Lokales

Kein „Kampfplatz Wartezimmer“

Dieter Kress sieht die AOK auf dem richtigen Weg und hofft auf Ruhe im Gesundheitswesen

„Das Wartezimmer darf kein Kampfplatz sein“, kommentiert Dieter Kress die Schwierigkeiten, die der Gesundheitsfonds in die Arztpraxen getragen hat. Der AOK-Chef hofft auf eine baldige Feinjustierung der gründlich missglückten Verteilung der Arzthonorare. Dazu kann das Hausarztmodell der AOK beitragen. Die führende Krankenkasse hat nach eigener Einschätzung einen guten Start in die neue Welt des Gesundheitsfonds geschafft.

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irene strifler

Plochingen. Die AOK ist schuldenfrei, berichtet Dieter Kress mit Stolz. Zudem kann der Geschäftsführer im Bereich Neckar-Fils auch schon versprechen, dass es im Jahr 2009 garantiert keine Zusatzbeiträge geben wird. „Die neuen Strukturen machen die in Berlin produzierten Probleme hierzulande gangbar“, erklärt Kress. Gut aufgestellt sieht sich die AOK Neckar-Fils dank ihrem 2007 erfolgten Zusammenschluss der Bezirksdirektionen Nürtingen-Kirchheim, Esslingen und Göppingen. Mit dem Gesundheitsfonds müsse man bei aller Kritik nun mal leben, ist sich Kress sicher: „Vor den Bundestagswahlen wird sich da nichts ändern.“

Mit den Neuerungen lebt die größte Kasse gar nicht schlecht: „Servicefreundlichkeit und Kundennähe zählen jetzt endlich“, freut sich AOK-Bezirksrat Helmut Hartmann über die Vereinheitlichung der Beiträge. Dem Wettbewerb mit Dumping-Tarifen sei nun Einhalt geboten worden. Die AOK punktet mit ihrem dichten Netz an Kundencentern und Beratungsstellen. „Wir bieten Kompetenz und Größe, gepaart mit regionaler Ausrichtung“, fasst der stellvertretende Geschäftsführer Thomas Schneider zusammen und jubelt: „In der Region sind wir bekannter als Coca-Cola!“

Zu den Zielen für die nahe Zukunft gehört der Ausbau des Marktanteils, der schon jetzt über 40 Prozent liegt. „Wir wollen die magische Grenze von 300 000 Mitgliedern knacken“, sagt Schneider und berichtet von zahlreichen Neukunden. Den Zustrom führen die Verantwortlichen unter anderem auf maßgeschneiderte Angebote zurück: „Wir haben nicht einfach einen Bauchladen an Produkten entwickelt.“

Zu den Flaggschiffen gehören etwa der Arbeitgeber-Service und speziell das betriebliche Gesundheitsmanagement. Ausgefeilte Präventionsmodelle halten den Mitarbeiter fit und den Krankenstand niedrig. – „Davon profitieren alle, bringt es AOK-Bezirksrat Dieter Hummel in Vertretung der Arbeitgeberschaft auf den Punkt. Über 50 Firmen haben im vergangenen halben Jahr an derartigen Programmen teilgenommen. „Weiche Faktoren wie das Wohlfühlen der Mitarbeiter am Arbeitsplatz sind auch in Krisenzeiten sehr wichtig“, betont Schneider.

Als Modell der Zukunft gilt für die AOK-Verantwortlichen auch der „Hausarztvertrag“. Etwa die Hälfte der rund 520 Hausärzte in den Kreisen Esslingen und Göppingen nehmen bereits daran teil. Einer der Vorteile aus ärztlicher Sicht ist die Verbesserung der Einnahmenseite. Bekanntlich sind die Ärztehonorare seit Einführung des Gesundheitsfonds in Baden-Württemberg drastisch eingebrochen. „Die Kassenärztlichen Vereinigungen müssen die Verteilung neu regeln“, betont Kress und beklagt eine gewisse Verunsicherung der Patienten. Diese jedoch dürften nicht Leidtragende der Verteilungskonflikte der Ärzte untereinander sein.

Die hausarztzentrierte Versorgung sichere die Strukturen in der Region, betonen die AOK-Vertreter. Nichts­destotrotz wird der Ärztemangel auch im Schwabenländle offenkundig: In einzelnen Orten klaffen Versorgungslücken, die von der Bevölkerung schmerzlich empfunden werden. Die AOK sieht sich mancherorts in der Pflicht, sich an der Suche für Nachfolger für verwaiste Praxen zu beteiligen. – Dass sich diese Suche nicht gerade einfach gestaltet, lasten die Gesundheitsfachleute unter anderem dem Imageschaden für den Arztberuf durch den Gesundheitsfonds an.