Lokales

"Kein heimlicher Türöffner für Geschäftsflieger"

Bürger in Kirchheim, Owen und Dettingen sind besorgt. Grund dafür ist die Umwandlung des Kirchheimer Segelflugmekkas Hahnweide in einen Sonderlandeplatz. Damit werde der Geschäftsfliegerei Tür und Tor geöffnet, befürchten Anwohner. Sowohl Stadt als auch BWLV sehen das nicht so: "Faktisch wird sich nichts ändern", sagen Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker und BWLV-Ex-Vizepräsident Siegmund Maier.

RICHARD UMSTADT

Anzeige

KIRCHHEIM Auf der Hahnweide sind acht Luftsportvereine und seit 1966 die Motorflugschule des Baden-Württembergischen Luftfahrtverbandes (BWLV) aktiv. Außer den knapp 100 "Superorchideen" starten und landen auf dem Segelfluggelände auch rund 50 motorgetriebene Fluggeräte, das sind Segelflugzeuge mit Klapptriebwerken, Ultraleichtflugzeuge, Motorsegler und Motormaschinen der Vereine, der BWLV-Flugschule sowie von Privatleuten. Diese motorisierten Flugzeuge benötigen eine Erlaubnis, um auf dem Segelfluggelände starten und landen zu dürfen. Dabei erhielten die acht Cessnas der Motorflugschule vom Regierungspräsidium (RP) Stuttgart eine unbefristete, aber widerrufliche Start- und Landegenehmigung. Die Besitzer der übrigen Maschinen haben eine befristete Erlaubnis in der Tasche, die sie immer wieder beim Regierungspräsidium und der Stadt Kirchheim verlängern lassen müssen. Dazuhin regeln Verträge zwischen dem BWLV als dem Pächter und Halter des Segelfluggeländes und der Stadt die Zahl und den Betrieb der Motorflugzeuge.

"Es gab diesbezüglich schon immer ein Limit. Die Kontrolle der Stadt war und ist gegeben", sagt der frühere Vizepräsident des Baden-Württembergischen Luftfahrtverbandes Siegmund Maier, der für den BWLV das Umwandlungsverfahren begleitet.

Beschränkungen bleibenGalten die Einzelerlaubnisse zunächst für zwei Jahre, so vereinbarte der BWLV 2001 mit dem Regierungspräsidium einen Fünf-Jahres-Rhythmus, der mit Jahresende abläuft. Maier: "In Anbetracht des nicht unerheblichen bürokratischen Aufwandes für Piloten und RP die Hahnweide ist nicht das einzige Gelände dieser Art in Baden-Württemberg schlug das Regierungspräsidium vor, die Sache auf eine andere Basis zu stellen." Diese andere Basis wäre ein Sonderlandeplatz, der in der Abstufung Verkehrsflughafen, Verkehrslandeplatz, Sonderlandeplatz und Segelfluggelände an dritter Stelle steht. Das heißt, ein Sonderlandeplatz kann mit Segelflugzeugen, Motorseglern sowie Ultraleicht- und Motorflugzeugen betrieben werden. "Der gravierende Unterschied zum Verkehrslandeplatz wie zum Beispiel dem in Aalen-Elchingen ist der, dass auf einem Sonderlandeplatz nur diejenigen Motorflugpiloten, die bereits eine Einzelerlaubnis haben, auch weiterhin fliegen dürfen. Einen Verkehrslandeplatz aber darf jeder Pilot mit seiner Maschine anfliegen. Bei einem Verkehrslandeplatz müssen außerdem andere baulich-technische Voraussetzungen erfüllt sein", erklärt der BWLV-Geschäftsführer Klaus Michael Hallmayer. Was manche Bürger befürchten, beträfe einen Verkehrslandeplatz, nicht aber einen Sonderlandeplatz. Der Verband wolle jedoch ebensowenig wie die Vereine, die Stadt Kirchheim und die umliegenden Ortschaften, dass aus der Hahnweide ein Verkehrslandeplatz wird. "Deshalb bleiben die vereinbarten Beschränkungen. Es liegt dann am Betreiber des Platzes sowie der Stadt Kirchheim als der Eigentümerin, wer mit seinem Motorflugzeug auf der Hahnweide starten und landen darf", so Geschäftsführer Hallmayer. "Faktisch ändert sich am bisherigen Betrieb durch die Umwandlung nichts. Der Geschäftsfliegerei wird dadurch in keinster Weise Tür und Tor geöffnet." Der BWLV als Platzhalter ist durch seine interne Vereinbarung auf die Zusage der Stadt angewiesen. Dieser Vertrag läuft bis zum Jahre 2024.

