel.

Da die Zukunft der deutschen Wirtschaft nicht mehr in der Produktion, sondern in Forschung und Entwicklung liege, müsse mehr Geld in diesen Bereich fließen nach Kiesels Ansicht mindestens drei Prozent des Bruttoinlandprodukts. Und die Investition in die Zukunft beginnt für ihn mit der Ausbildung des Nachwuchses: "Wenn wir schon zu wenig Kinder haben, dann müssen wir umso mehr in sie investieren." Schon in der Schulzeit müssten die Kinder auf das Wirtschaftsleben vorbereitet werden. Deswegen bedauert es der Unternehmer, dass die Nachfrage der Schulen nach Jugendbegleitern, die ihr Wissen aus den Betrieben an die Schüler weitergeben, bislang bescheiden ist.

Für die Region sieht Kiesel in den kommenden Jahren gute Chancen: "Es gibt hier in der Gegend eine ganze Reihe hoch innovativer kleinerer Unternehmen." Als Beispiel nannte er das Esslinger Life-Science-Center, in dem kleine Unternehmen aus dem Bereich Biotechnologie und Medizintechnik Erstaunliches leisteten. Ausdrücklich lobte er dabei das Engagement von Oberbürgermeister Jürgen Zieger und dem ehemaligen Wirtschaftsförderer Gottwald Schäfter. Auch beim Innovationspreis des Landkreises habe sich gezeigt, dass es in der Region jede Menge kleine Unternehmen gibt, die Spitzenprodukte erfinden und herstellen. "Zumindest für unseren Landkreis und seine Region bin ich also gar nicht so pessimistisch."