SegelflugleistungszentrumFür den Luftfahrtverband steht außer Frage, dass die Hahnweide als erstes Segelflugleistungszentrum in Deutschland als solches auch erhalten bleiben soll. "Dies ist unser erklärter Wille. Wir sind dem Luftsport verpflichtet und nicht dem gewerblichen Motorflug," sagt Siegmund Maier und Klaus Michael Hallmayer ergänzt: "Es gibt kein Segelfluggelände in der Republik, an dem mehr Leistungsflug betrieben wird." Deshalb komme für den BWLV eine Ausweitung der Motorfliegerei nicht in Betracht: "Das würde dem Verbandszweck zuwider laufen," so der BWLV-Geschäftsführer. "Wir fördern nur das, was den Vereinen nützt. Das Kontingent an Motorfliegern ist festgelegt. Ein neues Propellerflugzeug kann nur dann hinzukommen, wenn ein anderes dafür stillgelegt wird beziehungsweise ersetzt werden muss."

AnhörungsverfahrenWährend in Owen und Dettingen die Unterlagen auf dem Rathaus bereits ausliegen, können Kirchheimer Bürger diese vom 20. November bis 22. Dezember auf dem Planungsamt der Stadtverwaltung, Zimmer 227, einsehen. Einwendungen gegen die Umwandlung des Segelfluggeländes in einen Sonderlandeplatz im Rahmen des Anhörungsverfahrens sind spätestens bis zum 10. Januar 2007 schriftlich oder mündlich zur Niederschrift beim Regierungspräsidium Stuttgart oder beim Planungsamt der Stadt Kirchheim, Zimmer 226, zu erheben. Mit einer Stellungnahme der betroffenen Kommunen zur Umwandlung in einen Sonderlandeplatz rechnet der BWLV bis Mitte/Ende Januar. Anschließend tritt das Regierungspräsidium in den Abwägungsprozess ein.

"Es liegt in unserem eigenen Interesse, dass alles so bleibt, damit's keinen Ärger mit den Bürgern gibt", sagt BWLV-Ex-Vizepräsident Maier. Der jedoch scheint vorprogrammiert. Im Owener Neubaugebiet "Im Schmidsacker" unterm Hohbol werden bereits Unterschriften gegen den Sonderlandeplatz gesammelt und in der Teckstadt plant die Leiterin des BUND-Umweltzentrums Kirchheim, Rosemarie Fano, die im Außenbereich in der Nähe des Segelfluggeländes wohnt, eine Bürgerinitiative. Sie fordert von der Stadt Kirchheim eine Informationsveranstaltung zum Thema "Sonderlandeplatz".

Die Kommunen werden die Bürgermeinung in ihre Sitzungsunterlagen für die Gemeinderatsgremien aufnehmen. Außerdem gibt es Mitte Dezember ein Gespräch der Stadt Kirchheim und der Gemeinde Dettingen mit der Fliegergruppe Wolf-Hirth, einem der vier Vertragspartner der Kommune.

Die Verwaltungschefin der Fliegerstadt Kirchheim, Angelika Matt-Heidecker, verweist auf die Vereinbarung mit dem BWLV, in der mit Namen und Kennzeichen Piloten und Motorflugzeuge festgeschrieben sind, die auf der Hahnweide starten und landen dürfen. "Mehr wird's nicht, auch wenn die Hahnweide Sonderlandeplatz wird."